Amul

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Knusperfritte

Guten Tag, 2 mongolische Spioninnen, bitte.

Manche gehen zu Edeka, andere zu Kaufland und wieder andere auf den Bazar – da kriegt man überall das, was man braucht! Und wer vor dem ersten Mal Edeka üben will, der kann ja Amul auf den Tisch werfen und ausprobieren, wie es so ist, an der Gemüsetheke nur noch die Reste zu kriegen!

Na gut, in Amul sind wir Händler und keine Hausmänner und -frauen, die einkaufen gehen, aber so könnt ihr euch sicherlich immerhin ganz gut vorstellen, was ihr hier bei Amul erleben könnt ..

A propos, gibt es eine Bedeutung für Amul? Ich wikipediare mal eben …

mh.

“Amul is a Hindu Boy name and it is an Hindi originated name with multiple meanings. Amul name meaning in Hindi is Priceless, and the lucky number associated with is .”

oder aber

“Amul is an Indian cooperative dairy company, based at Anand in the state of Gujarat.[3]

Formed in 1946, it is a cooperative brand managed by a cooperative body, the Gujarat Co-operative Milk Marketing Federation Ltd. (GCMMF), which today is jointly owned by 3.6 million milk producers in Gujarat.” ((c) Wikipedia)

… stellt mich dieses Mal beides nicht so zufrieden … Aber egal! 😉 Die Ausflüge zu Wikipedia, die ich aufgrund von Spielenamen mache, sind manchmal schon sehr witzig. Hier halt mal nicht

Weiter im Text

Genau! Zuerst einmal geht ein Dank an Pegasus Spiele raus, die uns Amul als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Ich erzähl mal eben (und das geht echt mal eben) wie Amul funktioniert. Hier die Regeln, falls ihr Details wissen möchtet.

Jeder hat Handkarten, davon wählt jeder eine aus und legt sie verdeckt vor sich ab. Haben sich alle entschieden, werden alle Karten (plus eine gewisse Anzahl weiterer Karten abhängig von der Spieleranzahl) in den Markt gelegt. Dann darf der Startspieler (der wird übrigens im Spiel “Erste Wahl”-Karte genannt, aber ich nenne ich Startspieler. Dieses Privileg wird in jeder Runde weitergegeben an den nächsten im Uhrzeigerinn) eine Karte nehmen, dann der nächste und so weiter. Dann spielen alle eine Karte aus ihrer Hand und erschaffen so eine eigene Spielerauslage vor sich, über die sie Punkte generieren können. Dann ziehen alle eine Karte nach und der Spaß beginnt von vorn. Das wird dann 9 Runden lang so gemacht, bis am Ende der mit den meisten Punkten beginnt.

Es gibt natürlich noch ein paar Besonderheiten. Sobald alle einmal Startspieler waren dürfen diejenigen, die die meiste Militärische Stärke vor sich liegen haben, zuerst Karten vom Markt aussuchen – und erst dann diejenigen, ohne Militärische Stärke. Dann gibt es auch noch Palast- und Bazarkarten, an die man gelangen kann und es gibt Karten, die man erst am Ende der Partie gebrauchen kann. Am Ende gibts Punkte für jede Kartenfarbe (die werden nacheinander abgehandelt, weil die auf  unterschiedliche Arten Punkte bringen), dann gibt´s Punkte für Bazarkarten, die man einheimsen konnte und dann gibt´s noch Punkte für die Mehrheiten an Mongolen oder Arabern in der eigenen Auslage (das sind die Symbole links oben auf den Karten). Wer dann die meisten Punkte hat, gewinnt.

Bumms.

Das ist es auch im Großen und Ganzen, allerdings haben natürlich alle Karten irgendeinen Effekt, der oft abgehandelt wird, sobald die Karte ausgelegt wird. Manchmal geht es auch ums reine Sammeln von Dingen und dann wird man erst am Ende des Spiels belohnt.

Die Regeln sind kurz und gut geschrieben, es gibt ein separates Heft mit den Kartenbeschreibungen, das sogar dicker ist, als das Regelheft selbst. Darin werden alle Symbole auch erklärt, die man auf den Karten findet. Das ist gerade am Anfang erstmal noch ein bisschen hakelig, aber wenn man es dann einmal verinnerlicht hat, auch kein Problem mehr. Es gibt viele Karten, die Auswirkungen auf andere Karten haben (die unterschiedlichen Menschen zum Beispiel: Eine Kurtisane bringt Punkte für Gold und Seide. Ist klar.), aber es gibt auch welche, die mit den anderen nichts zu tun haben wollen (Gold zum Beispiel). Da ich auch in der Mehrheitenwertung der Mongolen / Araber am Ende gut abschneiden möchte, muss ich auch noch auf die Symbole links oben achten und nicht einfach achtlos irgendwelche Karten ausspielen.

Das Ausspielen der Karten in den Markt erschafft für mich irgendwie eine herbeigeführte Sehnsucht nach anderem. Ich hab ja 5 Karten auf der Hand, mit denen ich den allermeisten Fällen wahrscheinlich irgendwas Sinnvolles anstellen kann. Dadurch, dass aber jeder eine Karte in den Markt spielt und dort noch mehr zur Auswahl steht, aus der ich mich bedienen muss, sorgt das natürlich dafür, dass ich Dinge in greifbarer Nähe habe und sehe, die ich vorher nicht hatte. Und dann, ganz plötzlich, will ich doch nicht mehr meine Kamelzucht eröffnen und will auch nicht, dass die anderen das tun, damit mein eines Kamel richtig fett Punkte bringt. Also horte ich auf meiner Hand Kamele und spiele nur Rotz aus. 😉

Und täglich grüßt das Amultier

Den Einstieg in Amul zu finden ist echt leicht, weil die Regeln weder komplex noch viel sind. Das, was dem Spiel die Tiefe gibt, sind die Karten und die Interaktionen, von denen ich gerade schon gesprochen habe. Aber irgendwie … mache ich 9 Runden lang das selbe:

  • Ich fülle meine Handkarten und den Markt mit der Menge X (abhängig von der Spieleranzahl) auf.
  • Ich wähle eine Karte aus meiner Hand aus, die ich nicht unbedingt brauche, bei der es aber auch nicht schlimm ist, falls ich sie wieder auf die Hand nehme … schließlich muss ich gleich eine Karte aus dem Markt nehmen.
  • Ich warte darauf, dass sich alle dazu durchgerungen haben, eine Karte aus ihrer Hand auszuwählen (was hier und da schonmal dauern kann).
  • Alle decken die ausgewählten Karten auf.
  • Der aktuelle Startspieler wählt eine Karte, dann geht´s reihum im Uhrzeigersinn weiter.
  • Ich warte mal länger und mal kürzer, bis ich dran bin und mich entweder aus den kümmerlichen Resten bedienen darf (weil ich letzte in der Reihe bin) oder aus dem vollen Buffett aussuchen darf, weil ich Startspielerin bin.
  • Die Karte nehm ich auf die Hand.
  • Dann spiele ich eine meiner Handkarten in meinen Spielbereich (oder lege sie in die Schachtel, weil ich sie abwerfe, weil sie noch nicht aktiv ist, sondern erst am Ende des Spiels aktiviert worden wäre). Die Effekte werden abgehandelt.
  • Alles was noch auf dem Markt ist kommt in die Tonne (aka Schachtel – #foodwasting)
  • Der Startspieler der neuen Runde bekommt die “Erste Wahl-Karte”.
  • Eine neue Runde beginnt.

Mir ist das zu gleich, jede Runde wieder diesen Pfad auszutreten. Warum bricht nicht mal ein Pferd aus und sorgt für Aufregung? Oder ein Taschendieb geht rum? Auf dem Bazar herrscht doch Leben! Und das fehlt mir bei Amul ein bisschen. Hier sitze ich, wähle, warte, wähle, lege, ziehe … und fühle mich nicht abwechslungsreich unterhalten. Nicht falsch verstehen: Durch die unterschiedlichen Karten und dadurch, dass manche erst bei anderen Spielerzahlen ins Spiel kommen ist innerhalb der Effekte und Punkte im Spiel eine Menge möglich und hier wird es sicher nicht langweilig. Aber das Gesamtpaket ist mir nicht belebt genug.

Lecker

  • Die Illustrationen mag ich gern - die sind sehr stimmungsvoll.
  • Seichter Einstieg, weil es nicht viele Grundregeln gibt
  • Die Symbolik ist verständlich, sobald man sie einmal erklärt und verinnerlicht hat.

Pfui

  • Ich mag es nicht, wenn ich 3/4 der Karten erstmal aus- oder einsortieren muss, bevor ich spielen kann
  • Der Wiederspielreiz hielt sich in Grenzen
  • Mit vielen Spielern hatte ich immer auch viel Downtime
  • Ich habe das Gefühl, die ganze Zeit das gleiche zu tun.

Fazit

Kaddy will Kamele.

  "Klar, auf einem Bazar ist man selten alleine und auch da muss man sich anstrengen, um an die guten Sachen zu kommen. Daher kann ich schon verstehen, dass man Amul für viele Menschen spielbar machen möchte. Ich für meinen Teil finde es jedoch mit 4 Spieler am besten. Das ist eine angenehme Mischung aus Warten und Spielen und das Nehmen, was man kriegen kann. ;-) Allerdings geht bei mir das Gefühl nicht weg, dass ich immer das Gleiche mache - auch, wenn ich natürlich immer unterschiedliche Karten auf der Hand und auf dem Markt habe ... aber irgendwie ... war mir das Ganze zu monoton und unlebendig. Schade. "
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