Arkham Horror – Letzte Stunde

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Knusperfritte

Lasst uns an die Uni gehen.

Wer Arkham Horror hört, der denkt wahrscheinlich – nicht ganz zu unrecht – an ziemlich große Spieleschachteln, lange Spielrunden, an Regelklopper, düsteres Treiben und Tod. Ein bisschen was davon trifft auch auf Arkham Horror – Letzte Stunde zu. Arkham Horror – Letzte Stunde ist … wie soll man sagen … so ein bisschen wie das Patenkind von Arkham Horror und Eldritch Horror. Es ist düster, wir befinden uns an der Miskatonic Universität und wir müssen den Campus von den Monstern befreien.

Wir laufen also alle über das Gelände und haben nur eines im Sinn: Die Tore schließen, um die Monster nun endgültig für immer mit einem Ritual zu verbannen. Letzten Endes müssen wir auf dem Spielfeld so genannte Hinweismarker einsammeln. Es gibt davon 5 unterschiedliche Symbole und zu Beginn der Partie werden diese 2 x 5 Marker verdeckt gemischt. 2 von denen werden unbesehen auf die beiden freien Felder am Spielfeldrand gelegt, die anderen kommen samt einiger Lupen auf den Spielplan. Die beiden verdeckten, die zur Seite gelegt wurden, geben vor, welche Symbole auf unseren Karten am Ende des Spiels sein müssen, damit das Ritual aufgehalten werden kann. Jeder muss dann nämlich 3 Karten ausspielen und wenn auf all diesen Karten die benötigte Anzahl an passenden Symbolen der gerade genannten Marker abgebildet sind, hat man gemeinsam gewonnen. Sollte das nicht so sein, verliert man und die Welt geht unter. Oder so.

Naja, aber wir wissen ja noch gar nicht, welche Symbole da liegen und deswegen müssen wir Hinweismarker einsammeln. Je mehr wir gesammelt haben, desto besser können wir ausschließen, was sich unter den verdeckten Hinweismarkern befindet. Das können wir natürlich nicht in Verbindung mit einem gemütlichen Sonntagsspaziergang machen, sondern müssen zwischendurch auch immer mal wieder die Monster aus der Unterwelt bekämpfen. Denn die kommen nicht nur immer mehr zur Uni, sondern bewegen sich auch noch auf dem Campus.

Was machen wir denn auf dem Campus?

Das bestimmten im Endeffekt unsere Aktionskarten. Die sind in eine obere und in eine untere Aktion unterteilt und pro Runde werden 4 Aktionen ausgeführt. Zu zweit darf jeder 2, zu viert jeder 1 und zu dritt darf einer 2 und die anderen je 1 Aktion durchführen. Wenn ich dran bin, dann ziehe ich eine Aktionskarte, lese sie mir durch und muss mir überlegen, welche der beiden Aktionen durchgeführt werden sollen. Von jeder Karte kann immer nur eine ausgeführt werden.

Ich kann allerdings nicht sagen: Von der hier soll die obere Aktion ausgeführt werden. Neeee … Das funktioniert anders. Ich lege meine Aktionskarte verdeckt vor mir ab und darf meinen Mitspielern auch nicht verraten, was drauf steht bzw. welcher mein Plan ist. Zu dieser Karte spiele ich dann auch noch eine Prioritätskarte, die offen darauf lege. Auf diesen Prioritätskarten sind Zahlen abgebildet, die angeben, welche Karten in welcher Reihenfolge angehandelt werden. Das macht jeder so lange, bis auf diese Weise 4 Karten ausgespielt wurden.

Dann werden sie nach Prioritätszahl geordnet und abgehandelt. Von den Aktionskarten mit den beiden niedrigeren Zahlen werden die oberen Aktionen durchgeführt, von den beiden Aktionskarten, die die höheren Prioritätszahlen haben, werden die unteren Aktionen durchgeführt. Ich muss also sehr gut überlegen, welche Prioritätskarten ich wann spiele und wie ich in der Lage bin, die Wichtigkeit meiner Aktion auszudrücken. Das ist schon ein anstrengender Moment, wenn du eine echt gute Aktion hättest, aber nicht die passende Prioritätskarte. Und natürlich darf man keine Absprachen treffen, was das alles noch ein bisschen schwieriger und nervenkitzeliger macht. Das ist ein Moment, den ich echt mag.

Wenn dann alle Aktionen abgehandelt wurden, sind die Kreaturen an der Reihe und kommen durch die Tore und strömen immer mehr auf´s Uni-Gelände. Außerdem muss man noch Konsequenzen ausbaden, wenn man viele Prioritätskarten gespielt hat, auf denen Omen-Symbole sind (das sind die Augen).

Ich habe euch hier mal die Regeln verlinkt, falls ihr mehr Details lesen wollt.

Wie gewonnen, so zerronnen

Wir gewinnen das Spiel, wenn wir das Ritual am Ende einer Runde erfolgreich verhindert haben – das erfordert eine ordentliche Vorbereitung und ein bisschen Monstergehaue, damit wir nicht sterben. Wenn nämlich unsere Ausdauer auf null sinkt, dann ist das Spiel verloren. Es ist auch verloren, wenn wir ein Monster auf dem Ritual-Standort platzieren müssten, das aber nicht geht, weil´s zu voll ist. Diesen Ort müssen wir also besonders gut verteidigen und er wechselt von Spiel zu Spiel.

So viel zu dem, wie das Spiel funktioniert. Wie fühlt sich das Spiel denn an?

Vor allem fühlt sich das Thema irgendwie ganz schön austauschbar an. Ob ich jetzt Monster haue und Hinweise sammle, um ein Ritual aufzuhalten, damit die Großen Alten nicht kommen oder ob ich im Wald Obst sammle, ich dabei Wildschweine verjage, um einen Obstkuchen zu backen, damit der Besuch auch was zu futtern beim Kaffee trinken hat … das würde beides funktionieren. Das finde ich gerade bei so atmosphärischen Spielen wie man sie aus der Arkham-Welt gewohnt ist etwas schade.

Das Spiel erzählt keine Geschichte, sondern ist viel mehr ein Sammelspiel mit Deduktionsmechanismus mit Lovecraftschn Monstern. Wer also auf der Suche nach neuen, düsteren Abenteuern in Arkham ist, der wird hier bei der Letzten Stunde wahrscheinlich nicht glücklich werden. Das ist hier ist nicht mehr und nicht weniger als ein kooperatives Spiel mit einem – wie ich finde – tollen Aktionsauswahlmechanismus, bei dem das Thema zweitrangig zu betrachten sein sollte. Denn das Thema schreckt, wie ich finde, die eigentliche Zielgruppe, die dieses Spiel mögen könnte, ab. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die das Thema mögen, das Spiel wahrscheinlich nicht so richtig geil finden.

Ich bin ja bekennender Lovecraft-Fan und liebe alles düstere und gruselige …. aber Arkham Horror – Die Letzte Stunde hat bei mir thematisch überhaupt nicht gezündet – da ist irgendwie nicht viel Thema irgendwie … (mal vom Design abgesehen). Auf der anderen Seite ist es ein nettes kooperatives Spiel … aber das ganze Konzept ist für mich leider nicht wirklich rund. Schade.

Hoffentlich kommt mich Cthulhu nicht heute Nacht holen …

Lecker

  • Cooler Aktionsauswahl-Mechanismus
  • Wie immer: hochwertiges Spielmaterial

Pfui

  • Ritual-Abhaltung durch Marker-Deduktion? mh.
  • Noch nichtmal die Symbole der Marker finde ich Arkhamesque
  • Mechanismus passt nicht zum Thema - und andersrum

Fazit

Kaddy schnetzelt die Monster nieder

  "Ach schade - aber irgendwie haben in diesem Fall Arkham und ich nicht zusammen gefunden. Dabei bin ich sonst wirklich großer Fan der Lovecraftschen Spiele. Arkham Horror - Letzte Stunde ist nicht das, was es meiner Meinung nach sein sollte und das, was ich daran mag, passt nicht zu dem, was drinsteckt ... ist das verständlich oder klingt es so wahnsinnig wie ein Sommertag in Arkham? Es hat also leider nicht wirklich gezündet. Wer keine thematischen Erwartungen an das Spiel hat und wem es im Endeffekt Wurst ist, ob er gegen Monster kämpft oder Unkraut zupft, der wird in diesem Spiel sicherlich einiges finden. Allerdings habe ich das nicht gefunden.
Danke an Asmodee, die uns das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben."
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