Gut getippt!

Frittenrezensionen Kartenspiele
4

"Na ja"-Fritte

Ich glaub, das sind ungefähr 93 Prozent Fett.

Helvetiq, ein Spieleverlag aus der Schweiz, ist dafür bekannt, dass er schnelle, kleine Spiele herausbringt. So auch in diesem Herbst. Eine von den diesjährigen Neuheiten ist Gut Getippt! Und der Name ist Programm, denn bei Gut Getippt! müssen wir gut tippen. 😉 Eine kleine Schubladenschachtel in grünblaurosarot mit einigen Karten und Prozentplättchen kommt also auf die schweizerischen Tische. Schauen wir doch mal, was das so kann.

Glauben ist nicht wissen.

Und genau das wird jedem bei Gut Getippt! zum Problem. Das ganze ist eigentlich flott erklärt:

Jeder bekommt einen Satz an Prozentchips. Auf der einen Seite sind da die 10er Schritte von 0% bis 100%, aber ohne die 50%. Das ist Absicht. Auf der anderen Seite sind Siegpunkte angegeben. Die Karten werden als Stapel bereitgelegt. Dann fängt einer an und nimmt eine Karte vom Stapel. Auf jeder Karte stehen 5 unterschiedliche Fakten und der, der die Karte hat, wählt einen der Fakten aus und liest ihn vor. Alle – auch der, der vorgelesen hat – suchen nun einen ihrer Prozentchips aus. Wenn sich alle entschieden haben, wird offen gezeigt, wer welche Prozentzahl gewählt hat.

4 gewinnt? Nein. Nicht 4. Wer nah dran ist, gewinnt.

Wer am nächsten dran liegt, kriegt so viele Punkte, wie es hinten auf dem jeweiligen Chip angegeben ist. Der Rest kriegt keine Punkte. Alle eingesetzten Chips werden aber abgelegt und stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Das geht dann Runde um Runde so weiter und die möglichen Prozentchips, die man nutzen kann, werden dadurch immer weniger. Das Spiel ist entweder vorbei, wenn einer 25 Punkte hat oder wenn 8 Runden gespielt wurden. Oder beides? Man weiß es nicht, denn beide Enden stehen in der Regel. Gut Getippt! ist für mich aber kein Spiel, das man spielt, um zu gewinnen. Das ist ein Spiel zur Unterhaltung.

Chips weg

In der ersten Runde habe ich noch die volle Auswahl an Prozentchips. Mit jedem abgearbeiteten Fakt wird es einer weniger. Das heißt: Ich muss, wenn ich einen Fakt auswählen darf, einen wählen, dessen Ergebnis ich so einschätze, dass ich mit meinen noch verfügbaren Chips davon profitieren kann. Allerdings bin ich nicht immer dran, es wird nämlich immer reihum ausgewählt. Und jeder nimmt natürlich den Fakt, der einem selbst am meisten bringt. Das heißt, ich muss in den meisten Fällen einfach versuchen, was Sinnvolles zu tun – soweit es noch möglich ist – und wenn ich wählen darf, heißt es: zuschlagen.

Dieses Prozedere ist sicherlich für die Spielmechanik wichtig und irgendwie auch durchdacht … Hat mir aber so keinen Spaß gemacht. Beim Lesen der Regel hatte ich zuerst den Gedanken: Moooooaaaah! Das könnte ja in die Richtung von Gambit 7 gehen? (Ein Spiel von Days of Wonder, in dem auch geschätzt wird – seeeeehr seeeehr witzig, wird leider nicht mehr aufgelegt.) Naja, aber dann hat sich schnell herausgestellt, dass dem nicht so ist. Ich werde von Runde zu Runde in meinen Handlungsfähigkeiten eingeschränkt. Das bedeutet auch, dass ich in der achten Runde einen von 3 Chips benutzen muss, die ich noch besitze. Selbst wenn ich die Antworte also sogar wüsste, würde ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit keine Möglichkeit haben, das auszudrücken. Schade. Das ist eher frustrierend als lustig oder so …

Ob 3 oder 5 …

Eigentlich ist es auch total Wurst, ob ich mit 3 oder 5 Leuten spiele. Eigentlich habe ich mit den anderen nichts zu tun. Klar, sie könnten näher dran liegen als ich und mir die Punkte abgreifen, aber das ist auch alles an Interaktion – was ich schade finde.

Beim Auswählen macht also jeder, was für ihn am besten ist. Beim Schätzen macht man Schadensbegrenzung, soweit möglich und versucht dabei, noch gut zu landen. Was die anderen machen ist eigentlich egal – es verändert nur die prozentuale Chance, dass ich richtig liege.

Danke an Helvetiq, die uns Gut getippt! als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Lecker

  • Teilweise witzige und unnütze Fakten ;-)
  • Nicht immer ganz ernste Themen, auch mal Fakten, die einen zum Grinsen bringen.

Pfui

  • Die Prozentchips abgeben ohne Ersatz zu kriegen finde ich doof, obwohl ich den Sinn verstehe
  • Wann ist denn nun das Spiel zu Ende? Es stehen zwei Spielendemöglichkeiten in der Regel.
  • Trotz der teilweise amüsanten Fakten hat niemand in meinen Runden freudestrahlend am Tisch gesessen und die Worte ausgesprochen: ACH NEE! Das wollte ich ja schon immer mal wissen!!

Fazit

Kaddy glaubt ... nein.

  "275 unnütze Fakten. Viele davon beziehen sich auf die Schweiz - klar, denn Helvetiq kommen ja aus der Schweiz. Und ja, es gibt einige Fragen, deren Antworten sich einbrennen und über die man erstaunt ist. Und nein - gepackt hat mich Gut getippt! nicht. Ich finde, dass man die eingesetzten %-Chips nicht wiederbekommt soll sicherlich spielerisch etwas ausmachen - aber mehr als stören tut es mich leider nicht ... "
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