Bonfire

Brettspiele Frittenrezensionen
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Superfritte

Entfache das Feuer

Na? Wer hat das Feuer ausgemacht? Hm? Wer war´s? Na toll, das Feuer ist aus, und wir suchen nach Streichhölzern. Oder was ganz anderes, denn das große Bonfire ist nicht so einfach zu entfachen. Hier braucht es einiges an Arbeit und an Aufwand. Aber keine Sorge, Stefan Felds Bonfire, was bei H@ll Games erschienen und über Pegasus vertrieben wird, ist keine Arbeit, auch rackert man sich nicht ab an den Klotzer. Aber einiges verlangt das strategische Spiel schon von einem ab, denn viele Wege führen nach Rom, ähh ich meinte, zum Bonfire.

Worker-Placement ohne Worker

Wenn Du Interesse an den Regeln zu Bonfire hast, HIER, kannste nachlesen. Es gibt auch einige Videos im Netz, die Dir schnell die Spielweise erklären und vorstellen.

Ich schreibe hier auf, welche Erfahrungen ich mit Bonfire gemacht habe, und wie es in meinen Runden ankam.

Ich habe Bonfire mittlerweile in vielen und sehr unterschiedlichen Konstellationen gespielt. Und ich muss sagen, mir gefällt es außerordentlich. Leider konnte ich diese Freude mit manchen, aber nur wenigen, nicht teilen, die das Spiel zu unübersichtlich und zu abstrakt fanden. Auch sagte mal jemand, dass sie das Spiel zu langatmig findet, und dass man das Vorankommen als behäbig empfinde.

Dies teile ich und die meisten Mitspielenden nicht. Sicher, das Spiel ist nicht mal eben runtergespielt, aber das ist auch ganz okay. Ich meine die längste Partie hatte ich in einer 4er-Konstellation mit bis zu 2,5 Stunden. Mittlerweile kann man das Spiel ganz gut in einer Stunde runterspielen.

Ich finde, das Spiel spielt sich wie ein Worker-Placement spiel, nur ohne Worker. Wir können Aktionen durchführen, indem wir Aktionsmarker abgeben. Dies macht man normalerweise mit Arbeitern, die man irgendwo platziert, und dann die Aktion durchführt. Unsere „Arbeiter“, die wir höchstens als Figuren haben, machen aber keine Aktionen, sondern heizen das Feuer an und bringen uns immer weiter Richtung Ende. Sobald der Hohe Rat voll mit Novizen ist, kommt es peu-a-epu zum Ende des Spiels. Dann wird abgerechnet.

Der Weg der Entscheidungen

Es gibt so viel zu tun und so viele Möglichkeiten bei Bonfire, dass manch erschlagen scheint. So zumindest meine Erfahrung mit neuen Mitspielenden, die das Spiel zum ersten Mal kennen lernen. Was soll ich zuerst machen? Was sollte ich berücksichtigen? Was wären Fehler? Welche Strategie ist eine wertvolle Strategie? Tatsächlich konnte ich anfangs nicht genau erklären, wie man am besten vorgeht und welche Strategie man am besten fährt. Denn durch das immer andere Aufbauen der Startaufstellung, war das Setting immer etwas anders. Sicher, die Aufgaben im Blick zu haben ist das A und O. Aber auch die möglichen Aktionen und die Auslage der eigenen Schicksalsplättchen ist nicht zu unterschätzen. Auch habe ich mittlerweile die Erfahrung  gemacht, dass die Gnome äußerst von Vorteil sein können, wenn man sie früh erwirbt.

Das finde ich tatsächlich schwierig im Spiel neuen Menschen zu erklären: Wie geht man am besten vor? Manch andere Spiele kann man leichter erklären, zum Beispiel: „Hole Dir erst mal Geld, das wirst Du brauchen!“ oder „Auf jeden Fall Holz holen, das brauchst Du immer …“ Bei Bonfire geht das nicht. Ich kann das Spiel und die wichtigen Bereiche erklären, aber machen muss hier jede*r selbst.

Und das ist auch das Schöne, was im Spiel passiert: Das langsame und tastende Machen. Ich finde Bonfire ist kein schnelles Spiel, was man ZackZack so runterspielt. Hier erlebe ich es, dass wir uns kleinschrittiger und langsam einem Ziel widmen. Alles ist offen, alle haben alles im Blick, und Bonfire spielt sich wie ein Spaziergang zum Ende hin. Ein Spaziergang, der aber randvoll mit Entscheidungen gepflastert ist: Was mache ich? Welche Schritte plane ich? Was haben meine Mitspielenden vor? Welche Aufgabe muss ich zuerst erledigen? Wann sollte ich das Bonfire bewegen? Was plant der Mensch zu meiner Rechten und zu meiner Linken?

Bei diesem bedachten Spaziergang kann es leider zu etwas Downtime kommen, da manch andere Spielende warten müssen. In einer Runde, in der zuvor besagten 4 Personen Runde, kam ab und an schon mal der Spruch auf: Ich geh mal auf´s Klo, dauert ja noch.

Nun, das ist an sich nicht prototypisch für Bonfire, aber es kann sein, dass manch Mitspielde*r etwas länger Zeit braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Für ganz ungeduldige Schnellspielende kann es hier eine Herausforderung sein. Aber ich schätze mal, dass diese auch sowieso nicht Bonfire spielen würden …

Mir selber hat das lange Überlegen mancher nichts gemacht. Dadurch hatte ich die Zeit meine Züge zu überlegen, und mein Vorhaben zu planen. Manchmal musste ich umdenken, da mein Vorspieler mir das Bonfire zum Beispiel weggestellt hat, aber dann war das nun mal so.

Im Großen und Ganzen

Im Großen und Ganzen finde ich Bonfire absolut fantastisch und großartig. Ich mag die Komplexität des Spiels. Die Wege zum Gewinnen sind vielseitig und die Möglichkeiten sind viel gegeben. Das finde ich ganz toll. Stefan Feld Spiele und dieses im Speziellen sind so schön komplex und vielfältig, dass jede Spielrunde immer wieder sich neu und frisch anfühlt. Bonfire bin ich noch lange nicht leid. Das finde ich toll.

Etwas schade finde ich, dass man, wenn man etwas von den Punkten abgehängt wurde, nicht wirklich mehr aufholen kann. Das hatte ich in 2 Partien gehabt, dass diejenigen, die ganz hinten waren, es schwer hatten, nach vorne preschen zu können. Dafür entgegen hatte ich auch schon oft Kopf-an-Kopf-Rennen gehabt, die ganz knapp ausgegangen sind. Also beides ist gegeben.

Die Ausstattung finde ich phänomenal und absolut super. Wer auf üppige und volle Schachteln steht, ist bei Bonfire richtig. Wahnsinn, was alles in dieser Kiste steckt. Sehr sehr cool. Mich sprechen die Illustrationen und die Ausstattung sehr an. Ganz große Klasse.

Alles in allem ein sehr schönes und auch sehr gutes Spiel. Strategisch, vielseitig und immer wieder anders. Das mag ich sehr. Für mich ein echt tolles und gutes Spiel.

Lecker

  • Ein sehr opulent ausgestattetes und hirnverwirbelndes Kennerspiel

Pfui

  • Wenn Du hinten bist, bleibst Du auch hinten.

Fazit

Funfairist zündelt sich zurecht

Ich vergebe eine Superfritte für das Spiel Bonfire. Ein ganz tolles und äußerst komplexes Spiel, was ich sehr gerne Spiele und in der Hand halte. Nur das Aufbauen ist immer etwas mühselig, aber mit Mitspielenden, die das Spiel kennen, geht das recht schnell. Tolles Spiel und für Vielspieler auf jeden Fall ein Blick notwendig. Herzlichen Dank an Pegasus Spiele, die uns das Spiel gestellt haben.
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