Rune Stones

Brettspiele Frittenrezensionen
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Voll Turbofritte

Möge die Macht mit Dir sein

Wer meint, so ein Druide tummelt sich nur im Grünschnitt herum, um mit kleiner Sichel die Löwenzahnblätter zu zuppeln, der*die irrt, denn in Rune Stones von Rüdiger Dorn, welches bei Queen Games erschienen ist, wird gezeigt, dass Druiden auch ganz anders können, ja ganz anders. Wir haben Rune Stones auf den Tischen gehabt und oft gespielt. Hier unsere Meinung zum Spiel.

Vom Blätterdruiden zum Thronbesetzer

In einer phantastischen Welt voller Kreaturen, Edelsteine, Artefakte, Zwergen und Drachen gehören sie mit zu den magischsten Wesen – die Druiden. Sie sind es, die die Runensteine herstellen und ihre Macht verwalten können. So sieht es das Volk sehr gerne, dass eher ein Druide auf dem Thron sitzt, als ein Drache oder die Banshee – bis auf die Drachen und die Banshees selbstverständlich.

Wir schlüpfen in Rune Stones in die Gestalt von Druiden und versuchen unsere Macht zu pimpen, damit wir dem Thron und der Herrschaft gerecht sind. Aber ganz so einfach ist das nicht, denn mit einem Kräutersichelfingerschnipp ist man nicht so einfach auf dem Sessel der Macht. Nein, da braucht es schon etwas mehr Fingerspitzengefühl, Macht und Einfluss zu.

In Rune Stones erleben wir, wenn man sich auf das Spiel mit seiner Geschichte und dem Verlauf einlässt (keine Sorge, das geht ziemlich schnell und passiert unweigerlich sofort), welchen Weg wir gehen müssen, um unsere Macht auszubauen und immer mehr Einfluss auf das Geschehen in dieser Welt nehmen können.

In Rune Stones wächst unsere Macht mit den geschmiedeten Runensteinen. Diese bringen uns immer näher an die Thron-Kante und macht aus uns Herrschende des Landes. Aber der Weg ist recht lang und aufwendig, und da wir uns im Wettkampf mit den anderen Mitspielenden befinden, haben wir es in Rune Stones mit einem Wettrennen zu tun – einem Wettrennen in mehrfacher Sicht.

Aber zuerst der lange Weg der Macht: Anfangs sind wir noch kleine, recht unmagische Distelschnibbler. Wir kommen gerade (so fühlt es sich an) von der Druiden-VHS des Zauberwalds und sind mit der gleichen Magie untereinander gesegnet. Damit unsere Magie und unser Einfluss wächst, beschwören wir im Wald Kreaturen. Unsere Magiepunkte helfen beim Ausbau unserer Macht, denn jede Kreatur verleiht uns zusätzliche Magie.

Aber diese angeworbenen Kreaturen sind nicht nur Magiespritzen für uns, nein, sie verfügen auch über spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten. Mit diesen Fähigkeiten können wir zum Beispiel auch Edelsteine finden und in unseren Besitz bringen, was sehr gut ist, denn unsere Freunde die Zwerge in den Zwergenschmieden sind ganz heiß auf die Edelsteine. Mit ihnen zimmern und kloppen die kleinen Bartzöpfe funkelnde Artefakte für uns zusammen – eine win-win-Situation. Wir geben denen die Edelsteine, und wir bekommen dafür klasse Artefakte. Ist doch super. Mit diesen Artefakten können wir dann endlich die Steine beschwören, die uns noch mehr Macht und Einfluss bescheren – die Runensteine. Mehr noch, die Runensteine besitzen Spezialfähigkeiten, die uns über das Spiel hinaus zur Verfügung stehen und nur uns Vorteile bringen. Und so fängt der Kreislauf wieder von vorne an: Kreaturen beschwören, Kreaturenfähigkeiten nutzen, Edelsteine schmieden lassen, Runensteine erschaffen. Mehr mehr mehr, Macht Macht Macht!

Deckbuilding-Kartennutzen-Ressourcen-Wettrennen

Rune Stones vereint viele Spielegenres in einem Spiel. Karten werden im Spiel gesammelt und pimpen das eigene Deck. Immer wenn wir Karten zum Kaufen nutzen, oder nur teilweise durch Fähigkeitennutzung wieder zurückbekommen, landen sie auf unserem eigenen Kartenstapel und bilden nach Neumischen unseren Talon. Deckbuilding liegt vor.

Darüber hinaus ist Rune Stones ein Spiel um Ressourcen. Wir handeln mit Edelsteinen, Erze liegen aus, es gibt bestimmte Karten im Wald, und wir wollen Artefakte haben und nutzen. Diese müssen eingetauscht und erst einmal geschaffen werden.

Weiter erlebt Rune Stones engeneering-Mechanismen. Wir werden von Runde zu Runde besser. Haben wir erst einmal einen Runenstein erschaffen, haben wir Vorteile und können sie fortan immer nutzen. Unsere Spielweise wird von Mal zu Mal immer besser, effektiver und strategischer.

Und letztlich haben wir es mit Rune Stones mit einem Wettrennen zu tun. Wettrennen in mehrfacher Weise. So laufen wir parallel auf der Machtleiste vorwärts, um als erstes den Thron zu erreichen und weit vorne zu liegen. Auch wetteifern wir um der Artefakte, die bei den Zwergen geschmiedet werden. Auch sind die Runensteine in der Mitte begrenzt, und damit bestimmte Fähigkeiten, die sie besitzen.

Und obwohl man meinen könnte, uns würde die Druidenzunge aus dem Schlunde wedeln, vor lauter Hetzerei, so spielt sich Rune Stones ziemlich flüssig und im Einklang. Downtimes kommen so gut wie gar nicht auf, und im Spiel zu Zweit spielt sich das Spiel ziemlich fix runter.

Runengeschmack

Ich habe Rune Stones jetzt wirklich oft und in sehr vielen Konstellationen gespielt, und ich muss sagen: Wow! Für mich ist Rune Stones ein fantastisches Spiel, was mich in mehrfacher Weise abholt.

Spielmechanisch finde ich es sehr interessant. Dass viele unterschiedliche Genres mit einander verbunden wurden, spielt sich sehr gut. Deckbuilding, Wettrennen und dergleichen passen sehr gut zusammen. Ich mag es, dass man bei Rune Stones vieles im Auge haben muss: Welche Kreaturen liegen aus? Welche Fähigkeit bringt mir bei welchen Runensteinen Vorteil? Welche Runensteine lassen sich kombinieren? Wann ist es ratsam welche Zwerge aufzusuchen und wann nutze ich welche Fähigkeit genau, um nicht die guten und wertvollen Drachen zu verlieren??? Fragen über Fragen und viele Überlegungen stellt man sich bei Rune Stones. Was sich aber wie ein Langzeitgrübeln evtl. liest, entpuppt sich als schnell gespieltes Spiel. Ist Partie eins evtl. noch etwas träge, so ist mindestens ab Partie zwei der Flow drin. Und auch in einer 4er-Besetzung spielt es sich ziemlich flott.

Bleibe ich mal bei der Spielendenanzahl: Rune Stones funktioniert zu Zweit, Dritt und Viert gleich gut. Sehr schön. Zwar kann man in einer kleineren Besetzung noch gut abschätzen, was „da sein wird“, wenn ich wieder am Zug bin, aber auch in einer vollen Besetzung ist das nicht sonderlich schlimm zu sehen, dass manches „verschwindet“, bis man wieder am Zug ist. Vielleicht ärgert man sich sehr, da man gerade just in seinem Spielzug vorhatte die Zwerge zu besuchen, um dieses und jenes Artefakt zu schmieden, und ZACK!, klaut einem der Vorspieler die Artefakte weg. Wobei man dies immer berechnen kann, denn bei Rune Stones sind alle Ressourcen, bis auf die Karten, offen und klar erkennbar für alle. Aber die Auslage der Kreaturen wechselt sich schnell und ungewiss. So kann man wirklich erst dann seine Entscheidung fallen, wenn man wieder selbst am Zug ist.

Grafik: Rune Stones ist nicht nur ein phantastisches Spiel, sondern ein wunderschönes zugleich. Ich mag die Zeichnung und Gestaltung sehr, und applaudiere Dennis Lohausen. Ein wunderschönes Spiel, in das ich eintauchen und versinken kann. Wenn ich gefragt werden würde, in welchem Spiel ich 24 Stunden einmal verweilen möchte, dann ist es Rune Stones. Auch das Spielmaterial ist erste Sahne. Zwar fällt mein Thron hier und da etwas auseinander, aber schlimm ist das nicht. Die Haptik ist erste klasse und ich schätze es sehr, dass die Fähigkeiten der Kreaturen an beiden Seiten der Karten zu erkennen ist.

Einziger Kritikpunkt ist das Inlay (ein Sortierkreuz), welches ich nicht ganz verstehe. Ein fettes Kreuz ist in der Spieleschachtel zu finden, was die Anordnung (evtl. mit möglichen Erweiterungen und Queenies) etwas unaufgeräumt macht. Wirft man einfach so das Spielmaterial in die Schachtel und nutzt keine Zip-Tüten, hilft dieses Kreuz gar nicht, denn unter dem Kreuz flutschen die Materialien hin und her. Also, von mir aus könnte das einfach weggelassen werden.

Fazit

Rundum ist Rune Stones für mich ein fantastisches Spiel und ein wahres Spielejuwel im Jahrgang 2019. Ich bin begeistert und könnte es immer und immer wieder spielen. Sehr gerne sogar.

Rune Stones Nocturnal Creatures (1. Erweiterung)

Das Spiel Rune Stones kommt gleich mit einer Erweiterung daher, die sich sehr gut ins Spiel einflechtet. Mit dieser Erweiterung schleichen sich die Kreaturen der Nacht ins Spiel, was das Spiel sehr gut gebrauchen kann. Denn mit den Banshee-Karten können wir nun endlich das machen, was bei Rune Stones fast gar nicht zu tragen kam: Einfluss auf unsere Spielenden nehmen. Im Grundspiel haben wir es mit einem Wettrennen auf mehreren Eben zu tun, aber so richtig in Quere kommen wir uns nicht. Wegnehmen, Kampf, Angriff gibt es nicht. Mit den Banshee-Karten haben wir nun ein leichtes Kampfelement im Spiel, was ich sehr gut finde. Die Banshee-Karten bringen uns dazu Edelsteine zu stehlen. Auch können wir Karten tauschen, wir können abgeworfene Karten wieder zurück holen und wir können auch die Irrlichter beschwören.

In der Erweiterung gibt es einen Satz Karten von 16er Stärke, ein Nachttableau, auf dem die Irrlichter gelegt werden (18 an der Zahl), und es gibt noch Nachtplättchen, die auf der Machtpunktleiste ausgelegt werden, um anzuzeigen, wann Irrlichter aktiviert werden.

Von mir aus könnte es noch mehr Angriff im Spiel geben, aber vielleicht hat Queen Games da noch später mehr im Petto.

Die Erweiterung Nocturnal Creatures macht Rune Stones nicht zu einem anderen Spiel, aber reiht sich wunderbar flüssig ins Spiel ein. Ich spiele fast nur noch mit der Erweiterung, da sie von mir aus gesehen von Anfang an gut hätte hineingepasst. Ich finde die Irrlichter sehr gut und lassen noch mal etwas Fahrt aufbringen. Manchmal lohnt es sich so zu spielen, dass man in einem Zug über zwei Nachtplättchen ziehen kann, um zwei Irrlichter zu aktivieren, da sie just dann bestimmte Vorteile bieten. Die Verteilung der Nachtplättchen ist in jedem Spiel anders, was Variation hineinbringt. Mag ich auch!

Und letztlich sind die Banshee-Karten wunderbar. Von mir aus hätten noch mehr drin sein können, um noch mehr entscheiden zu müssen, was man wann und wie spielt. Mit ihnen spiele ich mein Deck anders und versuche dieses Deck in bestimmter Art und Weise zu bauen. Zusammen mit den Runensteinen kommt damit noch etwas mehr Taktik ins Spiel.

Ein paar Zahlennummern der Kreaturenkarten wären noch zu vergeben. Ich schätze, da wird Queen Games noch einiges nachliefern. Von mir aus sehr gerne, denn die Welt von Rune Stones ist sicherlich noch voller weiterer Geheimnisse.

Lecker

  • Man muss einiges im Blick haben
  • Die Diegese ist toll und man kann in das Spiel hineintauchen
  • Die Runden sind immer irgendwie anders und doch gleich
  • Die Erweiterung fügt sich sehr gut ein
  • Neulinge sagen gleich: Noch ne Runde

Pfui

  • Das Inlay wäre überarbeitungswürdig

Fazit

Funfairist macht auf Druide und sagt

Ich vergebe eine Voll Turbofritte. Für mich ist Rune Stones mit einer meiner Spiele des Jahres 2019 bisher. Das Spiel hat mich thematisch und auch spielerisch total abgeholt. Was mich sehr beeinflusst ist auch die Spielresonanz in meinen Spielkreisen. Fast ausschließlich war die Stimmung nach der ersten Partie meiner Mitspielenden: Cool! Noch ne Runde. Wie geil ist das denn? Etc. Und das spricht für das Spiel. Ich mag es sehr und hebe meinen Daumen hoch! Super! Herzlichen Dank an Queen Games, die mir dieses großartige Spiel für eine Rezension gestellt haben, ich bin sehr begeistert.
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Voll Turbofritte

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