Die Spielfritte unterwegs – Auf der Spielwiesn 19 in München

In Bayern reden die komisch …

Das ist wirklich so! Ich habe es jetzt erst wieder richtig gemerkt, wo ich das erste Mal nach … 8 Jahren?! in München war. Nach einer äußerst angenehmen Reise mit der Deutschen Bahn und nur 15 Minuten Verspätung auf einer Strecke durch fast ganz Deutschland stieg ich in München am Bahnhof aus. Dann musste ich noch weiter, denn ich wollte mir ja schließlich nicht den Bahnhof von München anschauen, nein, ich musste doch zur Spielwiesn. Aber – und ich glaube, das ist Teil des ganzen Events – in München gibt´s ja die Messe und dann gibt`s noch das Messegelände des MOC. Und die Spielwiesn war natürlich nicht in der Messe. Sondern auf dem Gelände des MOC. Das ist dementsprechend auch woanders, als die Messe. Aber ich kann einfach schonmal vorab verraten: Ich bin angekommen. Pünktlich und am richtigen Ort. Und es hat gar nicht weh getan.

Naja, ein bisschen schon. In den Ohren.

Denn ganz ohne Hilfe hab ich es natürlich nicht geschafft. Ich hab aber auch kein Problem damit, Leute anzuquatschen, damit sie mir helfen. Manche von denen, die ich anspreche, werden schließlich auch dafür bezahlt, dass sie mir helfen. Dann sollen sie das bitte auch tun. Aber leider hab ich den guten Mann, den ich zuerst gefragt habe, gar nicht verstehen. Der war schon älter und hat als Antwort irgendwas gemurmelt, was offenbar deutsch sein sollte, mir aber nicht geholfen hat. Denn ich hab nur WHOWHOWHOWHOWHHWOOOO verstanden. Oder so ähnlich. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich es dann nicht geschafft hätte, eine Antwort in einer mit bekannten Sprache zu bekommen. YAY!

Erst ICE, dann U-Bahn, dann U-Bahn und dann laufen. Klappt alles ganz gut. In der zweiten U-Bahn stand eine kahlgeschorene Frau mit ihrem Rollwagen, mit dem man auch einkaufen geht, in der Bahn. Als sie einstieg, stieg eine Nonne aus. Das hat der Kahlen offenbar nicht gefallen, denn mit dem Schließen der Türen begann die Frau lauthals ihre reichhaltige Gedankenwelt kundzutun:

“Die evangelische und katholische Kirche sind alle schlecht.”
“Die Wohnungspreise in München steigen so an, dass sich das niemand mehr leisten kann. Früher konnte man hier noch wohnen. Aber jetzt kommen die Ausländer. Und deswegen wird alles teurer. AFD – deswegen wähle ich die AFD. Und alle sollten die AFD wählen, denn die sind die Besten.” Ich habe ernsthaft versucht die Kausal-Kette ihres Monologs mit ihrem nicht vorhandenen Gesprächspartner nachzuvollziehen, aber ich muss euch sagen: Ich habe es nicht geschafft. Es fehlt mir wohl die Weitsicht und die Intelligenz nachzuvollziehen, warum in München wegen der Ausländer die Mieten steigen 😉

Aber egal! Ich wollte ja spielen bzw. anderen Menschen Spiele näher bringen und nicht mit Andersdenkenden über Politik diskutieren. Also stratzte ich durch´s winterlich kalte München zur Spielwiesn. Mein erstes Mal Spielwiesn im Übrigen! Ich wusste nicht, was mich erwarten würde.

Deswegen hab ich auch die Kamera gezückt!

Denn ich wollte euch mal zeigen, wie es da so aussieht, falls ihr noch nicht da wart. Die Spielwiesn hat dieses Jahr zum 28. Mal stattgefunden und wird von Jahr zu Jahr größer. Das kennen wir ja auch schon von anderen Messen und es freut mich sehr zu sehen, dass wir mehr Platz für Spiele und Spielende brauchen. Knapp 60.000 Besucher waren im letzten Jahr an 3 Tagen da und haben das Wochenende mit Spielen verbracht. Dieses Jahr werden es sicher nicht weniger sein – wobei es am Freitag gefühlt schon ziemlich gemütlich zu  ging. Die Spielwiesn unterscheidet sich in einer Sache ganz besonders: Es ist SO viel Platz zum Spielen da – das glaubt ihr nicht! Unzählige Bierbänke und -Tische stehe bereit, um Spiele, die an der Spieleausleihe ausgeliehen werden können, zu spielen. Das gilt natürlich auch für neugekaufte Schätze. Außerdem flitzen jede Menge Menschen in orangefarbenen Spielwiesn-Shirts durch die Hallen und sind bereit, Spiele zu erklären.

Neben den Spielflächen gibt es aber natürlich auch jede Menge Stände an denen gekauft und gespielt werden kann, Verlage und Shops sind vor Ort und präsentieren ihr zu verkaufendes Hab und Gut. Parallel zur Spielwiesn lief auch noch die Forscha-Messe in einer anderen Halle, in der mehr oder weniger merkwürdige Dinge ausgestellt waren. Vom Bayerischen Anglerverein bis hin zum Panzer der Bundeswehr und den Samtbildern zum Ausmalen war in dieser Halle wirklich ne Menge dabei. Ich hab nicht wirklich erkennen können, welches Konzept dahinter steckt … War irgendwie merkwürdig. Aber ich bin mit sehr großer Sicherheit auch die falsche Zielgruppe …

Menschen, Menschen, Menschen!

Ich freue mich ja immer, wenn ich Menschen kennenlernen kann oder wiedersehe. So hat die Spielwiesn auch einige Überraschungen für mich bereitgehalten. So hab ich den ExclamatioPod von twitter in echt kennenlernen dürfen, ebenso wie Lauch von Porree und Lauch. Das war super! Schön war auch die “üblichen Verdächtigen” und diverse andere Menschen wiederzusehen. Um nur einige zu nennen und hier nochmal Grüße rauszuhauen (weil ich so schnell ohne Verabschiedung abhauen musste, weil spontan mein Zug nach Duisburg ausgefallen war ……..)

Rita, Rainer, Alex, Tom, Gerhard, Jürgen, Petra (gute Besserung!), Andreas, Daniel, Mighty (wenn du so geschrieben wirst?!), Kerstin, Hans-Jörg (danke für die Schokri), Sven, Matthias, Walter, Bibi, Pierre, Michael, Lauch, ExclamatioPod (hast du einen echten Namen?), Veronika (so schön, dass wir uns in echt gesehen haben!!), Mara, Steff, Steffen und alle, die ich jetzt vergessen habe und denen ich gesagt habe: JA NATÜRLICH sag ich noch tschüss, bevor ich gehe. Tu ich nicht mehr. Wartet nicht auf mich. 😉

Ein Preis und viele Spiele

Vor einigen Wochen hat mich Petra Fuchs von www.jungundaltspielt.de für den Freitag Abend der Spielwiesn eingeladen, denn dieser Abend war ein ganz besonderer: Der Verein „Spielecafé der Generationen – Jung und Alt spielt e.V.“ vergibt ja schon seit einiger Zeit das Qualitätssiegel “Generationenspiel”, das in erster Linie für ein hochwertiges Spiel und Spielgefühl steht, bei dem sowohl der 6-jährige Osel, als auch die Kaddy von der Fritte und der Oppa von nebenan zusammen spielen können, ohne, dass irgendwer verzweifelt – gilt für jung, alt und Kaddy.

Tatsächlich durfte der Verein an diesem Freitag den Preisträgern, die bisher gekürt wurden, nun auch die Preise so ganz in echt verleihen. Aus Holz. Sehr schick. Richtig, richtig schön.

Bevor es mit der Preisverleihung losging wurden wir noch von einem Impro-Theater-Duo bespaßt, denen wir allerlei Blödsinn zurufen durften – und sie haben eine sehr lustige Geschichte daraus gesponnen, die uns herzlichst zum Lachen gebracht hat. Dann gab es noch einige Worte der Staatssekretärin Carolina Trautner vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales und einer weiteren, netten Dame aus Rottal-Inn, deren Namen ich mir leider nicht gemerkt habe … *schäm*

Und dann wurden die bisherigen Preisträger vorgestellt. Es blieb noch spannend, denn auf den Bannern prangte ein großes X – es sollte noch eine weitere Verkündung an diesem Abend geben.

Bisherige Preisträger waren:
Qwixx
Memoarrr!
L.A.M.A.
Patchwork Express
Billabong

und seit Freitag ist auch Splendor stolzer Preisträger!

Wir sagen natürlich auch nochmal: Herzlichen Glückwunsch und weiter so, liebe Autoren, Verlage und Vereine. Es ist ganz toll, was ihr da fabriziert. Ich hoffe, das wisst ihr. Danke.

Ein Dank geht auch noch einmal an den Verein „Spielecafé der Generationen – Jung und Alt spielt e.V.“ – für die Einladung und für euer Engagement in dieser wichtigen Sache.

Voll oder nicht voll?

Ich war nicht voll, ich wollte mich ja benehmen. Und am Freitag war es auch nicht so voll – obwohl (oder weil?) bis 23 Uhr gespielt werden konnte. Anders als in Duisburg, Essen und Co öffnet die Spielwiesn am Freitag erst um 13 Uhr die Tore und lässt sie dafür dann auch entsprechend lang auf. Eigentlich eine coole Idee, allerdings für alle Verlags- und Verkaufsmenschen eher eine Tortur, da die ja am nächsten Morgen zum altbekannten Messebeginn um 10 Uhr da und bestenfalls auch fit sein sollten.

Am Samstag war das Geschiebe dann schon etwas muckeliger, als am Freitag, wobei natürlich die #SPIEL in “aneinander reiben” ganz weit vorne liegt, ich würde sogar so weit gehen, dass man nirgendwo so schön kuscheln kann, wie auf der Spiel. Trotzdem: Es war eine Menge zu tun an den Ständen, denn wissbegierige Verspielte wollten bespaßt werden. Wie es am Sonntag ist, kann ich leider nicht sagen, denn jetzt gerade ist Samstag Abend und ich sitze im Zug nach Hause. Glücklicherweise! Denn mein eigentlicher Zug ist ausgefallen – hab ich ja schon erzählt – und ich hatte Glück, dass ich rechtzeitig am Bahnhof in München war, um noch in einen eheren Zug gesetzt zu werden, der kurz nach meiner Ankunft in selbigem dann auch schon aus dem Münchner Bahnhof schlich.

Schee wars.

So sagt man doch bei euch im Süden, oder? Ja, es war schön. Ich hatte tolle Begegnungen und Erlebnisse, schöne Wiedersehen, hab viel gelacht und leider zu wenig gespielt … Aber ich hab vielen anderen geholfen, zu spielen. Das ist fast genauso schön.

Wenn man in der oberen Hälfte von Deutschland wohnt, dann sollte man sich gut überlegen, ob man die lange Fahrt nach München auf sich nehmen will. Ich würde eher empfehlen, sich die Spiel Doch in Duisburg anzuschauen, wenn man Lust auf eine gemütliche, familiäre Messe hat. Wenn man allerdings näher an München dran wohnt, als ich es tue, dann lohnt es sich auf jeden Fall, dort mal vorbei zu schauen. Denn das eine oder andere Messeschnäppchen wird sich sicher finden … und es gab auch einen Flohmarkt, der offenbar was getaugt hat. Ich glaube, ich würde meinen nächsten Spielwiesn-Besuch mit einem Ausflug in die Alpen und einigen Besuchen bei Freunden und Bekannten da unten verbinden. Die kann man nämlich bei gutem Wetter von der Münchner Innenstadt aus sehen! Ist das Wahnsinn oder ist das Wahnsinn?! Ich find das Wahnsinn. Naja … 😉 Nur für die Spielwiesn runter und wieder hoch ist mir dann doch etwas zu weit weg …

Trotzdem sag ich: Goodbye und OFWIDERSSCHAUN. Thanks for having me, München. Bis nächstes Mal.

Deine Kaddy.

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