Die Klinik

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Hier wird Dir geholfen – gegen Geld versteht sich!

Ein Husten hier, ein gebrochenes Bein da und warum kommt jemand mit übelsten Verbrennungen via Hubschrauber zu uns??? Der Grund ist egal, hauptsache dem Menschen wird geholfen. Und damit herzlich Willkommen in der Klinik, dem Ort, in dem es nur um Wohlwollen, Zugewandtheit und die Gesundheit geht. Genau! Eben nicht! Denn die Klinik von Alban Viard (bei Giant Roc erschienen) ist ein knallhartes Wirtschaftsspiel, bei dem Klinikausbau, Personalmanagement und vor allem Geld an vorderster Stelle stehen. Kommt mit und zückt eure Krankenkassenkarte, oder auch das Portemonnaie, hab ich nix gegen als Krankenhausbetreiber.

Komplexe Systeme

Krankenhäuser sind komplex. Nicht nur in der Behandlung und in dem „inneren Vorgehen“, besonders strukturell wird hier einiges abverlangt. Und das bekommen wir bei Die Klinik zu spüren. Hier geht es nicht darum Schniefnasen Injektionsnadeln in die Venen zu wummen, nein, wir wollen das der Betrieb läuft. Das Augenmerk bei Die Klinik ist nicht auf die Software im engeren Sinne gerichtet, wir haben es mit der Hardware zu tun: Simmen die Stationen, was machen die Eingänge, warum ist der Aufzug kaputt, was verdient die Stationsärztin und warum brauchen wir Pfleger*innen? Dazu kommen Parkplatzprobleme, Helikopterlandeplätze und die eine oder andere Hilfskraft, die auch noch Lohn haben wollen.

Die Klinik ist ein Spiel für Wirtschaftsspielende, die eher Lust haben ein Unternehmen zu führen, als sich dem Heilen und Kümmern zu widmen. Ganz ehrlich: Die Gesundheit der Patient*innen sind uns hier fast beinah egal, zumindest, was sie haben. Hauptsache die Geldbörse springt später auf, und wir können die Geldspritze ansetzen.

Hinter die Fenster geblickt

Wer die Deluxe-Ausgabe von Die Klinik sich besorgt, erhält eine fette Schachtel, in der einiges in Tüten zu packen ist. Über 300 Holzmarker könnt ihr hier sortieren, die in viele kleine Zip-Tüten popeln. Dazu kommen noch Plättchen, Spielbretter und einiges mehr. Ausstattung ist schon mal vorhanden, auch wenn ich sagen muss, dass mir die vielen kleinen und ippsigen Figürchen fast zu frickelig sind. Aber schön sehe sie aus – läuft.

Mit all dem Material bauen wir eine Auslage, bei der der Spieltisch nicht all zu klein sein sollte. Sobald das Spielbrett aufgebaut, die eigenen Spielertableaus ausgeteilt und die Vorräte sortiert sind, ist der Tisch voll.

Der Spielplan zeigt sich hierbei nicht als Hauptspielplan, denn an sich ist das große Brett eine immens große Übersicht einer Spielrunde. Über 3 Phasen spielen wir uns Runde für Runde (6 Runden werden gespielt) weiter und versuchen viel Geld zu machen, äh ich meine, wir versuchen sehr beliebt zu sein, denn das Krankenhaus mit der meisten Beliebtheit ist die attraktivste Kiste in Town.

Bis dahin ist es ein langer weg, und oft müssen wir die Erfahrung machen, dass das Führen einer Klinik nicht immer Erdbeereis mit Schlagsahne ist. Da wollen Ärzt*innen auch noch gefördert werden, da verlangt Personal Lohn, und verwöhnte Patient*innen wollen auch noch n Blick auf den Park – unglaublich!

Aber genau darum geht es: Ein Unternehmen im Kittel hochzuziehen.

Die Klinik zeigt sich als anspruchsvolles und vielschichtiges Managementsystem. Eine Krankenhausseele hat das Spiel nicht, wohl aber ein ausgetüfteltes Wirtschaftssystem. Jede Runde lassen wir unser Unternehmen wachsen, schaffen Stationen und Krankenhausbereiche, stellen Menschen ein und versorgen Patient*innen.

Ich werde hier nicht auf die Spielzüge eingehen, und niederschreiben, wie sich das Spiel spielt, das lest gerne selbst oder schaut euch ein Video im Netz an. Vielmehr erzähle ich euch etwas zum erlebten Spielspaß und wie das Spiel bei uns angekommen ist.

Spielspaß

Wer Spaß und Freude hat ein Unternehmen aufzubauen, und gerne auch vom Kopf her etwas mehr gefordert werden will, kann sehr gerne zur Klinik greifen. Das Spiel ist ein komplexes Strategiespiel, was nur wenig Fehler verzeiht.

Es spielt sich sehr eingängig, denn hat man einmal den Ablauf einer Runde verstanden, so spielt sich das Spiel sehr gut. Ich empfehle an dieser Stelle nach einer oder zwei Runden das Spiel mal abzubrechen, um noch einmal von vorne zu beginnen, denn Fehler, die man am Anfang macht, verzeiht das Spiel nicht. Der Bau der Stationen sollte gut gewählt werden, auch wen man einstellt, und die Transportknoten sind ein wichtiger Bestandteil des Spiels, denn im Mittelpunkt des Spiels steht die Zeit. Die Zeit, die wir brauchen um uns zu bewegen, Zeit, die wir zum verarzten benötigen, und so weiter. Zeit ist Geld – und das spüren wir im Spiel. Darum empfehle ich sich ruhig die Zeit zu nehmen, und gerne nach ein oder zwei Runden noch mal zu beginnen, bevor man über 6 Runden nur Murks macht.

Die Klinik ist auch kein Spiel, was mal eben so runtergespielt wird. Eins bis vier Menschen können sich hier Zeit lassen, ihr Krankenhausunternehmen wachsen zu lassen. Ich erinnere mich noch, dass meine erste Partie zu Zweit gute 3 Stunden gedauert hat. Mit erfahrenen Spieler*innen kommt ihr da auch etwas schneller bei weg, jedoch ist Die Klink zeitintensiv.

Was mich bei dem Spiel besonders erfreut hat, ist die Nähe und der Stress zum Thema. Zwar laufen wir nicht mit Spritze und Lappen durch die Gänge, aber haben wir ein komplexes Geflecht aus Personalmanagement, Klinikausbau, Zeitplanung, etc. vor uns. Das hat mir sehr gut gefallen, da Krankenhausspiele hier nicht als stressiger Vergleich zum FastFood-Restaurant gemacht wird, sondern aus Unternehmersicht unters Mikroskop genommen wird. Ich mag so etwas und finde die Spielperspektive wunderbar.

Was mir nicht so gefällt ist nach einigen Partien die Eintönigkeit. Vielleicht fehlt mir auch etwas der Zufall, oder vielleicht auch teilweise die „Nähe zu den Protagonist*innen“ des Spiels. Wie schon eingangs erwähnt: Wer steht nicht im Vordergrund, das was und das wie ist hier zentral. Nach so manch Partien von Die Klinik hatte ich das Gefühl, einem sehr starren und strikten „Abarbeiten“ nachzukommen. Meinem Wunsch nach „hübsch machen, sich erfreuen am Wachsen und Gedeihen der eigenen Klinik“, nun, das kommt eher gar nicht rüber.

In manch Spielen hatte ich den Wunsch, dass das Spiel nach 4 Runden vorbei wäre. 6 Runden fand ich dann schon zu lang. Weil immer das Gleiche passiert und manch Unachtsamkeit einem später zum Verhängnis wird. Wer anfangs enorm mit der Zeit schlampt, kommt aus dem Schlamassel nicht mehr raus. Die Klinik verzeiht keine Schönheitsfehler.

Und dennoch habe ich Gefallen am Spiel gefunden, und wenn ich in der „richtigen“ Stimmung bin, spiele ich es recht gerne. Also, wenn ihr euch Zeit für ein komplexes Wirtschaftsspiel nehmen wollt, bei dem Emotionen, Fantasy, Geschichte und Flair eher eine untergeordnete Rolle spielen, so ist Die Klinik ein sehr guter Kandidat für euch.

Lecker

  • Komplex, tolles Material, unverzeihlich und Krankenhaus im anderen Fokus.

Pfui

  • Es entsteht wenig Gefühl im Spiel, ein kaltes Spiel.

Fazit

Funfairist entlässt die Chefärztin und schreibt

Eine echt gute Fritte für Die Klinik. Tolle Ausstattung (wobei mir manch Figur echt zu pisselig sein), tolles Thema und sehr komplexe Strukturen – gefällt mir. Aber auch nur, wenn ich in der Laune bin. Das Spiel schafft es nicht Begeisterung zu erschaffen, aber es hält anfängliche Begeisterung langanhaltend bei der Stange, wenn man genau so etwas will, was Die Klinik bietet. Herzlichen Dank an Giant Roc, die uns ein Spiel für diese Rezension gestellt haben.
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