Illegal

Frittenrezensionen Kartenspiele
6

Gute Fritte

Du bist ein Dealer

Illegal – das ist das Thema, um das es geht, hier bei Illegal. 😉 Das Spiel ist ab 18, höchstwahrscheinlich ob des Themas und wegen der Bebilderungen von Callgirls, Pornoheften, Drogen und Alkohol. Es ist wie Werwölfe – nur ganz anders. Und eben mit schnellen Autos und Knarren.
Von daher: Wenn ihr über 18 seid und euch interessiert, worum es bei Illegal geht: Lest weiter.

Kein Mensch ist illegal, schon gar nicht, wenn er breit ist.

Diese weisen Worte stammen von Deichkind. Sie haben überhaupt nichts mit dem Spiel zu tun, eignen sich aber hervorragend als einleitender Satz.

Wir schauen uns Illegal an – ein Spiel von Ludically im Vertrieb von Asmodee von Christophe Boelinger. Illegal ist ein Spiel für größere Gruppen ab 5 Personen (bis 9 Personen), ist ab 18 Jahren und dauert ungefähr ne halbe Stunde.
An dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an Asmodee, die uns Illegal zur Verfügung gestellt haben.

Jetzt wechseln wir auf die böse Seite.

Wie der Name schon sagt: Fast alles, um das es bei Illegal geht, ist auch ist auch illegal. Mit einigen Ausnahmen, aber diese Ausnahmen ordnet der Mensch dann auch eher in den Gefilden ein, in denen man auch Menschen trifft, die man vielleicht lieber nicht treffen möchte. Vor allem nicht, wenn´s dunkel ist.

Das Spielprinzip ist einfach und ich will es nur kurz anreißen. Solltet ihr die Regeln lesen wollen, könnt ihr das hier tun.

Einer aus der Gruppe ist der Spielleiter, alle anderen sind Dealer, Bösewichte halt.

Der Spielleiter bereitet das Spiel vor, indem er Kartenstapel zusammenstellt und zwar so viele, wie Spieler mitspielen. Das macht er heimlich und so, dass die Spieler das nicht sehen können.

In diesen Stapeln liegen verschiedene Karten:
Jeder Stapel hat ne Rollenkarte. Da ist drauf angegeben, welcher Dealer man ist und welche Warenart zu ihm gehört. Alle Rollenkarten und Waren, die nicht zu im Spiel befindlichen Rollen gehören, werden aus dem Spiel genommen. Es gibt also so viele Rollen wie Spieler, die teilnehmen.

Dann werden zu jeder Rolle 5 Waren der Art gelegt, die auf ihnen angegeben sind und je eine andere Ware (also eine, die auf einer der anderen Rollen abgebildet ist).  Dazu kommt dann noch eine Käuferkarte und der Stapel ist fertig. Aus den übrigen Warenkarten werden außerdem Stapel gebildet, sodass 4 Stapel entstehen und in jedem Stapel jede Warenart einmal vorkommt.Es gibt noch Beschuldigungskarten auf denen die Käufer- und die Dealerrollen abgebildet sind. Die von denen, die im Spiel genutzt werden, werden parat gelegt. Die anderen kommen aus dem Spiel.

Dann werden die Kartenstapel auf dem Tisch verteilt, die Spieler an den Tisch zitiert und jeder nimmt sich einen Stapel. Nun weiß jeder, welcher Dealer er ist (und hat entsprechend spezielle Ware auf den Händen) und welchen Käufer er spielt (der zeigt die Ware an, die der Spieler im Laufe des Spiels möglichst viel sammeln muss). Außerdem hat er Ware. NIEMAND darf wissen, wer welche Rollen hat (also Dealer und Käufer). Niemand. Niemals. Nur am Spielende. Und der SL weiß es vielleicht.

Whaaat?!

Sehr geil übrigens: In der Regel gibt es einen Satz der erklärt, wieviele Karten beim Zusammenstellen ins Spiel kommen. Der Satz lautet:
„Der SL wählt so viele Warensorten aus, wie Spieler teilnehmen. Mit 8 Spielern sind also Karten im Spiel.“
Nein! Ehrlich? Es sind Karten im Spiel? Nur bei 8 Spielern oder auch bei 5? 😉

Noch eine Anmerkung zur Regel an dieser Stelle … Wenn man so die Decks das erste Mal zusammenstellt und dann in die Passage kommt, in der Wenn-Dann-Formeln beschrieben werden (wenn der eine da ist darf der andere nicht da sein und wenn überhaupt nur mittwochs und wenn es gerade schneit) – dann hat man schon kurz Lust, zu schreien. Wenn man es einmal geblickt hat, ist es okay. Aber beim ersten Mal …? Naja, das hätte man besser machen können. Aber gut. Hat ja trotzdem funktioniert.

Los gehts

Es ist schnell erklärt: Illegal ist ein bisschen wie Werwölfe, nur ganz anders.

Das Spiel beginnt mit 4 Runden, in denen alle Waren tauschen dürfen. Aber nicht am Tisch sitzend oder so, nein. Da sollen schon echt Grüppchen gebildet werden, in denen getuschelt und getauscht wird. Man sollte die Menschen, mit denen man tauscht, häufig wechseln, möglichst ein Pokerface haben und auf keinen Fall Informationen über die eigene Gesinnung preisgeben!
Alle 3 Minuten bekommt man eine zufällige Ware von einem der 4 Warenstapel vom Spielleiter. Das heißt: Es ist 4 Mal für Nachschub gesorgt, den man zum Tauschen nutzen kann. Am Ende der 4 Runden sollten 2 Dinge passiert sein bzw. nicht passiert sein:

1. Jeder sollte möglichst viele Waren von der Art, wie sie auf dem eigenen Käufer abgebildet ist, ertauscht und somit auf seiner Hand haben.

2. Man sollte sich nicht so doof angestellt haben, dass die anderen ahnen, welcher Dealer bzw. welcher Käufer man ist, denn nur, wenn man das geheim hält, hat man auch ne Chance auf den Sieg.

Gericht!

Wenn die Tauschrunden vorbei sind, geht es vor Gericht. Der Spielleiter legt immer 1 Paar bestehend aus Käufer und Dealer als Beschuldigungskarten aus. Alle müssen nun abstimmen (durch draufzeigen), wer ihrer Meinung nach diese Kombination aus Dealer und Käufer auf der Hand hat. Wenn alle Beschuldigungskarten vergeben wurden (oder aus dem Spiel genommen, wenn Uneinigkeit herrschte) endet das Spiel mit der Wertung. Da gibt´s Punkte. Oder auch nicht. Und alle geben ihre Rollen preis.

Für jede Ware, die dem Typ entspricht, wie er auch auf der eigenen Käuferkarte abgebildet ist, gibt es nen Punkt. Alle anderen sind wertlos. Aber nun kommen die Beschuldigungskarten. Hat man Beschuldigungskarten vor sich liegen, die Blödsinn sind und nicht stimmen, bringen die auch nochmal Siegpunkte (1 pro Karte). Hat man jedoch die richtigen Karten vor sich liegen, kostet das Punkte. Und zwar 5 Punkte pro Beschuldigung, die der eigenen Dealer und / oder Käuferkarte entspricht. Puh. Übel. Da kann man nämlich so fleißig Waren sammeln, wie man will. Wenn man 10 Punkte vor Gericht verliert, hat sich der ganze Kram nicht gelohnt. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Schwierig…

Ja, es ist eben nicht so wie Werwölfe – also schon ein bisschen, aber dann doch ganz anders.

Hier ist es echt gefragt, sich selbst nicht zu verraten. Das heißt, es macht auch Sinn, Waren zu ertauschen, die man nicht braucht. Die muss man aber natürlich auch wieder loswerden. Und das ganze ohne eine Miene zu verziehen und ohne sich etwas anmerken zu lassen. Gerade mit abgedunkeltem Licht und so AlCapone Musik im Hintergrund kommt hier eine besondere Atmosphäre auf.

Aber, wie es oft bei solchen Spielen ist, in denen man in Rollen schlüpft: Die Runde muss stimmen und die SpielerInnen müssen sich auch darauf einlassen, der Rolle wenigstens ein biiiiischen zu entsprechen. Denn nur dann kommt das Illegal-Gefühl auf. Und das ist das, was das Spiel besonders macht. Sonst könnte man auch am Tisch hocken bleiben und Karten hin und her schieben. Ich hatte sowohl solche  als auch solche Erlebnisse. (Dieser Satz klingt geschrieben merkwürdig.)

In einigen Runden hat es sehr gut funktioniert und man hatte wirklich fast das Gefühl, etwas falsches zu tun. Ich für meinen Teil war in diesen Momenten sogar echt aufgeregt und habe gehofft, dass mich niemand entlarvt. (Ja, ich kann ja so gut ein Pokerface machen. Und mich nicht verraten. So gut. Fast so gut wie Schummeln bei Mogelmotte). Dann gab es aber auch andere Runden, in denen ich einfach nur dachte: „Oh. mein. Gott. Noch 2 Runden lang tauschen. Das kann ja heiter werden. Ich muss nachher noch die Wäsche machen, da muss ich dran denken.“ Für mich steht und fällt das Spiel auf jeden Fall mit den MitspielerInnen. Gut, dass ich jetzt weiß, in welche Runden ich Illegal mitnehmen kann.

Je mehr Spieler bei Illegal mitspielen, desto mehr Spaß macht es. Mit 4 Dealern ist es okay, aber irgendwie hat man eben auch nicht so viel Möglichkeiten, zu tauschen und zwischendurch unterzutauchen um dann später mit völlig anderen Waren wieder bei einem Spieler aufzutauchen. Das ist mit 8 oder 9 Spielern schon ne andere Hausnummer. Wenn die Bude vollsteht und sich die Grüppchen in der ganzen Wohnung zum Dealen verteilt haben, ist das schon ziemlich cool.

Lecker

  • Tolles Spiel, das man auch durch den Abend ziehen kann
  • Hier kann man wirklich mal in eine andere Rolle schlüpfen
  • Bluffen, bluffen, bluffen!
  • Adrenalin, weil man dealt und nicht erkannt werden will

Pfui

  • Thematik muss man "mögen"
  • Damit das Spiel gut funktioniert, muss man sich in seine Rolle versetzen können

Fazit

Hände hoch, du bist der Hacker!

Illegal ist ein sehr kommunikatives und, wenn man sich darauf einlässt, spannendes Spiel, in dem es um Tarnung geht, um Charisma, um gute Argumente und eben darum, nichts von sich preiszugeben. Das ist gar nicht so einfach und erfordert schon geschicktes Verhandeln und vor allem ein gutes Gedächtnis, das einen darauf hinweist, dass man bei dem Spieler A gerade erst war um Knarren zu ertauschen…….. *räusper*. Leider für mich allerdings nicht wirklich ein Allrounder, weil das Thema und die Tatsache, dass man schon eintauchen sollte in die Welt und die eigenen Rollen, nicht für jedermann und jedefrau was ist. Daher muss hier schon gut ausgewählt werden, welche Runde für Illegal geeignet ist. Da ich auch nicht jedes Wochenende 8 weitere Leute zum Spielen hier bei mir hab, ist es ein Spiel, das nicht ständig auf den Tisch kommt. (ich hab ja weiter oben schon beschrieben, dass ich es mit steigender Anzahl an Menschen auch entsprechend steigend lieber spiele 😉 ). Aber zu besonderen Anlässen mit erwachsenen und illegalwilligen Leuten wird es auf jeden Fall wieder auftauchen. Es gibt auch noch 2 kleinere Varianten, die die ganze Sache noch ein bisschen schwieriger machen, so ist noch für die folgenden Partien für eine höhere Schwierigkeit gesorgt. Trotzdem wird´s leider nicht mehr als eine Knusperfritte minus. Ich mag das Artwork und bin für die derberen Scherze und Spiele zu haben  … 😉
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Gute Fritte