Hadara

Brettspiele Frittenrezensionen
7

Superfritte

Ausbau der Kulturen

Ihr lieben Völker der Welt, herzlich willkommen zu Hadara, dem buntfröhlichen Zivilisationsspiel aus dem Hause Hans im Glück von Benjamin Schwer. Keine Sorge, hier ist der Autorenname nicht Programm, denn Harada zeigt sich wirklich nicht schwer. Dafür aber recht strategisch und taktisch. Und bunt! Benjamin bunt wäre auch schön – ich liebe ja Alliterationen. Aber das soll hier nicht weiter ausgeführt werden, dann hätte ich nämlich gerne Bahara auf dem Tisch. So, jetzt aber Schluss mit dem Gesäusel und ab zur Rezi. Hast Du Lust mehr über Hadara zu erfahren? Dann erfährst Du bei der Spielfritte mehr. Auf geht´s.

Parallel im Aufbau

Zivilisationsspiele sind eine Sparte für sich. In ach so vielen Spielen entwickeln sich Zivilisationen unterschiedlich. Hier wächst ein Spielbrett, dort kommen neue Würfel mal ins Spiel, in wieder anderen stehen auf einmal neue Figuren zur Verfügung, und wieder in anderen Spielen hat man das Thema Zeit im Spiel, und sieht, wie von Epoche zu Epoche neue Entwicklungen möglich sind, und bereits Gebautes verrottet.

In Hadara zeigt sich der Fortschritt der Entwicklung auf unseren Leisten auf unserem Spielendentableau, sowie in der stetig wachsenden Anzahl an Karten. Auf unserem Tableau haben wir 4 Entwicklungsleisten, auf denen unser jeweiliger Marker meistens immer weiter nach rechts geschoben wird, bevor er eine nächste Runde wieder von ganz links anfängt. Mehr, mehr, mehr.

So schaut es auch mit unseren Karten aus. Die kleinen Karten kommen von Runde zu Runde immer zahlreicher in unsere Auslage, und pimpen damit unseren Entwicklungsstand unserer Leisten. Sei es Militär, Kultur und Ernährung. Ach ja, und unser Einkommen, denn Zasta wollen wir ja auch haben.

Über 3 Epochen spielen wir uns hinweg, wobei jede Epoche in zwei Phasen aufgeteilt ist. Sobald die Epochen durch sind, wird gewertet und unser Wertungsblock wird mit reichlich Punkten vollgeschrieben. Wer dann die Nase vorne hat, darf sich Kulturentwickler oder auch Kulturentwicklerin bester Sorte nennen. Die Zurückgebliebenen dürfen eifrig klatschen!

Ich will an dieser Stelle gar nicht mehr zu den Regeln sagen, denn die könnt ihr euch gerne mal selber auf die Bimse beamen. Auf der Seite vom glücklichen Hans könnt ihr sie finden. Aber nicht nur das: Hans im Glück hat ein echt tolles Feature auf seiner Seite, nämlich ein interaktives Video, was euch die Regeln als Tutorial erklärt. Wow, hier muss ich sagen: Hut ab. Die Art und Weise von Erklärung von Spiel zeigt sich bei HiG (Hans im Glück) echt nobel. Ich bin beeindruckt und freue mich über diese Art und Weise der Zugänglichkeit.

Ich will viel lieber meine eigene Mayo in Form von Tippvergnügen hier niederschreiben, denn die Lust und Freude an den Regeln zu Hadara will ich euch überlassen.

Vor-Bild-Lich

Ich bleibe mal gleich bei den Regeln. Es gibt Spiele, die brauchen fast keine Regeln, da sie aufgrund des Spielmaterials so „selbstaussagend“ sind, dann schon vor dem ersten Spiel klar ist, woher der Hase pfeift. Andere Spiele dagegen sind eine echte Ochserei im Regelwerk. Nicht nur schlecht geschriebene Regeln, in denen Begriffe unterschiedlich genutzt werden, die Didaktik katastrophal ist, keine Beispiele vorkommen und auf Bilder verzichtet wird. Ne, da wird die Vorfreude zum Spiel deutlich ausgebremst.

Hadara ist ein echtes Paradebeispiel dafür, wie toll man mit dem Zugewinn an Spielfreude starten kann, noch bevor das Spiel an sich gewinnt. Der Einstieg ins Spiel und das Regelerlernen empfand ich bei Hadara fast als Freude und kann dem HiG nur zuklatschen. Ich bin begeistert, wie klar, strukturiert, deutlich und beispielhaft die Regel ist. Die Extras, wie das vorhin schon genannte interaktive Video auf der HiG-Homepage ist zudem ein Topping, was es umsonst noch hinzugibt. Extra, extra, extra!

Hier ein ganz herzliches Dankeschön. Hadara ist ein wunderbares Beispiel für die Klarheit zum Spielbeginn, noch bevor das Spiel an sich losgeht.

Und diese Klarheit setzt sich im Spiel auf dem Spielmaterial weiter fort. Epochenübersicht, klare Ikonografie und ebenso schnelle Nachschau im Regelwerk, sowie auf der Rückseite der Regel sind wunderbar. Hadara ist schnell gelernt und verstanden. Top.

Schaue ich über die visuelle Einverleibung des Verstehens von Hadara hinweg, zeigt sich das Spiel auch im wunderschönen Gewand. Ich mag ja bunte Spiele und bin von Hadara echt angetan. Schon bei den ersten Bildern damals zur Nürnberg-Messe dachte ich mir: Hmmmm, das sieht aber lecker aus. Ein farbbuntes Potpourri an visuellen Reizen. Vielmehr zeigt sich Hadara in Farbenfröhlichkeit, als im detaillierten Gezeichneten. Was ich vollkommen okay finde. Lila, blau, rot, grün … Die Karten zudem in den jeweiligen Verläufen. Ein bisschen gold hier, ein wenig silber da. Und dann noch etwas Mensch hier, ein Gebäude dort, ach ja und ein paar wunderschöne Dioramen auf den Kolonienplättchen – das macht schon eine Menge aus. Irgendwie habe ich mich an 7 Wonders erinnert gefühlt. Fast wirkt das Cover auf der Spieleverpackung etwas blass, wenn man die Farbprächtigkeit auf dem Spielmaterial sieht. Für mich ein wahrer Augenschmaus. Nicht zu viel, aber dennoch prächtig.

Vom Augensinn zum Tastsinn: Auch hier ist Hadara sehr zufriedenstellend. Das Tableau weist nicht nur eine hervorragende Dicke, sondern auch eine Ausstanzung aus. Bei den Karten stimmt die Größe und die Qualität, das Spielbrett ist extravagant puzzelig und auch das kleine Rad in der Mitte ist ein nettes Gimmick. Siegelplättchen hier, ein paar Bonusplättchen da und die Holzspielfiguren als Kreis, Schild, Figur und Trauben sind ziemlich passend. Schön, schön, schön: Like!

Und was macht der Bauch mit all den Genüssen?

Bauchgefühl und Seelenspiel

Nun, der ist bei Hadara satt geworden. Nicht übersättigt, auch nicht abgehungert, sondern genau richtig gestillt. Hadara hat mir ausgesprochen gut gefallen, und fühlte sich im Bauch nicht wie ein Schwergewicht, aber auch nicht wie eine luftige Leichtkost an. Ein zugängliches Spielemahl, was mir einfach schmeckt. Auch den Mitspielenden schmeckt Hadara sehr, sei es in einem 2Personen-Candle-Light-Spiel, oder in einem lustigen 5-Personen-Fress-Spiel-Gelage. Hadara spielte sich immer sehr flüssig und nur selten kam es zu Stillstand oder langen Wartezeiten. Da Hadara teils „alle spielen gleichzeitig“ bis „immer schön der Reihe nach“ sich spielt, war mir die Spiel- und Wartezeit immer sehr angenehm. Vielleicht hatte ich auch Glück und habe nicht mit Vielgrüblern gespielt. Dennoch: Flink und angenehm. Auch hier: Lecker!

Was ich besonders schön an Hadara empfand, war diese ständige Ungewissheit, in wie weit sich die eigene Kultur entwickeln wird. Wird meine Kultur ein Hoch auf Militär setzen, oder wird mein Kulturbeitrag zur Weltentwicklung beitragen? Wann wird meine Kultur vor Wohlstand überquillen, oder werde ich ein verfressenes und wohlernährtes Völkchen haben? Die Karten sind ungewiss und auch die Sicherheit offen ausliegende Karten für sich zu gewinnen, ist nicht immer gegeben. Das macht Hadara spannend, und nicht zu zufällig. Irgendwie genau richtig. Ach, was habe ich mir in manch Runden gewünscht gerade jetzt und besonders jetzt Startspieler zu sein, grrr…

Fazit

Hadara ist ein sehr angenehmer Gast auf dem Tisch, der Geist, Auge, Finger und Bauch angenehm füttert. Ich hatte wirklich große Freude an dem Spiel und mag die sich entwickelnde eigene Spielauslage. Was ich etwas vermisst habe, wäre etwas mehr Interaktion mit den anderen Kulturen, denn obwohl Karten ausgesucht, ausgelegt, Kolonien geplündert bzw. Bündnisse geschlossen werden, so richtig in die Quere kommt man sich nicht. Eigentlich ist es egal, ob im fernen Osten die sowas machen, und der Norden das macht, und im Süden das abgeht. „Eingriff“ auf die anderen Kulturen unternimmt man nicht, und richtig „wegnehmen“ tun wir hier auch niemanden etwas. Na ja, hier und da, aber nicht zu schlimm. Dennoch empfand ich diese parallele Kulturentwicklung als nicht all zu störend, sondern in diesem Fall genau richtig.

Lecker

  • Wow, was eine Farbenpracht
  • Richtig tolles Material
  • Die eigene Kultur wird von Runde zu Runde üppiger
  • Spannend bis zum Schluss und sehr kurzweilig

Pfui

  • Dieses Rad ist doch total überflüssig und weckt falsche Erwartungen.
  • Irgendwie kommt man sich nicht richtig in die Quere

Fazit

Funfairist meint ganz kultiviert

Ein leckeres Superfrittchen für Hadara. Ich mag das Spiel, die Ausstattung, die Optik und die nicht langweilig werdenden Epochenwiederholungen. Auch wenn wir über 3 Epochen irgendwie das gleiche machen, fühlt es sich dennoch anders an, da die „Kosten“ immer höher werden und die Auslage so ungewiss ist. Für mich ein ganz tolles Spiel, was sehr gerne öfter mal auf den Tisch kommen kann. Wir danken ganz herzliche Hans im Glück, die uns das Spiel als Rezensionsexemplar gestellt haben. Darüber haben wir uns wirklich sehr gefreut.

Kaddy ist ein Stier

  "Najaaa... ich denke, Hadara kann man haben, muss man aber nicht. Wirklich ungehauen hat mich Hadara nicht. Es läuft zwar intuitiv, wenn man da einmal drin ist, aber wirklich spannend fand ich Hadara nicht. Ja, manchmal ist es kniffelig, zu entscheiden, was gerade die beste Möglichkeit ist, aber irgendwie ... hat mich das Spiel trotzdem nicht gepackt. Schade."
7

Superfritte

0:00
0:00