Clash of Rage

Brettspiele Frittenrezensionen
6

Gute Fritte

Arrogante Elfen

Bei manch Spielen ploppen einem die Augen aus dem Schädel, wenn man die Ausstattung und Gestaltung des Spiels auf dem Tisch sieht. Clash of Rage ist einer dieser Vertreter, die in Sachen opulentem Auftreten das Scheinwerferlicht auf sich zieht. Frédéric Guérard-Djib steckt hinter diesem fetten Spiel, das bei La Boîte de Jeu und hierzulande bei Grimspire erschienen ist. Arrogante Elfen ziehen durch die Länder und wir ziehen mit und kloppen immer nur drauf zu. Wer Lust auf ein Kampfspektakel mit Figuren, bunte Karten und Würfel mit Totenköpfen hat, kann hier sehr gerne weiterlesen.

OH MEIN GOTT!!!

Das war das erste, was ich gesagt habe, als ich die fette Packung von ihrem Zellophanmantel entpackt habe. Was ein Brecher. Clash of Rage passt nicht einfach so ins Regal, das muss irgendwo oben auf und schön drapiert werden. Denn ein Hingucker ist das Spiel in jedem Fall.

Nicht nur die Verpackung, auch der Inhalt ist an Opulenz und prachtvollem Prunkt kaum zu übertreffen. Was ein Kram! Was eine Opulenz! Was ein BÄM! Es braucht Neuwortschöpfungen, um die brachiale Stärke der Illustrationen und der Ausstattung gerecht zu werden. Clash of Rage ist wirklich etwas Besonderes.

Aber aussehen kann so manches Spiel immer gut. Wie schmeckt denn der ganze Prunk, wenn man die Figuren Figuren sein lassen lässt, und sich nicht von den Karten und Tokens blenden lässt.

Nun, Clash of Rage ist ein Hau-Drauf-Spiel, welches eher zum Feiern einlädt, als zum strategischen Spiel. Denn das haben wir hier wirklich nicht vor uns liegen.

Alle Vieldenker, die Bock auf Cortexknoten haben, bitte weitergehen: Hier gibt es nichts zu spielen!

Alle die, die Lust auf ein schnelles Würfelspiel mit ordentlich Haue stehen: Kommt gerne näher, ich zeige euch das Clash of Rage sehr gerne.

Viel TamTam und was dahinter?

Meine erste Partie nach Clash of Rage war wirklich sehr ernüchternd. Ich sagte: „Und das soll es jetzt sein?“ Ich war tatsächlich etwas enttäuscht. So viel TamTam und dann nichts dahinter? Was soll das denn? Wir werden wirklich nur Würfel, schauen, wer stärker ist, dezimieren Figur um Figur, kämpfen um Kristallstädte und Schmieden, sammeln ein paar Karten und dann war es das, wenn man 4 Siegpunkte hat. Uff! Das ist aber wenig!

Aber schon ab Partie zwei habe ich etwas an meiner Haltung geschraubt und meine Erwartungen runtergedrosselt. Vielleicht will Clash of Rage das auch gar nicht sein. Kein Taktik-Spiel, sondern simples: „Ich klopp Dir auf die Moppe Du Schwein!“

Mit dieser Einstellung wurde die Partie wesentlich geschmeidiger und angenehmer. Und so nahm der Hau-Drauf-Klopper seinen Weg ins gefallene Herz.

Kopfsprung ins Getümmel

Ich bin ehrlich: Noch immer bin ich nicht der große Fan von Clash of Rage. Das Spiel ist echt okay, und ja, es ist eher ein Party-Hau-Drauf-Spiel, als alles andere. Und wenn man mit dieser Einstellung an die Sache geht, wird die Partie auch vollends aufgehen. Ich meine, wer spielt schon King of Tokyo, wenn er oder sie Taktik und Strategie will? Niemand. Hier will man Haue verteilen. Und das tun wir in Clash of Rage auch. Würfeln – Haue verteilen – Gegner und Elfen verhauen und niederstrecken – Fertig!

Der Spielzug ist so simpel, wie er nur sein kann: Wir spielen eine Taktikkarte aus, stellen Figuren hin, bekommen Geld. Dann können wir entweder Waffen/Rüstungen kaufen, oder Bewegen und Haue verteilen. Das machen wir noch einmal und dann wird geschaut, ob die Siegbedingung erfüllt wurde. Wenn nicht – egal, dann machen wir weiter und von vorne geht es.

Was man beim Spiel auf jeden Fall haben sollte, ist ein fetter Tisch. Leute, mit einem kleinen Rolltischchen aus dem Wohnzimmer kommt ihr hier nicht weit. Die Platte des Vierbeiners sollte schon n bisschen fetter sein, wenn neben Chips und Schokolade, Cola-Glas und Bierhumpen noch die Auslage aufgebaut werden will. Besonders in einer 4er Runde ist der Tisch schnell voll und opulent kann man sich hier auf die Mütze zwiebeln.

Zwar kann man allen Mitspielenden sagen, wie unterschiedlich sich die Völker spielen, aber im Spiel selber macht das keinen Unterschied. Glaubt mir, ich habe alle Völker durch, und einen Unterschied habe ich nicht sonderlich gemerkt, wobei ich mit den Goldleif-Clan schon sehr gerne spiele. Aber ist auch egal, ob nun die Dampfdruck Barone, die Armee der Gruft oder der Bohorg Stamm dabei ist: Hauptsache auf die Stirn schlagen. Das ist das A und O.

Geschlagen wird mit Würfeln. Und wie es sich bei einem ordentlichen Gemetzelspiel verhält: Es wird solange geboxt, bis entweder nur ein Volk das Feld besetzt, oder bis der Feind winselnd das Weite sucht und jämmerlich abdackelt – nur um später mit voller Bemannung zurück rauscht, um fies in den Arsch zurücktritt. Glaubt mir, habe ich alles schon erlebt …

Wir würfeln also solange, bis nur noch Platz für eine*n ist. Wir vergleichen, was wir würfeln: Schaden vs. Panzerung – verteilen Schaden, nehmen Figuren vom Spielfeld und weiter geht es.

Das Ganze ist in einem Area Control Setting angesiedelt, und wer prunkvolle und legendäre Rüstungen trägt, und wer die Kristallstädte eingenommen hat, kann schon bald den Sekt knallen lassen und das Siegertreppchen besteigen. Denn dann ist Ende angesagt.

Noch einmal zurück zur Ausstattung

Ich möchte noch einmal zurück zur Ausstattung kommen. Mein lieber Scholli, was ist das echt ne Wucht in der Kiste. Fetter hätte La Boîte de Jeu nicht auffahren können. Hier stimmt alles in Sachen Ausstattung. Würfel, Hexfelder, Token, Figuren, Karten, oh mein Gott, die Karten – wie großartig!!! Kennt ihr noch die seltenen irisierenden Holokarten von den Panini-Knibbelbildern, die wir sicherlich alle gesammelt haben? So sehen die aus! Der Burner! Schimmereffekt und eine Illustration vom Allerfeinsten. Sehr sehr cool. Ich schaue mir manchmal einfach nur die Grafiken an und denke mir: Wie geil wäre das auch als Computerspiel zu haben. Hammer!

Aber wie schon gesagt: Ausstattung ist nicht alles. Es fühlt sich so an, als ob La Boîte de Jeu hier die Ausstattungsluftpumpe an die Kiste gesetzt hat, und noch mal 2 Atü extra in die Box gepumpt haben. Schön für alle Schickspieler, aber wie schon gesagt: Strategen werden hier nicht glücklich werden.

Fazit

Clash of Rage ist ein Party-Spiel. Hier hauen wir drauf und eine Partie kloppen wir in 20 Minuten weg, wenn man weiß, wie das Spiel geht (kommt ein bisschen auf die Anzahl der Spielenden an). Da dauert der Aufbau fast länger, als das Spiel.

Empfehlenswert ist es eher ne Kampagne zu spielen – alles dazu ist in der Kiste enthalten, und man kann auch am Ende gegen den Oberelf Vascolis spielen. So kann man auch über einen Spieleabend Clash of Rage schön strecken und ordentlich Haue verteilen.

Lecker

  • Richtig hübsches und aufgepumptes Party-Klopp-Spiel

Pfui

  • Viel Tamtam für etwas wenig dahinter

Fazit

Funfairist leckt sich die Wunden und schreibt

Clash of Rage ist okay. Es macht, was es machen soll: Es unterhält. Aber es ist auch etwas simpel, wenn nicht sogar schlicht. Tiefgehende Spielstrategie haben wir hier nicht. Hier spielen wir nur ne Karte, bewegen uns und hauen mit Würfeln auf uns ein. Manchmal ist eine Armee absolut overpowered und man weiß nicht, wie man diese zur Strecke bringen soll. Außer man verbündet sich und kloppt zusammen auf einander ein. Oder man verliert einfach die Runde und schiebt ne Weitere hinterher. Egal. Es unterhält, es sieht spitzenmäßig aus und alles weitere kann egal sein. Für mich eine gute Fritte. Herzlichen Dank an Grimspire, die uns das Spiel zur Verfügung gestellt haben.
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Gute Fritte

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