Frittenplausch mit Uwe Mölter

Liebe Frittenfreunde,

es ist mal wieder Frittenplauschzeit und wir haben einen ganz tollen Gast für euch (und für uns, ja, auch für uns.;-)) gewinnen können.

Im Oktober des letzten Jahres hat er für Tränen der Rührung und Gänsehaut gesorgt, als er auf der Bühne stand und ein Dankeschön für viele, viele Jahre Arbeit in der Spielebranche entgegengenommen hat. Es ist kein anderer als Uwe Mölter!

Er hat sich vor einigen Wochen in den Ruhestand verabschiedet und ist in der ganzen Szene als Redakteur und großartiger Mensch bekannt. Kein Wunder daher, dass wir ihn uns schnappen und ihm ein paar Fragen stellen wollten. Wir freuen uns sehr, dass Uwe sich für uns und euch Zeit genommen hat … und daher wollen wir auch direkt mal loslegen mit unserem Frittenplausch!

Seit wie vielen Jahren arbeitest du in der Spielbranche? Hast du verschiedene Stationen durchlaufen?

Uwe: Ich glaube, dass das “Spiel” in seiner unterschiedlichsten Form ein roter Faden in meinem Leben ist. Ich betone ist und nicht war. Als Kind habe ich schon Brettspiele verändert und verschiedene Spiele miteinander verbunden. Während meines sozialpädagogischen Studiums (1975-78) spezialisierte ich mich auf Spielpädagogik. Danach habe ich u. a. in einem Jugendamt, in einem Kinderheim oder in einer Sonderschule gearbeitet und immer war das “Spiel” Teil meiner pädagogischen Arbeit. Daneben führte ich als Referent Spielaktionen durch oder habe Spielkurse gegeben und als freier Journalist Spielrezensionen für Zeitungen, Zeitschriften oder fürs Radio geschrieben. In dieser Zeit habe ich in Köln mit einem Freund auch den Kalker Spieler Verlag für pädagogische Spiele und Spielkarteien gegründet.

In der Spielbranche selbst arbeite ich wohl seit 1985. In dem Jahr habe ich mit einem anderen Kompagnon das Spielgeschäft “Spielbrett” in Köln eröffnet. Ein Jahr später kam sogar ein zweites “Spielbrett” hinzu. Den zweiten Laden mussten wir nach fünf Jahren wieder schließen, aber das erste Geschäft existiert heute immer noch, sozusagen in der dritten Inhabergeneration.

Gegen Ende 1989 bis Mitte 1992 war ich in der Erwachsenenredaktion von Ravensburger und war dort u. a. für die sogenannten Flying Turtle Spiele zuständig. Ab Anfang 1994 bin ich in den AMIGO – Verlag “hineingewachsen”. Soll heißen, zuerst nur stundenweise neben meinen journalistischen Tätigkeiten, dann aber, im Laufe der Jahre, wurde das Redaktionsbüro bei AMIGO zu meinem Full-Time-Job. Eine lange Zeit mit Höhen und Tiefen, aber immer mit wundervollen Menschen – und tollen Spielen. Bis ich dann seit Anfang dieses Jahres in den spielerischen (Un)Ruhestand ging.

Wie viele Spiele hast du seitdem redaktionell betreut bzw. wie viele Spiele tragen deinen Namen auf der Schachtel?Uwe: Also meinen Namen trägt, soviel ich weiß, keine einzige Spielschachtel. Ich habe die Spiele, die ich redaktionell betreut habe, auch nicht gezählt. Wenn ich aber die Spiele in den Spieleregalen in meinem Büro so “überfliege”, dann müssten es bei Ravensburger ca. 20 Spiele sein und bei AMIGO über 300 Spiele.

Auf welches Spiel, das du betreut hast, bist du besonders stolz und warum?
Uwe: Da gibt es kein einzelnes Spiel und Stolz ist nicht der Begriff, den ich benutzen würde. Stolz bin ich z. B. auf meine Tochter. Für mich war es immer wichtig, das Vertrauen in meine Arbeit zu spüren, das mir vom jeweiligen Autor oder Illustrator und den jeweiligen Kollegen entgegengebracht wurde. Denn die Entwicklung eines Spieles ist nie die Arbeit eines Einzelnen, sondern immer Teamarbeit. Und ich war immer glücklich, wenn ich mitbekam, dass die von mir betreuten Spiele, den Spielern Spaß und Freude bringen.

Welchen Satz hast du als Redakteur am häufigsten gesagt? Welche Frage wurde dir am häufigsten gestellt?
Uwe: “Dieses Spiel kommt für AMIGO nicht in Frage!” Einem Autor sein Spiel abzusagen, hat mir oft genauso weh getan wie dem Autor selbst.

“Müssen Sie den ganzen Tag spielen?” Was heißt hier muss, ich habe es meist gern getan und die Wirklichkeit sah sowieso anders aus; die meiste Zeit wird geschrieben, telefoniert und in Meetings debattiert.

Wirst du auch in deiner freien Zeit, die dir die Rente hoffentlich bescheren wird, weiterhin den Spielen treu bleiben? Hast du diesbezüglich besondere Pläne oder reicht´s jetzt mit Spielen?
Uwe: Wie in der ersten Frage schon zu lesen ist, habe ich immer gespielt und ich sehe keinen Grund, dies zu ändern. Natürlich werde ich jetzt mehr Zeit den Hobbys widmen, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind. Als da sind Musik hören, Bücher (und nicht nur Regeln) lesen oder meine Frau bekochen (obwohl sie noch nicht daran glaubt). Was ich mir in der Zukunft vorstellen kann, ist mich wissenschaftlich mit dem “Spiel” zu beschäftigen – oder sogar das eine oder andere Gesellschaftspiel selbst zu erfinden.

Wie viele Spiele besitzt du? Hast du einen All-time-Favorite, der immer geht und niemals langweilig wird?
Uwe: In meiner Liste sind mehr als 4500 Spiele verzeichnet.

Wenn ich den Begriff “All-time” so interpretieren darf, dass man mich auch zur Nachtzeit zu einer Spielpartie wecken kann, dann sind das Wizard (mit den Sonderkarten) und 6 nimmt! (auch mit den neuen Sonderkarten).

Welche 3 Spiele würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? Genug Freunde dürftest du natürlich auch einpacken.
Uwe: Diplomacy, Schach und Bohnanza

Das erste und das dritte wegen der tollen Kommunikation, die beim Spielen entsteht und dem notwendigen Verhandlungsgeschick. Das zweite wegen des genauen Gegenteils. Wenn ich Schach spiele, ordnen sich meine oft wirren Gedanken im Kopf wie von selbst.

… und welches Spiel würdest du am liebsten in kochendes Frittierfett tauchen, damit du es niemals wieder spielen musst?
Uwe: Keines, denn in jedes Spiel haben Spielautoren und -redakteure Engagement, Zeit und Liebe und Verlage Geld gesteckt. Auch wenn mir Spiele nicht gefallen, habe ich zu sehr Respekt vor der Arbeit anderer.

In welchem Spiel würdest du gerne 24 Stunden in real verbringen, wenn du es dir aussuchen könntest?
Uwe: Ganz klar Elfenland. Ich habe mich immer wieder mal, wenn ich das Spiel auf dem Tisch hatte (kommt heute leider viel zu selten vor) vorgestellt, das ich mit einem Drachen über die Berge des Elfenlandes fliege oder mich von einem Troll von Lapphálya durch den Wald nach Dag´Amura ziehen lasse oder mit Freunden auf der Suche nach Abenteuer durch die engen Gassen von Throtmanni laufe. Übrigens ist Throtmanni der mittelalterliche Name meiner Heimatstadt Dortmund.

Wenn du jetzt die Chance hättest, eine besondere Person zu empfehlen, die wir auch einmal zu einem Frittenplausch einladen sollten – welche wäre es?
Uwe: Sehr gerne, kann ich doch dadurch einen alten Fehler etwas gut machen: Viktor Kobilke!

Vor Jahren hat mich Viktor gefragt, ob er bei AMIGO als Volontär in der Redaktion arbeiten könnte (das war noch vor eggert Spiele), ich musste dies damals ablehnen. Leider.

Viktor, du weißt, ich mag dich, ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg bei und mit Matthias.

 

Deine letzte, allesfordernde Aufgabe! Wir servieren dir 2 Worte und du entscheidest dich bitte für dasjenige, dass du lieber magst. Oder das dir besser gefällt. Oder … das, was schöner klingt.

  • Mayo oder Ketchup?

Uwe: Mayo

  • Karten oder Würfel?

Uwe: Karten

  • BVB oder Schalke?

Uwe: BVB

  • Eishockey oder Pferderennen?

Uwe: Eishockey

  • Norden oder Süden?

Uwe: Süden

  • Kaffee oder Tee?

Uwe: Tee, Tee Tee

  • Hund oder Katze?

Uwe: Katze

  • Bier oder Wein?

Uwe: Wein und Bier

  • Berge oder Strand?

Uwe: Berge

Lieber Uwe, herzlichen Dank, dass du bei unserem Frittenplausch mitgemacht hast! Wir wünsche dir für deine freie Zeit, die nun auf dich wartet, viele gute Bücher und Spiele, viele leckere Essen mit und für deine Frau und überhaupt nur das Beste.

Auch wir danken dir für deine Arbeit und dein Engagement und dafür, dass wir so viele tolle Spiele dank dir in den Händen halten dürfen!

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