Carpe Diem

Brettspiele Frittenrezensionen
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Superfritte

Ein Tag zum Schaffen

Carpe Diem“, nutze den Tag. Sei fleißig. Schaffe. Lebe. Bei Alea und durch Stefan Feld wird im gleichnamigen Aufbauspiel für 2-4 Menschen den Spielenden die Möglichkeit gegeben, sich als römische Bauherren und Baudamen und Bausternchen zu versuchen. Ein Brunnen hier, eine Villa da, und ja nicht den Bäcker vergessen, denn schließlich wollen wir Brot haben. Oder doch eine Landschaft auslegen, so dass die Hühner gackern, die Trauben weinen, die Fische flossen und die Kräuter grünlich tun? Es gibt viel zu tun, und nur wenig Zeit existiert. „Carpe Diem“, nutze den Tag. Gehen wir es an.

Ich blicke auf meinen Tag zurück

So sitze ich hier, ich römischer Tagenutz. Wie war der Tag? War er ein Guter? Was habe ich geschafft? Was habe ich geschaffen? Waren meine Handlungen zufriedenstellend? Habe ich den Tag genutzt? Und wofür eigentlich? Habe ich Wichtiges sein lassen? Habe ich Unnützes genutzt? War es genau richtig?

Fragen über Fragen überkommen mich, ich römischer Patrizier. Und ich bin mir so unsicher. Sind meine Entscheidungen genau richtig? Fehlgeleitet? Für die Katz?

Ich nippe an meinem Wein, den ich aus einem Holzbecher trinke. Meine Hände stützen die Stirn, und ich schaue auf mein Schaffen des Tages zurück. Nein! Es reicht, nicht mehr zurückschauen. Nach vorne. Da liegt die Chance. Vergangenes ist vergangen. Das Kommende – darauf kommt es an. Nutze den Tag. Den Morgigen. Carpe Diem! Ja, Morgen werde ich alles richtig machen.

Doch was bedeutet „richtig“? Wer bestimmt, was richtig und was falsch ist? Sind es die Wertungen? Kommt es nur drauf an, dass ich meine Hühner verkaufen kann? Oder meine Kräuter? Oder sind es meine Baukünste meiner Villen? Ich weiß es nicht. Ich hechle den Aufträgen hinterher, habe Angst vor Strafen. Ansehen verlieren, oder wie würde ich es in einem Spiel nennen, Siegpunkte abziehen? Kommt es darauf an? Ich will doch ein schönes Stadtviertel besitzen, oder nicht? Sollte es nicht einfach nur „passen“? Ich weiß nicht, was ich machen soll …?

Oh weh, ich bin so hin und her gerissen. Ich renne von links nach rechts, von oben nach unten und wieder zurück auf dem Baumarkt. Baue. Pflanze. Mache. Schaffe. Ich nutze den Tag – Carpe Diem.

Gefangen im Hamsterrad

Es gibt kein Entrinnen. Keine Zeit zum Ausruhen. Keine Minute, um nur zu sein, zu entspannen, in den Tag zu leben. Carpe Diem, ich soll den Tag nutzen, um was zu tun? Wirklich, um so viel zu schaffen? Doch was genau? An so vielen Stellen, Ecken und Bereichen schaffe ich, baue, entwickle, vergrößere mein Stadtviertel. Wie ein Arbeitstier drehe ich meine Runden, und dennoch ist jeder Zug anders. Vor mir liegen die Wahlmöglichkeiten, und alle reden sie mir gut zu: Verwalter, Händler, der Bäcker aus der Backstube und der Handwerker. Ja, am liebsten hätte ich sie alle. Sie, und die Kulturlandschaften. Wie gerne möchte ich meine Villen wachsen sehen, hier, genau hier, und nicht da. Wie gerne sehe ich hier meinen Markt. Ja, wie gerne. Doch mein Tag hat nur 7 Stunden. Nutze den Tag – Carpe Diem.

Wie im Hamsterrad renne ich umher. Baue, schaffe, plane, konstruiere. Immer das Gleiche. Immer wieder anders. Und mit jedem Zug meines Tages wächst meine Anspannung. „Du darfst Dir keine Fehler leisten. Nichts falsch machen. Es wird sich rächen. Glaube mir.“ Diese Sätze zermartern meinen römischen Kopf. Ich bin schon ganz wirr. Was soll ich nur alles tun? Am liebsten alles, aber das schaffe ich nicht. Ich schaffe es einfach nicht.

Und so sitze ich hier, nippe an meinem Wein vom Feld und bin ganz fertig vom Tag. Und wieder stelle ich mir die Fragen: War es ein guter Tag? Habe ich ihn genutzt? Carpe Diem heißt es, nutze den Tag. Und ich bin schon ganz müde. Nein, nicht müde, ich bin überfordert. So viele Entscheidungen. So viel zu bedenken. So viel zu tun. Aber ich werde es schaffen, es angehen, den Tag nutzen. Carpe Diem.

Anders trotz diverser Gleichheiten

In meinem Schaffen ist meine Sicht auf die Dinge ebenso durcheinander, wie bei der Wahl der vielen Entscheidungen, die ich treffen muss. Manch Bausubstanz sieht so unglaublich ähnlich aus, dass ich nur bei genauer Betrachtung einen Unterschied sehe. Schade, aber ist ebenso. Ich habe nicht die Zeit und die Geduld mich darüber zu ärgern. Vielmehr will ich Schaffen, bauen, errichten, den Tag nutzen. Auch wenn manch Bauwerk einem anderen sehr ähnlich scheint, dann ist das eben so. Da kann ich mir nur selbst zu helfen wissen. Über die Gegebenheiten kann mich aufregen, oder sie einfach hinnehmen, und mich über den Verlauf des Erlebens freuen. Ja! Vielmehr interessiert, schaffe ich meinen Tag und bin ich bereit mit Lust den Tag zu nutzen. Ich bin bereit. Bin ich bereit?

Ja, das bin ich. Auch wenn der Tag viel von mir abverlangt. Auch wenn ich gut zu tun habe, nicht immer genau weiß, was das Richtige ist, so habe ich Freude an meinem Werk. Und Freude an der Konkurrenz. Wirklich. Die Konkurrenz im Carpe Diem ist unmüde, gefährlich und unverzeihlich. Fehler werden bestraft. Teuer sogar. Das Leben und Schaffen im nutzbaren Tag ist hart, unverzeihlich, kompromisslos.

Carpe Diem, nutze den Tag. So will ich ihn nutzen, gerne, sehr gerne sogar.

Ich trinke meinen Wein vom Feld aus, wische mir mit meinen Handinnenflächen über die Stirn, Reibe meine Augen, atme ein und stürze mich in einen weiteren Tag. Carpe Diem.

Lecker

  • So viel zu tun und zu bedenken, und nur so wenig Züge
  • Leicht zu erlernen und herausfordernd zu meistern
  • Von Anfang an spannend

Pfui

  • Optisch na ja, aber da weiß man sich selber zu helfen

Fazit

Funfairist nutzt sein Fazit und sagt

Toll. Mir gefällt Carpe Diem richtig gut, und nach einer gespielten Partie kommt in mir der Wunsch auf: Noch mal. Sehr gerne noch einmal. Ein tolles Feld-Spiel mit, wie ich finde, hohem Wiederspielreiz. Ich mag die Spielweise, die vielen Optionen und das wachse Bestreben die Spielzüge richtig und gut zu nutzen. Carpe Diem, gerne nutze ich das Spiel um einem schönen Spieletag zu haben. Danke. Danke auch an Ravensburger, die uns dieses Spiel für eine Rezension zur Verfügung gestellt haben, wir haben uns sehr darüber gefreut.
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