Frittenplausch mit Marcel Süsselbeck

Fritt-en-plausch – Dynamite!

Liebe Frittenfreunde, es ist endlich mal wieder an der Zeit für einen Frittenplausch. Wir scheuen ja keine Mühen, um für euch die verschiedensten, spannenden Menschen aus der Szene in die Frittenbude zu zerren. Daher freuen wir uns sehr, dass wir euch heute Marcel vorstellen dürfen. Er ist 42 Jahre jung, verheiratet und wohnt am schönen Niederrhein. Er ist Spieleautor und ihr kennt ihn, wenn ihr zum Beispiel schonmal Fresko oder Parfum von Queen Games gespielt habt! Damit Marcel in seiner geheimen Heldenrolle als Spieleautor in Frieden leben kann, geht er als Alibi auch noch einem anderen Job nach: Er arbeitet bei einer Krankenkasse. Da hat er im Übrigen auch Marco, seinen Autorenfreund, kennengelernt, mit dem er seit 2010 eine unglaublich spannende Reise durch die Spieleszene erlebt, wie er selbst so schön sagt.

Und jetzt könnt ihr sogar noch ein bisschen mehr über ihn und sein Leben erfahren.

“Was ich sonst so treibe oder getrieben habe? Nun ja, ich habe 17 Jahre lang aktiv Vereinsfußball gespielt. Mit dem Fußballspielen ist es allerdings schon etwas länger vorbei. Heute schaue ich mir das eine oder andere Spiel lieber passiv im Stadion oder vor dem heimischen Fernseher an. Stattdessen spiele ich heute leidenschaftlich gerne Dart. Eine eigene Dartscheibe durfte in meinem Arbeitszimmer natürlich nicht fehlen. Wenn ich mich bei einer Spieleidee in einer Sackgasse befinde, werfe ich einfach ein paar Darts und der Kopf ist wieder frei.

Ich bin übrigens ein bekennender Genießer von schottischem Whisky. Und das, obwohl ich den größten Teil meines Lebens keinen Tropfen Alkohol angerührt habe. Wie bei den Brettspielen genieße ich hier das Zusammensein mit Gleichgesinnten und zusätzlich das Fachsimpeln über die verschiedenen Aromen.

Letztlich muss ich rückblickend auch feststellen, dass ich selten mit dem Strom geschwommen bin. Ich fand die Wege abseits des Mainstreams immer am spannendsten. Dies äußert sich beispielsweise darin, dass ich weder Kaffee noch Bier trinke. Darüber hinaus besuche ich auch lieber ein richtiges Restaurant als irgendeine Fastfood-Kette. Das gleiche gilt bei meinen Freizeitaktivitäten. Sofern ich mir mal eine Live-Band anhören will, bevorzuge ich kleine Konzerträume statt Auftritte in großen Stadien oder Hallen. Da ist man viel näher dran und es wirkt einfach persönlicher. Beim Reisen verhält es sich bei mir nicht anders. Ich erkunde lieber unsere Heimat, statt ins Ausland zu fliegen. Als Reisemittel bevorzuge ich den Zug und meine eigenen Füße. Die sozialen Medien (Facebook, Twitter und Co.) versuche ich weitgehend zu ignorieren. Für mich spielt sich das Leben woanders ab. Dem Grunde nach bin ich also eigentlich eine graue Maus in der Gesellschaft, die jedoch immer wieder neue Spielwiesen findet und neugierig stets einen Fuß vor den anderen setzt.”

So, jetzt solltet ihr einander kennen, nicht wahr? Dann kommen jetzt die Fragen – also das, worauf ihr doch alle wartet 😉 .

Los gehts!

1. Wie ist deine Leidenschaft für Brettspiele entfacht worden? Gab es einen bestimmten Auslöser oder ist es einfach so passiert?

Marcel: Spiele sind immer schon ein Teil meines Lebens gewesen. Meine Eltern haben jedes Jahr das Spiel des Jahres gekauft und damit sicherlich meine Leidenschaft für Brettspiele entfacht. Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich haben uns immer sehr auf die neuen Spiele gefreut. Heute bin ich es, der bei meiner Familie mit immer neuen Spielen und/oder Prototypen aufschlägt. Das Spielen gehört bei mir einfach dazu. Leider bleibt neben dem Beruf und anderen Verpflichtungen nur wenig Zeit, alles Verfügbare auszuprobieren und oftmals stehen ja dann auch neue Spieleentwicklungen im Mittelpunkt. Dies ändert aber nichts daran, dass sich meine persönliche Spielesammlung stets erweitert. Es dürften mittlerweile zwischen 600 und 700 Spiele sein (meine letzte Inventur ist aber schon ein paar Jahre her).

2. Du bist ja Spieleautor – von dir kennt man Fresko, Kobold und Parfum, allesamt Spiele, die bei Queen Games erschienen sind. Wie kam es zu deiner offensichtlich engen Bindung an den Verlag? Und überhaupt: Worauf können wir uns von dir noch freuen? Erzähl mal 😉

Marcel: Um das beantworten zu können, muss ich zunächst einige Jahre in die Vergangenheit reisen. Als Marco und ich feststellten, dass wir dieselben Interessen haben, trafen wir uns regelmäßig zusammen mit unseren Lebensgefährtinnen zum Spielen. Häufig analysierten wir am Ende das mathematische Konstrukt und die Mechanismen des jeweiligen Spiels. Das gehörte damals irgendwie dazu. Und irgendwann sagten wir uns dann: „Das können wir auch!“

Wir fingen also an, uns unverbrauchte Spielethemen zu überlegen und diese dann spielerisch umzusetzen. So entstanden schnell unsere ersten Prototypen. Doch wie tritt man nun an einen Verlag heran? Ganz einfach. Damals hatte Christwart Conrad, der seit Anfang der 1980er Jahre Spiele entwickelt und seit Anfang der 2000er Jahre in dem Magazin „Spielbox“ Spiele rezensiert, ein Autorenseminar angeboten, welches damals erstmalig und bis heute regelmäßig jährlich stattfindet. Wir bezeichnen Christwart deshalb gerne als unseren Ziehvater, da er uns verschiedene Einsichten in die Spieleentwicklung ermöglicht hat. Darüber hinaus hat er uns auch fundamentales und sogar redaktionelles Wissen vermittelt. In den ersten Jahren nahmen wir regelmäßig an seinen Seminaren teil. Warum erzähle ich das? Ganz einfach. Auf einem der Seminare entstand auch der erste Kontakt zu Queen Games. Diese Seminare wurden und werden nämlich von Scouts verschiedener Verlage besucht, die sich vor Ort die mitgebrachten Prototypen der Autoren ansehen. So manche Spieleidee hat auf diese Weise bereits den Weg ins Verkaufsregal gefunden. Einer dieser Scouts war und ist Ulrich Fonrobert, der dort für Queen Games unterwegs war. Er war von unserem Spiel, das damals noch den schönen Titel „Die Maler des Königs“ trug, sehr angetan. Wir sollten es bei der folgenden Spielemesse in Essen mitbringen, wo Ulrich dann den Kontakt zum Verlag hergestellt hat. Er erklärte dem damaligen Redakteur Bernd Dietrich unser Erstlingswerk „Fresko“, der das Spiel nach einer vollständigen Testrunde direkt einbehalten hat. Innerhalb weniger Tage erhielten wir von ihm dann die positive Rückmeldung, dass Queen Games unser Spiel veröffentlichen wird. Das war für Marco und mich ein unglaubliches Ereignis.

Es folgten die ersten telefonischen Kontakte mit dem Verlagsinhaber Rajive Gupta. Er beauftragte Wolfgang Panning, der seinerzeit viele Projekte des Verlags betreute, unsere Spieleidee zusammen mit uns zu finalisieren. Wolfgang hatte das Projekt mit viel Leidenschaft begleitet und früh das Potential des Spiels erkannt. Zusammen mit ihm sind später auch noch viele Erweiterungsideen entstanden. Wir wurden in die redaktionellen Schritte überraschend stark eingebunden. Diese enge Zusammenarbeit hat uns natürlich sehr gefallen, zumal wir in dieser Zeit eine Menge über die redaktionelle Arbeit eines Verlages erfahren haben. In den letzten Jahren haben wir uns regelmäßig persönlich sowohl im Verlag als auch im privaten Umfeld getroffen. Dies führte dazu, dass wir die Familie Gupta näher kennen- und schätzen gelernt haben. Wir haben seit 2010 gemeinsam viele schöne Momente erlebt und sind Freunde geworden. Aufgrund des guten Vertrauensverhältnisses und ohne, dass wir es jemals geplant hatten, sind Marco und ich quasi Hausautoren von Queen Games geworden. Manchmal ergeben sich solche Dinge einfach.

In den nächsten ein bis zwei Jahren stehen übrigens einige Veröffentlichungen von Marco und mir an, über die wir aber noch nicht zu viel verraten wollen. Eigenständige neue Spiele wie auch Erweiterungen zu bestehenden Spielen stehen in den Startlöchern. Außerdem durften wir ein Modul zu der bald erscheinenden Designers Edition von „Alhambra“ beitragen. Das ist übrigens eine große Ehre für uns, weil das tolle und wie ich finde zeitlose Spiel von Dirk Henn eines der erfolgreichsten Spiele überhaupt ist. Im nächsten Jahr steht allerdings auch das zehnjährige Jubiläum von Fresko an. In diesem Zusammenhang laufen die Planungen bereits auf Hochtouren. Lasst Euch überraschen…

3. Wenn Du ein Würfel* wärest: Welcher wärst du und warum?
*Anmerkung zur Erklärung: Damit meinen wir die unterschiedlichen Würfel in Bezug auf ihre Seitenanzahl 😉

Marcel: Ich wäre dann wohl ein sechsseitiger Farbwürfel mit den Freskofarben Rot, Gelb, Blau, Orange, Grün und Lila. Warum? Weil jede Farbe für eine andere menschliche Eigenschaft steht. Die Farbe Rot steht für die Liebe, Gelb für den Neid, Blau für die Sehnsucht, Orange für die Lebensfreude, Grün für die Hoffnung und Lila für die Trauer. So ein Farbwürfel spiegelt also das wahre Leben wider. Und im Leben weiß man ja auch nicht, was als nächstes kommt, oder?

4. Wenn du dich entscheiden müsstest, entweder nie mehr Musik zu hören oder nie mehr spielen zu können – auf was würdest du eher verzichten?

Marcel: Eine unglaublich schwere Frage. Ich hoffe, dass ich mich niemals zwischen Musik und Spielerei entscheiden muss. Beides sind für mich Kulturgüter, die ich nicht missen möchte. Was wäre eine Welt ohne das Eine oder das Andere? Nie mehr Musik hören zu können würde ja bedeuten, dass ich taub wäre. Nie mehr spielen zu können, würde wiederum bedeuten, dass ich taub, stumm und blind wäre, sowie möglicherweise keine Hände hätte. So gesehen, sollte ich wohl lieber auf die Musik verzichten, weil es nach dieser Analyse klar das kleinere Übel darstellt.

5. Welche 3 Spiele würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? Genug Freunde dürftest du, wenn nötig, natürlich auch mitnehmen 😉

Marcel: Mal sehen…Flaschendrehen vielleicht? Nein, die Flasche benötige ich ja für den Briefverkehr. 😉

Aber Spaß beiseite. Ich denke, ich würde in meinem Unterschlupf eine Dartscheibe aufhängen, unter den Palmen am Strand ein Schachspiel aufstellen und auf der Wiese im Innern der Insel einen Fußball platzieren. Dart würde ich allein spielen, um etwas Zerstreuung zu finden. Schach würde ich zu zweit spielen, um meine Konzentrationsfähigkeit zu schärfen. Und Fußball wäre dann das Großgruppenspiel mit beliebig vielen Teilnehmern. So hätte ich für jede Situation das passende Spiel. Natürlich gebe es auch einige Brettspiele, die es verdient hätten, mitgenommen zu werden. In der vorgegebenen Umgebung halte ich die von mir genannten Spiele aber für passender.

6. Welches Spiel würdest du am liebsten in kochendes Frittierfett tauchen, damit du es niemals wieder spielen müsstest?

Marcel:

Vielen Dank für diese Frage. Das gibt mir die Gelegenheit, uns allen etwas Wichtiges in Erinnerung zu rufen. Denn es wird oft vergessen, dass jedem Spiel eine Autorenleistung zugrunde liegt. Mindestens eine Person hat also mit sehr viel Herzblut und Leidenschaft daran gearbeitet und Zeit in die Entwicklung und die vielen Tests investiert. Das verdient zuallererst mal meinen Respekt. Ob mir persönlich ein Spiel besonders gut gefällt oder ich es nach einmaligem Spielen nicht mehr auf den Tisch bringe, ist ja lediglich ein subjektives Gefühl. Meist hängt es schon allein davon ab, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Da sollte ich mir also zunächst die Frage stellen, ob ich überhaupt zur Zielgruppe des Spiels gehöre. Wenn nicht, würde mein Urteil nämlich naturgemäß nicht objektiv genug ausfallen. Beschränke ich mich an dieser Stelle jedoch ausschließlich auf die Spiele, die in mein persönliches Beuteschema fallen, gibt es bislang kein Spiel, welches ich in kochendes Frittierfett tauchen würde. Und wenn dies doch irgendwann mal (aus welchen Gründen auch immer) passieren sollte, würde ich es aus Verbundenheit zur Autorenszene nicht verraten.

7. In welchem Spiel würdest du gerne einmal 24 Stunden in real verbringen, wenn du es dir aussuchen dürftest und weshalb?

Marcel: Dann würde ich wohl das Spiel „Hase und Igel“ von David Parlett wählen, welches bereits 1978 (also 1 Jahr nach meiner Geburt) veröffentlicht wurde und 1979 das erste Spiel des Jahres wurde. Die Begründung ist ganz einfach. Dieser Wettlauf bedeutet nämlich, dass ich mich zwangsläufig mehr bewegen und zugleich mit Salat und Möhrchen auch gesünder ernähren würde. Ob 24 Stunden jedoch reichen, um unliebsames Gewicht loszuwerden und einen besseren Fitnessstatus zu erreichen, muss bezweifelt werden. Zwecks Langzeiteffekt sollte ich statt 24 Stunden eher 24 Monate dort verbringen.

8. Was bestellst du dir, wenn du in eine Pommesbude gehst?

Marcel: Das ist einfach…ich bestelle mir natürlich einen Taxiteller. Für die, die die Bezeichnung nicht kennen, sei kurz erklärt, dass hier die Komponenten Currywurst, Gyros und Pommes enthalten sind. Der Vorteil ist, dass ich mich dann nicht zwischen Currywurst oder Gyros entscheiden muss.

9. Wenn du die Möglichkeit hättest, hier an dieser Stelle jemanden zu empfehlen, der SO cool ist, dass wir ihn auch mal hier bei uns in den Frittenplausch einladen sollten – wer wäre es?

Marcel: Oh, da fällt mir natürlich sofort mein Kompagnon Marco Ruskowski ein. Ich bin mir sicher, dass er ebenfalls Bock hat, Frittenplauscher zu werden.

Jetzt kommt deine letzte, ehrenvolle Aufgabe – Sekt oder Selters? 

Bitte wähle eine der beiden Möglichkeiten. Im besten Fall die, zu der dich dein Herz lenkt. Oder dein Bauch, wenn es um Essen geht. 😉

Mayo oder Ketchup?

Marcel: Lieber etwas Mayo.

Kaffee oder Tee?

Marcel: Ich bin überzeugter Teetrinker.

Pommes oder Salat?

Marcel: Pommes (es gibt allerdings auch Tage, an denen ich tatsächlich mit Salat antworten würde)

Actionfilm oder Zeichentrickfilm?

Marcel: Actionfilm, da ich selbst auch immer in Aktion bin.

Nachteule oder früher Vogel?

Marcel: Leichte Tendenz zur Nachteule 😉

Auto oder Bahn?

Marcel: Ganz klar…Bahn!

Frühling oder Herbst?

Marcel: Eindeutig Herbst, weil ich im Frühling unter dem Pollenflug leide.

Parfum oder Fresco?

Marcel: Puh…ich mag beide Spiele sehr…aber Fresko war das Erstlingswerk…also Fresko.

Fußball gucken oder ein Buch lesen?

Marcel: Fußball gucken (wann immer es die Zeit erlaubt).

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