Tribes

Brettspiele Frittenrezensionen
6

Gute Fritte

Ugga-Agga-Aktionen

Die frühen Epochen der Menschheitsgeschichte. Und wir, wir dürfen sie durchspielen. Ist das nicht nett? Voll nett. Aber nett geht es nicht immer zu bei Tribes, dem Plättchenlege- und Entwicklungsspiel von Rustan Håkansson, denn bei diesem Spiel müssen manchen Aktionen und Ereignisse genutzt werden, die man so gar nicht will. Tribes ist ein sehr kurzweiliges und amüsantes Spiel aus dem Hause Kosmos, bei dem zum ersten Mal der Spielgeschichte Stachelaustern genutzt werden, um Aktionen zu überspringen.

Von der Altsteinzeit in die Bronzezeit

Soviel sei schon mal verraten, so richtig Entwicklung spüren wir nicht in Tribes, auch wenn das Spiel sich damit rühmt und schmückt. Bei einem Entwicklungsspiel denke ich immer, dass man Figuren oder Kartenauslagen ausbaut, dass sie sich verändern, dass man immer besser wird, dass man mehr zu sehen bekommt, dass man … In Tribes wächst zwar die eigene Plättchenauslage und so manch Stammesmitglied kommt auch hinzu, aber so richtig Entwicklung haben wir nicht. Es ist nicht spürbar, ob wir uns in der Altsteinzeit, in der Jungsteinzeit oder in der Bronzezeit befinden. Zwar kommen Ereignistafeln hinzu, aber die Aktionen bleiben die ganze Zeit gleich.

Dennoch haben wir ein Entwicklungsspiel vor uns liegen, bei dem alle ihre eigene Auslage bilden und versuchen Punkte zu machen. Ups? Habe ich Punkte gesagt? Moment mal! Bärenzähne, das wollte ich sagen, denn die Punkte sind in Tribes Hauer. Auch nicht schlecht. Bei einem Gleichstand können die Beteiligten die Keule rausholen und sich gegenseitig die Punkte aus der Kauleiste wämsen. Da verliert man doch gerne mal absichtlich, nicht wahr?

Spielverlauf

Tribes ist echt schnell erklärt und ziemlich klar. Ein hoch auf die tolle Regel, denn schon beim Lesen hatte ich einen sehr guten Einblick darauf, wie das Spiel funktioniert. Aber hat man Tribes auch nur einmal gespielt, weiß man Bescheid, wie der Hase läuft.

Ist man dran, nimmt man ein Aktionsplättchen, führt es aus, und legt es hinten in die Reihe. Nach und nach rutscht das Plättchen weiter nach vorne, und steht dann irgendwann wieder zur Verfügung. Durch unsere Entwicklung in der Zeit, kommen immer mehr von den Aktionstafeln (nun Ereignistafeln genannt) in die Auslage, und hier und da passiert etwas.

Die Landschaftsfelder werden nach und nach ausgebaut, und flink wächst die eigene Auslage an Ziegenherden, Pferdekoppeln, Weizenfeldern, Goldanreicherungen und Weihrauchduftgebieten. Alle bauen so vor sich hin, und dennoch kommen wir uns gut und gerne in die Quere. Vor allem durch die Aktionen, die man ausführen will. Schnappt ein Vorspielender mir die Erkundung weg, grummelt man ganz gerne in den Bart, denn das wollte man selber machen. Grrrr, dann her mit den kostbaren Muscheln und teuer bezahlen.

Einerseits macht dieser Mechanismus das Spiel aus, und ist wirklich schön, und andererseits habe ich es bei manch Partien erlebt (vor allem in 3er und 4er Besetzungen), dass Frust aufkam, da man immer an manchen Stellen beobachten musste, wie einem die lukrativen Aktionstafeln weggeschnappt wurden. Ach menno! Tja, dann ist das ebenso. Dann wird halt später entwickelt – so ist das eben.

In einer 2er-Bestzung kann das auch vorkommen, wenn die Aktionsplättchen „doof“ liegen, aber diese Erfahrung habe ich nicht so oft gemacht.

Tribes spielt sich flink und vieles versucht man zu planen, und so manches geht dann doch in die Hose. Erkundungen werden nicht rechtzeitig gefunden, der eigene Fortschrittsmarker geht nicht so schnell vorwärts, wie man es will, und auch so manch Errungenschaft ist so konträr auf dem Spielplan sichtbar, wie man es nicht schlimmer sich wünschen würde.

Aber das macht Tribes auch irgendwie interessant und abwechslungsreich. Ich zumindest hatte immer recht viel Spaß mit diesen Glückskomponenten.

Ein Spiel der Formen

Letztlich möchte ich noch etwas zu der Formenvielfalt von Tribes sagen: Kosmos spielt ja ganz gerne mal mit Material und Vielfalt an Form, was man zum Beispiel auch bei Roll for Adventure sehen kann. Auch Tribes sticht in die selbe Stelle. Wir haben abgerundete und flache Plättchen, Zahnausstanzungen, eine Sperrspitze, 6-Ecke, Meeple mit Keulen und und und. Formenstark und in gedeckten Farben zeigt sich Tribes und sieht damit echt anders aus. Keine Karten, keine Würfel, sondern alles irgendwie anders. Ich mag das und finde Tribes abfassstark und abwechslungsreich. Toll.

Lecker

  • Spielt sich schön flüssig
  • Tolles Spielmaterial
  • Allein für sich spielen, und doch mit anderen zusammen

Pfui

  • Ärgerlich, wenn einem die Aktionen weggeschnappt werden
  • Nicht wirklich eine Entwicklung

Fazit

Funfairist entwickelt heraus

Ich möchte Tribes eine echt gute Fritte geben. Spaß macht es in jedem Fall, und auch in meinen Runden kam es hauptsächlich gut an. Ein schönes Spiel, was man gerne ein, zwei ja auch dreimal spielen möchte. Ob ich allerdings immer und immer wieder Tribes aus dem Schrank ziehen möchte, mag ich bezweifeln. Dennoch: ich mag es sehr und spiele es auch gerne. Danke an den Kosmos Verlag, die uns das Spiel für eine Rezension zur verfügung gestellt haben.
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