Rolling Dice

Brettspiele Frittenrezensionen
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Kalte Fritte

Schicke Würfel in XXL Verpackung

Ich habe mir mal das Spiel Rolling Dice von Abacus Spiele angeschaut. Noch immer tut mir die Stirn weh vom vielen Abklatschen. Nein, das kam nicht von den Mitspielenden, sondern von mir, denn lange hatte ich keinen so häufigen Kontakt zwischen Handinnenfläche und Stirn, wie bei diesem Spiel. Das PAKK Team Peter Wichmann, Albrecht Werstein, Karl-Heinz Schmiel und Klaus Zoch hat Rolling Dice herausgebracht, und ich frage mich: Warum?

Wohin mit der Schachtel?

Ich stelle mir das so vor: Das PAKK Team sitzt nach einem Fressgelage an Familienpizzen zusammen, und denkt danach: Was machen wir mit den fetten Pizza-Kartons?

„Wie wäre es mit einem Spiel? Ein paar Würfel rein, und fertig ist die Verstopfung für den Kallax-Regal-Liebhaber.

Genauso muss es abgelaufen sein, und nicht anders, denn ich frage mich ernsthaft: Liebes Abacus-Team: Ihr bekommt doch haufenweise Spielideen eingesendet, nicht wahr? Oder ihr schickt die Redaktion los, um nach coolen Spieleideen Ausschau zu halten, so dass verspielter Mensch da draußen was Geiles auf den Tisch bekommt. Was bringt euch dazu von der Vielzahl an Spielemöglichkeiten ausgerechnet das zu veröffentlichen?

Verstehen muss ich es nicht, sondern hinnehmen, denn Rolling Dice liegt nun im Geschäft und kann gekauft werden.

Und was erhalten wir?

Eine überdimensionale Pappschachtel, die uns ne Scholle suggerieren will, und eine Hand voll Würfel. Okay, Regeln, n Ring und Holzrobben sind auch drin, aber das war es. Geschwind ist der Würfelwerf und Wegstoßwürfel“spaß“ aufgebaut, und in meiner Erfahrung noch schneller wieder weggepackt.

Ich kitsch´ Dich!

Okay, Rolling Dice wird seine Abnehmer finden, kein Ding, und sicherlich werden auch manch ihre Freude haben. Aber ich gehöre wirklich nicht dazu. Nicht, dass ich Geschicklichkeitsspiele nicht mag, auch gegen Würfel-Schnipp-Kicken habe ich nichts, aber Rolling Dice ist für mich ein kaltes festgefrorenes Staubansammelspiel. Aber meine Meinung stelle ich erst mal hinten an.

Sicherlich werden manch Menschen coole Freude haben, die Würfel von anderen Mitspielenden wegzukitschen und ihre Würfel auf der Scholle bestmöglich zu platzieren. Denn genau das machen wir: Wir rollen Würfel in eine fette Pappkiste, und schauen, was auf der Eisscholle bleibt. Weiter weg, oder hohe Punkte: So sammelt man Punkte, und die Robbe hüpft von Punkt zu Punkt weiter. Wer als erstes die Siegpunktzahl erreicht hat, jubelt und passt dabei auf, nicht auf die Schachtel zu treten.

Wir machen nichts anderes als unsere Würfel in die Hand zu nehmen, auszuholen, und in die Würfelarena zu kitschen. Das kennen wir schon von vielen anderen Spielen, und ich verstehe den Reiz des Würfeltreffens, denn gerne will man die anderen wegschubsen.

Doch Vorsicht sollte geboten sein, denn aus der Arena selbst will man nicht fliegen, und geschweige von der Scholle rutschen.

Dazu kommen viele Glücksfaktoren dazu: Auf welche Seite rollt mein Würfel? Was passiert, wenn ich mit ordentlich Schmackes werfe? Wie übertreffe ich den Wertungswürfel?

Die auf der Spieleschachtel aufgedruckte „Taktik“ hat sich mir und meinen Mitspielenden jedenfalls nicht gezeigt.

Aber muss ja auch nicht. Spaß kann man auch ohne Taktik haben.

Aber auch hier gefror mir der Spaß inne Backen. Manch andere Spiele laden weitaus mehr zu Rache, Ärger, Freudenschreie oder an der Liebäugelei an gutem Spielmaterial ein. Nicht Rolling Dice. Ich finde die Würfelarena labbrig, die Würfel zu leicht und die Robben habe ich erst beim zweiten Spiel so richtig erkannt. Hm, okay. Dann auch keine Modenschau.

Wie schaut es denn mit dem Spielspaß aus?

Ganz ehrlich? Egal in welcher Combo ich das Spiel gespielt habe, bis auf eine Ausnahme haben alle zum Spiel gesagt: „Na ja, ganz ehrlich? Geht so? Oder besser: Pack mal weg!“

Ich hatte keine Spannung erlebt, sondern eher ein hindurchtragen durch das Spiel.

Auch lagen wir in einem Spiel so weit auseinander, da konnte man gar nicht mehr aufholen (0 Punkte zu zu Punkten in einer Runde – puh, was ein Unterschied) – da ging der Ehrgeiz recht oft flöten.

Ich glaube, dass so manch Schnipp-Spieler am Spiel Freude haben kann, auch wenn wir hier keine Würfel schnipsen. Und vielleicht braucht man auch das passende Setting, wie eine Samstag-Abend-Show, wo sich irgendwelche Prommies im Fernsehen spielerisch Duelle liefern, so ein Setting. Vielleicht muss auch ne Maria oder manch meisterhafter Jäger konsumiert werden – ich weiß es nicht, aber meine Settings waren jedenfalls nicht gut genug für das Spiel.

Sorry liebes PAKK Team, aber da habe ich mal ganz schön kalte Flossen bekommen bei dem hier. Liebes Rolling Dice? Tschüss, aber mit mir nicht noch mal.

Lecker

  • Die Würfel sehen schön aus.

Pfui

  • Sorry, aber so eine Pappe- und Spielmaterialverschwendung - nicht meins.

Fazit

Funfairist vermisst die Pizza in der Schachtel und schreibt:

Rolling Dice versucht vielelicht cool zu sein, aber bei mir gibt es nur ne Kalte Fritte. Cool genug? Sorry, aber das ist absolut nicht mein Spiel, und komischerweise hat es auch bei keinem anderen gefunkt (bis auf eine Ausnahme). Ich verlasse mich hier mal auf mein Bauchgefühl und sage: Nein danke! Trotz unerlangter Spielfreude ein herzliches Dankeschön an Abacus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
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