Kinderspiel des Jahres – Die Verleihung im Jahr 2019

Einheimische und exotisch-knuffige Monsterheld*innen

Hamburg – eine Stadt umrahmt in blau. Ja, das kann man sagen. Blau ist es heute. Der Himmel, das Wasser und auch der Pöppel. Heute, am 24.06.2019 wurde der Kritikerpreis des Jahres 2019 verliehen, und zwar für das Kinderspiel des Jahres.

Im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg fand ab 10:30 Uhr die Verleihung statt. Ward der Eingang noch schmal und recht schlicht gehalten, so durchschritt der*die Besucher*in nach dem Flur eine neue Welt. Hohe Decken, moderne und technische Wand- und Deckendekoration, ein Zusammenspiel aus Maschinenhalle, Ausstellungsraum und Festsaal. Gefärbt wurde die Lokation mit warm ausgeleuchteten Ecken, sanften Strahlern und so manch Luftballons. Schon gleich nach dem Durchschreiten der Tür merkte Mensch: „Herzlich Willkommen im verspielt-lebendigen Leben!“

Und lebendig war es

Das stimmt, lebendig war es. Selten, wenn nicht sogar noch nie, habe ich so eine herzliche, warme und wunderbar lebendige Preisverleihung gesehen, wie sie im Hauptzollamt stattgefunden hat. Sabine Koppelberg, Koordinatorin der Jury Kinderspiel des Jahres, die die Begrüßung der anwesenden Menschen durchführte, verstand es einladend und wertschätzend mit den vielen Kindern und Gästen auf der Bühne umzugehen, die neben den 3 nominierten Spielen die Stars auf der Bühne waren. Ganz der Haltung sprach Sabine Koppelberg die Einladung an Eltern, Erziehungsberechtigte und Erwachsene aus, Vorbild zu sein, Einladungen zum Spiel und spielen auszusprechen, Kinder an den Tisch zu holen, um gemeinsame Zeit zu verbringen, Kompetenzen zu fördern und Neugierde und Verspieltheit zu entdecken. Und auf Entdeckertour sollte es mit den Nominierten des Jahrgangs 2019 gehen.

Tierwikingermärchen

Die 3 nominierten Spiele des Jahres lauteten Fabulantica, Go Gecko Go! und Tal der Wikinger. Letzt genannter Titel schaffte es, nachdem der Buzzer von den 8 Kindern auf der Bühne gedrückt wurde, zum Kinderspiel des Jahres gekürt zu werden. Wir gratulieren ganz herzlich dem französischen Autor*innen Ehepaar Marie und Wilfried Fort und dem Haba Verlag.

Doch seien wir mal ehrlich: Alle Nominierten sind doch Gewinner, oder nicht? Aus 125 Spielen haben es 3 ganz nach vorne geschafft (die eben genannten), und sieben weitere Titel wurden auf die Empfehlungsliste gepackt. Das ist schon ein enormer Schritt und verdient gänzlich einen großen Applaus: Klapp-Klapp-Klapp!

Fabulantica (Marco Teubner, Pegasus Spiele) ist ein Laufspiel mit einem Momory-Charakter. In diesem märchenhaften Wettrennen müssen wir Aufträge erfüllen, die auf Karten dargestellt sind. So reisen wir über Straßen, über Wasser, und auch vor einem fliegenden Teppich wird nicht Halt gemacht. Ein sehr innovatives Spiel, was Wettrennen und Memory wunderbar vereint. Die Grafik ist ebenso der Knaller.

Go Gecko Go! (Jürgen Adams, Zoch) ist in Sachen Grafik ebenso ein Knaller. Und nicht nur da, denn auch die Haptik und der Spielspaß sind wunderbar. In dem Spiel durchführen bis zu 4 Spielende ein Surfwettrennen durch. Dabei geht es drunter und drüber – im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Tiere klettern auf die Rücken anderer und werden von anderen Tieren besetzt. Bei den Bäumen, die auf dem Wasserstrom liegen, sollte man gut den Kopf einziehen, denn manch tiefliegender Baumstamm schubst Huckepackler vom Rücken. Ein super schönes und originelles Laufspiel mit Würfeln und Taktik.

Tal der Wikinger (Marie und Wilfried Fort, Haba) ist ebenso ein wunderschönes Spiel und haptisch ein Genuss. Das Spiel vereint taktisches Vorgehen und Geschicklichkeit, denn am Steg kommt eine große Kugel zum Einsatz, um Fässer umzukegeln. Wahrlich vielformig zeigt sich Tal der Wikinger: Kugel, Fässer, 3D Schiffe, Münzen und Plättchen. Viel steckt drin im Spiel und bei all der schönen Vielfalt hört man oft: Nochmal!!!

Aber nicht nur die 3 Nominierten zeigen sich abwechslungsreich und für ab 6 Jährige, auch die Spiele auf der Empfehlungsliste können sich zeigen lassen:

Bauernhof-Bande (Justin Lee, Haba) ist ein kooperativer Würfelspaß, in Monster Match (Ken Gruhl und Quentin Weir, Kosmos) geht´s um ein reaktionsschnelles Kartenspiel im Monstersuit, Concept Kids – Tiere (Gaëtan Beaujannot und Alain Rivollet, Repos Production) ist ein Großgruppenratespiel mit Tieren, Octopus (Grégory Kirszbaum und Alex Sanders, Djeco) ist ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel, Magic Maze Kids (Kasper Lapp, Sit Down!/Pegasus Spiele) ist ein kooperatives Laufspiel und der Vorläufer zum Inno-Spiel Magic Maze, Voll verwackelt (Wolfgang Dirscherl und Manfred Reindl, Queen Games) ist ein wirklich wackliges Geschicklichkeitsspiel für 2 bis 4 Spielende und Monster-Bande (Florian Biege, Drei Hasen in der Abendsonne) bringt Spielende mit einer kommunikativen Reaktionsspielidee an den Spieltisch.

Egal wofür sich Interessierte und die, die es werden wollen, interessieren, enttäuscht wird man auf keinen Fall in diesem Jahrgang der Kinderspielauswahl. Wirklich tolle und außergewöhnliche Spiele bringen das auf den Tisch, was auch die Jury von Kinderspielen fordert: Spielspaß, verständliche Regeln, außergewöhnliches Spielmaterial und eine intelligente Spielidee.

So unsere Aufforderung an alle Spielende da draußen, und die, die auch dem Kinderspiel eine Chance geben wollen: Schnappt euch ein Kinderspiel, schnappt euch ein paar Mitspielende und lasst euch treiben in eine wunderbare Welt der wunderbaren Materialien, Farben, Themen, Spielregeln, der unterschiedlichen Spielegenre (Geschicklichkeit, Memory-Effekt, gegeneinander, zusammenarbeiten, etc.), und macht das, was Kinderspiele schaffen: Spaß, Spannung und keine Langeweile.

Herzlichen Dank an Spiel des Jahres e.V. für die Preisverleihung und all den vielen Autor*innen und Verlagen für die schönen Spiele. Es war ein Fest in „Flauscheblau“.

Frittentexte

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