Das Farbenmonster

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Das Spiel mit den Gefühlen

Gefühle sind schon ne komische Truppe in einem drin. Ganz schön mächtig zeigen sich die Farblichter in uns, die in der Lage sind körperliche Reaktionen zu initiieren und unser Handeln zu beeinflussen. Gefühle sind wie Töne, nur lauter. Musik. Oder sind es Farben? Vielleicht sind es auch nur elektrische Impulse. Oder bezeichnet man Gefühle auch als kleine Geister, die warm in unseren Blutbahnen und Nervenzellen hausen? Sind Gefühle kleine Lebewesen, die eine Ministadt in unserem Körper bevölkern? Ja ja, Gefühle, die sind schon eine komische Truppe. Komisch meint das kooperative Kinderspiel Das Farbenmonster aber nicht zu sein. Stattdessen will hier pädagogisch versucht, Kindern die Kommunikation über Gefühle zu erleichtern, reflexiv sich zu durchleuchten und sich mitteilend zu artikulieren. Ein Spiel? Therapie? Oder was ganz anderes? Wir schauen auf Das Farbenmonster aus dem Hause Huch von Anna Llenas.

Die Farbpalette der Gefühle

Kennt ihr das Kinderbuch Das Farbenmonster von Anna Llenas? Ein echt schönes Pop Up Buch, in dem es um ein gefühlsverwirrtes Monster geht, welches seine Gefühle sortieren will. Ein kleines Mädchen hilft ihm dabei.

Die Brettspieladaption von Das Farbenmonster bedient sich der selbem Thematik. Eines morgens wacht das Monster auf und ist vollkommen durcheinander. Farbschlacht im Monsterbalch. Das kleine Zottelvieh ist vollkommen durcheinander. Es liegt an uns dem kleinen Zahnwuschel zu helfen, und die Gefühle zu sortieren.

Auf dem Spielfeld sehen wir große Bereiche in gelb, schwarz, rot, blau, grün und pink. Auf zwei Regalen stehen die Einmachgläser, in denen Gefühle ganz gut wegsortiert werden könnten – Ordnung muss sein. Kleine Plättchen in den jeweiligen Farben passen ganz genau in die kleinen Gläser. Auf dem Spielfeld stehen unsere beiden Figuren, Das Farbenmonster und das Mädchen.

Ein Würfelwurf bestimmt unsere Bewegung: 1 Feld, 2, oder irgendwo hin. Oder das Mädchen kommt zu uns. Sobald wir auf einem Feld gelandet sind, versuchen wir das dort liegende Plättchen wegzusortieren. Dafür müssen wir die passende Flasche finden. Ein Memory-Mechanismus.

Aber erinnern allein reicht nicht aus, denn bevor wir uns ein Glas anschauen können, um zu checken, ob die Farbe zum Glas passt, gilt es das Gefühl zu benennen. Hier wird es interessant und knackig.

Wann warst Du das letzte mal …

Genau, wann war ich das letzte mal freudig? Was passiert in mir, wenn ich Angst habe? Wie zeige ich Wut? Was führt dazu, dass ich traurig bin? Woran merke ich Gelassenheit? Gar nicht so einfach, besonders nicht, wenn man mit Kindern spielt. Auch für Erwachsene scheinen manche Fragen zu beschäftigen, denn wann hatte man letztens wirklich Angst, Wut und wahrlich Freude erlebt.

Bei Das Farbenmonster gilt es in erste Linie nicht darum die passenden Fläschchen und Farben zu sortieren, sondern darum über „dieses Gefühle“ zu sprechen. Für Kinder, für die das Spiel gemacht wurde, ist es eine wunderbare Anleitung und Einladung über Gefühle zu sprechen, diese überhaupt zu erkennen und zu benennen, Gefühle und die Situationen ausmachen, wann sie erscheinen, sich derer zu erinnern und die Handlungen und körperlichen Agitationen zu reflektieren. Puh! Ganz schön harte Kost. Ja, kann es wirklich sein.

Über Gefühle zu reden kann für manch Mensch eine Herausforderung sein. Da ist es egal, ob man Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener, Erwachsener oder Senior ist. Gefühle zu benennen und über sie zu reden ist in vielen Alltagen eher Mangelware und „nicht schick“. Auch das bewusste in sich hinein horchen und sehen, wie sich das eigene Farbenmonster heute fühlt, gehörte in vielen, so unterstelle ich es einfach mal, nicht zur Morgengymnastik. Gefühlsechowahrnehmung kann bei Nichtübung Arbeit und Herausforderung sein.

Das Farbenmonster will hier spielerisch und liebevoll Menschen ermöglichen, mit sich und Mitspielenden in Kontakt zu kommen. Wahrlich ein Geschenk und eine wunderbare Einladung.

Pädagogisches Spielen

Das Farbenmonster ist eine Einladung an Mitspielende zusammen an einem Brett in Austausch zu gehen. Dabei schenken sich die Mitspielenden intime und innere Befindlichkeiten. Ellenbogen, Siegeswahn und Ärgern sind hier nicht im Spiel, vielmehr versucht man im Spiel ein Gefühl und die Worte dazu für sich zu finden, wie auch Ohr und dankbares Verständnis für andere zu erleben. Auch wenn am Ende ein Sieg oder ein Verlieren des Spiels möglich ist, geht es in erster Linie um den Spielprozess.

Dies ist Älteren eher klar, als Kindern. Diese wollen eher die Gefühle richtig wegsortieren. Das Sprechen über Gefühle und das reflexive nachgehen derer, steht eher an zweiter Stelle. Dennoch findet der Effekt statt und mitspielende Ältere freuen sich, wie verspielt beiläufig Kindern eine Möglichkeit geschaffen wird, über Gefühle zu reden und sich derer zu erinnern.

Sollte es Kindern schwer fallen über die eigenen Gefühle zu reden, ist es auch möglich den Zustand des Monsters zu beschreiben. Warum ist das Monster gerade traurig? Was hat es erlebt? Wie ist es dazu gekommen? Wenn Kinder in solchen Fällen die Figur mit in die Hand nehmen, hilft das ungemein. Auch kann man passend farbige Knete mit an den Spieltisch stellen, die nur genommen werden soll, wenn jemand über ein bestimmtes Gefühl spricht.

Das sortierte Farbenmonster

Das Spiel zum Kinderbuch Das Farbenmonster ist eine wunderbare Einladung an Eltern, Erziehungsberechtigte und Interessierte, Kindern die bunte Welt der Gefühle etwas erfahrbarer zu machen. Zwar fühlt man sich nicht während des Spiels entsprechend, aber man erinnert sich daran, wie man mal gefühlt hat. Eine wunderbare Einladung und eine „andere Form von Spiel“.

Die Spielausstattung ist wunderschön, ich liebe die Spielfiguren – sie fassen sich super schön an. Über den Zusammenbau der Regale bin ich etwas uneuphorischer – irgendwie halten die Füße nicht so ganz.

Das Spielbrett ist groß und echt schick. Allerdings hätte ich mir eine Verspieltheit gewünscht, wie es das Pop Up Buch besitzt. Wie toll wäre es, wenn das Spielbrett ebenfalls ein Pop Up Spielbrett gewesen wäre??? Aber vielleicht lenkt dies auch vom Spielgeschehen ab und ermöglicht eher das Zubruchgehen. Dennoch, schön hätte ich es auf jeden Fall gefunden, und dem Kinderbuch angelehnter.

Lecker

  • Über das Spiel hinaus eine pädagogische Einladung
  • Die Figuren sind super schön und griffig
  • Kein Spiel für Gewinnen und Verlieren

Pfui

  • Die Regale sind sehr instabil
  • Schade, kein Pop Up Spielbrett

Fazit

Funfairist pinselt gefühlvoll heraus

Eine echt gute Fritte vergebe ich dem Spiel Das Farbenmonster. Ein „richtiges“ Spiel ist es eigentlich gar nicht, sondern eine verspielte Anleitung und Einladung über Gefühle zu sprechen. Ich stehe ja voll auf so pädagogische Arbeit und darum ist Das Farbenmonster auch eine wahre Empfehlung aus meinem Farbenkörper heraus. Herzlichen Dank an Huch, die uns dieses Spiel für eine Rezension zur Verfügung gestellt haben.
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Gute Fritte

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