5211

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Gute Fritte

Echse in bunt

Auf der Hand fünf Karten. Karten spielen. Nachziehen. Planen. Der Tisch füllt sich mit einer eigenen Kartenauslage von 4 Karten. Erst wurden zwei gespielt, dann eine und dann wieder eine. Ein Spiel, was wie eine Vorwahl klingt, aber nur den Ablegemechanismus und die Kartenhand wiedergibt. Ich berichte heute über 5211, einem Kartenspiel von Tsuyoshi Hashiguchi, was bei Next Move erschienen und über Pegasus Spiele vertrieben wird.

Namensgebung

Fast ausschließlich verweist der Name eines Spiels auf seine inhaltliche Ausrichtung, hat auch mal Phantasienamen oder in Lizenz einem außertextlichen Paten. Dass der Spielablauf und die Spieltat an sich im Namen vorkommt, ist eher selten bis gar nicht vorhanden. Wäre auch zu schwierig und zu kompliziert und der Verkauf wäre eher schleppend als förderlich. Bei 5211 hat man das nicht so, denn 5211 ist keine Pin, auch keine Vorwahl, bei der man eine Null vergessen hat, noch ist es die Kombination meines Koffers. Wir haben 5 Karten immer auf der Hand, spielen erst 2, dann 1 und dann wieder 1. Fertig. Experimentell. Fragwürdig. Anders. Ja, so ist 5211. Wie hätte das Kartenspiel auch sonst heißen können? Farbenmehrheit? Deasaster? Kododo? Vielleicht auch Curaçao oder Aruba? Egal, über ungelegte (Echsen)Eier soll hier kein Hirnfett verbrutzelt werden.

Vielmehr will ich auf dieses kleine 2-5 Kartenspiel schauen. Kann das was? Wie hat es mir und uns gefallen? Und was soll diese ständige Echsenanspielerei hier?

Rennechse

Das letztere geht schnell zu beantworten, denn in 5211 gibt es neben den Zahlen 2-6 auch kleine Echsen in den Ecken. Das sind Kododos, kleine Rennechsen in blau. Unsere zeigen aber ganz andere Farben. Egal. Während Kododos pro Karte einen Punkt bringen, sind die Zahlen entsprechend ihrem Punktewert. Also gerne die 5 oder 6 sichern, damit man Punkte im Sack hat.

Leichter gesagt als getan, denn in 5211 kann man sich so richtig schön ärgern, und andere noch dazu. Etwas Planung und Glück steht zwar auch im Fokus, aber im Großen und Ganzen ärgert man sich, wenn das eigene Vorhaben im Desaster endet.

Fünf Karten auf der Hand, zwei verdeckt spielen. Dann eine. Und dann noch eine. Werten. Sind genügend und passgenau Kododos sichtbar, werden nur diese gewertet. Wenn nicht, welche Farbe liegt am meisten aus? Dann diese. Doch Achtung, bei zu vieler Anzahl gibt’s n Desaster, und die Farbe ist raus. Auch bei Gleichstand ist sie raus. Also, gut hingeschaut, geplant, mitgezählt, welche Karten im Spiel sind und vor allem hoffen, dass die Mitspielenden einem nicht die Auslage versauen.

Gefallen

Mir hat 5211 richtig gut gefallen und ich spiele dieses kleine Kartenspiel echt sehr gerne. Ich finde es spannend, ärgerlich, taktisch und wunderschön – und ja, auch sehr vom Glück bestimmt. Das sind schon mal Merkmale, die ein vielseitiges Spiel für mich ausmachen. Zudem habe ich nach einer Partie das Gefühl, dass ich es gerne noch einmal spielen will, und gerne dann noch mal. Das gibt mir das Gefühl, dass das Spiel ein Gutes ist.

Jedoch muss ich etwas einlenken, denn nicht jede Spielanzahl hat mir Freude bereitet. In einer 2er Runde hatte ich eher lahmeres Empfinden, als in einer Vollbesetzung, wobei mir in 5er Runden das Spiel schon zu schnell vorüber ist. Da wünschte ich mir fast noch ein paar mehr Ründchen. Also für ne 3er bis 4er Runde war es optimal.

Mir hat gefallen, dass man im Spielverlauf so manch Planung von anderen kaputt machen könnte, während dabei der eigene Teufel in der eigenen Auslage Samba tanzen konnte. Das Spiel ist nicht dafür ausgelegt, andere zu ärgern und deren Kartenauslage kaputt zu machen, denn so gewinnt man das Spiel erst recht nicht. Stattdessen sollte man andere „für sich“ arbeiten lassen, um eigene Karten sichern zu können. Mehrheiten durch und mit anderen erzielen, und dabei die eigenen hohen Karten sichern. Das wäre eine mögliche Taktik.

Anders zum Ziel kommt man auch, wenn man auf gleichstark vertretene Kartensummen spielt, um eine ganz andere Farbe zur Wertung zu bringen. Ambitioniert gespielt, mit einer Prise Glück durch das Ausspielen der Mitspielenden kann dies auch ne Strategie zum Gewinn sein.

Oft aber kommt es genau anders, als gedacht. Da werden doch die Kododos gewertet, oder eine Farbe geht im Desaster auf, oder gar keine Karte kommt auf den Punktestapel. Kann alles vorkommen.

Optik

Ich habe wirklich von allen gehört: „Das sieht ja interessant aus.“, und ja, 5211 ist ein Hingucker. Aber im Spiel zeigte sich das Wirrwarr teilweise als störend. Gelbe Karten konnte man bei manchem Licht nicht erkennen, grün und türkis waren eine Herausforderung, und die Unruhe auf den Karten lenkten etwas vom eigentlichen Spielgeschehen ab. Dennoch: Ein rundum schönes Spiel, was man wunderbar auch auf Servietten oder Dekotabletts drucken könnte.

Lecker

  • Schöne, wenn auch wirre Kartenoptik
  • In einer größeren Personenzahl ganz klasse
  • Viel Glück und dennoch dabei planen

Pfui

  • Die Farben sind schlecht bei manchem Licht zu erkennen
  • Planung - äh, wird schwierig

Fazit

Funfairist wählt die 5211

Und merkt, dass keine dran geht. Aber gerne dran bleibt, denn 5211 habe ich mir richtig schön gespielt. Ein tolles, kleines und sehr unterhaltsames Kartenspiel, was mir immer besser gefällt, je häufiger ich es spiele. Und ich wünsche mir sehr, dass es noch lange auf den Tisch kommt. Toll. Ich vergebe eine echt gute Fritte für dieses bunte Kartenspiel. Herzlichen Dank an Pegasus Spiele, die ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.
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