Palm Island

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Turbofritte

Aus dem Ärmel geschüttelt

Sich mit einer Hand einen von der Palme wedeln. Nein, wer jetzt an das denkt, was in einer Rezension zu einem Kartenspiel eigentlich nichts zu suchen hat, liest gerne woanders weiter, oder bleibt am besten hier, denn es lohnt sich in jedem Fall bei Palm Island von Jon Mietling bei der Stange zu bleiben. Hö hö, Stange. Kosmos hat ein ein bis zwei Personenspiel herausgebracht, was man locker flockig in einer Hand runterspielen kann. Und ich kann nur sagen: Lohnt sich. Eine Insel in einer Handfläche, Kurzurlaub mit ordentlich Ackerei.

Analoges Dahinterschieben

Seit der Erfindung des Mobiltelefons, und besonders seit dem Smartphone, wird der „Knochen in der Hand“ und die Haltung des kleinen technischen Geräts immer bedeutungsvoller. Ja es verändert sogar unsere Nutzung von Fingern und Handinnenflächen. Daumen, Handinnenseite, Fingerfertigkeiten … besonders das Smartphone nimmt Einfluss auf unsere Fingermuskulatur und prägt Haltung und das Handling von Gegenständen in der Hand. Ward zu Anfangszeiten das Gerät eher am Ohr zu finden, um zu telefonieren, verlagert sich das Smartphone als Minibildschirm in Ein/Zweihände vor dem Gesicht. Nackenhaltung und Kopfausrichtung spielen genauso in die Verhaltens- und Körperbeeinflussung mit ein, wie die geistige und seelische Ganzkörperwahrnehmung.

So hat sich Jon Mietling die Handhabung von Smartphone zu Nutze gemacht und ein Kartenspiel erschaffen, was man überall spielen kann, denn der Spieltisch verlagert sich in die eigene Handinnenfläche.

Das Setting ist eine Insel, auf der wir fischen, Holz hacken, Hütten bauen und so manchen Tempel erreichten. Eine Insel zum Mitnehmen, ein Island to go. Passender kann man einen Titel nicht wählen, als hier: Palm Island, wobei Palm nicht nur die Insel umfasst, sondern auch die Handinnenfläche widergibt.

Wobei Palm Island ein ein bis zwei Personenspiel ist, macht das Ding im Solitärmodus echt am meisten Spaß. Zwar bringen die Katastrophenkarten im Koop-Modus noch mal etwas Schwung in die Kiste, aber für mich ist das Spiel solitär eher interessant, als in einer Zweierbesetzung.

Kein Sand in der Hand

Kurz zusammengefasst: Ihr spielt den Kartenstapel 8 Runden lang durch. Es werden Karten entweder zur Seite gedreht, um anzuzeigen, welche Ressourcen man zur Verfügung hat, oder man „baut/entwickelt“ Gegenstände/Fähigkeiten, die im Laufe des Spiels Punkte bringen oder die Auslage verbessern. Intelligent gemacht zeigt sich eine einzelne Karte in 4facher Weise: Seite eins mit oben und unten, und Seite zwei mit oben und unten.

In der Hand ist einiges los, denn Karten werden geblättert, gedreht, gestapelt und sortiert. Hat Mensch einmal raus, wie die Karten am besten zu halten sind, klappt die Inselhand sehr gut. All zu verkrampft sollte man nicht ans Kartenhalten gehen, dann wird ne Partie anstrengend in der Handhabung. Und sollte das Patschehändchen etwas kleiner sein, kann es auch etwas anstrengend sein. Menschen mit großen Händen sind hier sehr im Vorteil. Dennoch habe ich bisher noch niemanden gesehen, bei dem es nicht klappt.

Sollte man Palm Island durchgezockt haben, und ist man mit der Punktewertung auch zufrieden, macht Mensch sich an die Errungenschaften heran, die die besondere Würze ins Spiel bringen. Und so spielt Mensch Runde für Runde und ist erstaunt, wie viel Freude im kleinen Handspiel steckt.

Handspiel ohne Pfeifen

Ich bin begeistert. Schon von Partie eins habe ich gemerkt, hier habe ich was ganz großes und praktisch Kleines in der Hand. Ein Spiel, was mich seit Runde eins nun dauerhaft auf meinen Zugfahrten begleitet und begeistert. Ich bin eh nicht der Stöpselohrenmusikmensch in der Bahn, aber gerne nutze ich das Handy (neben einem Comic oder Buch) als Fahrtenbegleitung durch das wunderbare NRW, in dem ich lebe. Und so langsam wird mein Palm Island labberig und abgenutzt, denn die Runden kann ich schon fast nicht mehr zählen. Alle Errungenschaften sind erspielt, die Katastrophenkarten sind auch schon durch, und dann wird wieder die Kartenhand von neuem gemischt und los geht die Fuchsjagd von vorn. Palm Island bin ich noch nicht leid und spiele es sehr sehr gerne. Aber ich habe auch die Vermutung, irgendwann ist die Hand ausgespielt. Ich merkte das schon nach den Errungenschaften. Etwas flau war der Wind, als ich das erste dicke Päckchen „geschafft“ habe. Darum wird Palm Island kein Spiel für die Ewigkeit sein. Wohl aber ein Vorreiter für eine ganz andere und mögliche Art von Spiel, die auszubauen gilt. Denn mein Interesse ist sehr geweckt, und ich kann es nicht erwarten, noch mehr aus der Hand zu spielen.

Mir gefällt an Palm Island nicht nur die Handhabung, der Mechanismus, die örtliche Unbefangenheit, sondern auch das Thema und die Neusortierung eines gemischten Kartensets. Wie schaffe ich es, meine Kartenhand minimal aber effektiv so zu strukturieren, dass sich Ausbauten lohnen und effizient mit Rohstoffen umgegangen werden kann? Toll. Das macht echt Spaß.

Auch gefallen haben mir die Errungenschaften, die die Runden immer mit einem besonderen Fokus geführt haben. Aufträge, Herausforderungen und zudem Boni, die man nach bestanden haben nutzen kann. Toll.

Letztlich noch einmal ein Lob zum Handling der Karten. Es klappt wirklich erstaunlich super die Karten in der Hand zu strukturieren und zu spielen. Interessierte schauen gerne mal rüber und liebäugeln mit dem Geschehen. Kam ich sogar mit Menschen schon ins Gespräch, die interessiert wissen wollten, was ich da mache. Analoges Spiel im Handyhandling. Mag ich.

Wunschkonzert

Liebes Kosmos-Team und alle weiteren, die dieses Wunschkonzert hier hören können. Bitte baut die Palm-Spiele aus und bringt weiteren Stuff heraus. Ich bin angefixt und würde noch mehr in eigener Hand erleben. So könnte ich mir Lovekraftsettings vorstellen, bei dem es um die geistige Gesinnung geht. Auch Grusel und Horror wäre ein tolles Thema. Aber auch Landschaftsbau bis hin zu „Aufstieg am Königshaus“ – ja, der Themen gibt es eine Menge. Und wie wunderbar und fantastisch wäre die eigene Weltraumschlacht oder Erkundung des Meeresbodens in der eigenen Hand. Wahnsinn.

Lecker

  • Wow, viel Spiel in einer Hand
  • Jede Partie ist irgendwie anders
  • Die Herausforderungen/Errungenschaften sind echt klasse
  • Spielen immer und überall

Pfui

  • Mist, nächste Haltestelle muss ich raus, und ich habe 4 Karten "gespeichert"

Fazit

Funfairist wedelt mit einer Hand die Palme und spritzt heraus

Ich bin begeistert. Für mich ganz klar ne turbohafte Superfritte. Ich bin begeistert und spiele Palm Island sehr gerne solitär, unterwegs und immer und immer wieder. Ein Süchtigmacher, der mich gefesselt hat. Tolles Spiel, tolles Thema, tolle Handhabe. Ich bin begeistert und will gerne mehr. Herzlichen Dank an den Kosmos Verlag, die uns ein Spiel für diese Rezension zur Verfügung gestellt haben.
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Turbofritte

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