Der Herr der Träume

Brettspiele Frittenrezensionen
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Superfritte

Sei ein Stoffi

Wenn mir einer sagen würde: „Ey, was bist Du denn für ein Stoffi?“, dann hätte ich mich sicherlich geärgert und gedacht, da würde mich jemand ärgern wollen. Nun weiß ich aber, dass ein Stoffi ein sehr abenteuerfreudiger und wunderbarer Held ist, weshalb mir so eine Zuschreibung nichts ausmachen wird. Und wem habe ich das zu verdanken? Ganz sicher Jerry Hawthorne, denn der hat über PlaidHat Games, hier zu Lande über Asmodee, Der Herr der Träume – Die Stoffi-Chroniken rausgebracht. Wir schauen heute auf dieses kooperative Spielbuch, was einem Dungeon Crawler sehr nahe kommt.

Der Weg des Erwachsenenwerdens

Es sind die Stoffis, die heißgeliebten Stofftiere unserer Kindheit, die alles abbekamen und uns Trost, Begleitung und Geborgenheit schenkten. Tränen haben sie aufgefangen, begleitet haben sie uns im Sandkasten, auf den Bäumen, im selbstgebauten Zelt und am Teetisch. Sie haben Prügel, Küsse, einen Wurf und Umarmung entgegen genommen – ohne Widerwille. Ja, die Stoffis sind die Begleitungen unserer Kindheit. Und wenn dann nach und nach das Mädchen oder der Junge aus dem Kindesalter herauswächst, wird die Distanz zum Stoffi immer größer, bis irgendwann die Kartonklappe über den Knopfaugen sich ganz schließt und Motten sich die Lippen lecken.

Wie traurig! Aber dieses Erlebnis mag in so vielen Kinderzimmern stattfinden und stattgefunden haben. Stofftiere sind eine wichtige Begleitung in unserer Kindheit. Und irgendwann entsteht Abstand, eine Trennung vom Knuddel, und die eigene Körperlichkeit, die eigene Reife und die Neugier nach anderem lässt die Distanz zum Stoffi immer größer werden. Und dennoch bleibt diese Treue und Liebe der Stoffis uns gegenüber. Für sie sind wir, die Besitzer, immer noch die wahren Held*innen und der Sinn ihres Lebens. Bis zur Unendlichkeit, und von mir auch gerne viel weiter.

In Der Herr der Träume ist es das kleine Mädchen, was nach und nach wächst, und schon fast kein Kleinkind mehr ist. Erst ändert sich das Bett, denn ein Kleinkind braucht irgendwann ein „anständiges“ Bett, dann ändert sich das Inkontinenz-Verhalten, dann kommen diese Gefühle auf, wie man auf Menschen und andere wirkt, dann steigert sich stetig das eigene Verantwortungsbewusstsein, Versagensängste und Angst vor der Angst kommen ebenso hinzu und dann ist da noch dieser große Part der Liebe, und was sie von einem alles abverlangt.

Puh! Erwachsenwerden ist kein Zuckerschlecken, und genau darum geht es in Der Herr der Träume. Unser kleines Mädchen wird so langsam erwachsen, und wir, die Stoffis bekommen das mit. Wir begleiten unser Mädchen und versuchen es zu unterstützen, ihm zu helfen und in manch Situationen auch zu retten. Warum? Aus Liebe! Denn das ist der Motor, der uns antreibt.

Ein Spielbuch

Der Herr der Träume ist ein Spielbuch, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kapitel um Kapitel spielen wir uns durch das Buch, und haben auf einer Seite die spezifischen Regeln, während auf der anderen Seite unser Spielbrett sich befindet. Karten und jede Menge Würfel, ein paar Token und richtig schöne Figuren runden die fette Schachtel ab.

Wir sind die Stoffis, das sind Theadora, Stampfi, Hopps, Leonard, Pieks und Pinky, die Abenteuer erleben. Wir wanken dabei durch Traumwelten und Irrealitäten. Wir suchen, bewegen uns, wir kämpfen und wir helfen einander. Manch Situationen stellt und vor Entscheidungen, oftmals aber müssen wir gegen Spielzeug kämpfen, das es gar nicht gut mit uns und unserem Mädchen meint. Feinde kommen auf, die in Figuren eine Personifizierung von bestimmten Ängsten erfahren. Und manches Mal erleben wir Schaden, bekommen Risse in unsere flauschigen Felle, verlieren Watte und hoffen darauf, uns wieder zu füllen, so dass wir nicht in uns zusammen fallen.

Die Stoffi-Chroniken lassen uns im Spiel die Begleitung und Erfahrungen des kleinen Mädchens indirekt erleben. Wir spielen eine übersetzte Situation von Erlebnissen, Zuständen und Gegebenheiten des kleinen Mädchens durch, deren Ausgang über den weiteren Werdegang entscheidet. So richtig große Entscheidungen müssen wir gar nicht treffen in den Chroniken, denn wenn man ehrlich ist, führen alle Wege zum gleichen Ziel irgendwie. Lediglich die letzte Kapitel-Geschichte ist eine kleine Form von „wenn-dann“-Entscheidung. Aber im Großen und Ganzen ist das Ziel schon sehr geplant.

Kommunikationsauftakt mit den Kindern

Der Herr der Träume ist in seiner gespielten Zugänglichkeit und Einfachheit ein sehr gut geeigneter Crawler, den man mit Kindern spielen kann. Auch wenn manch Figur und manch Situation beängstigend sein könnte, packen das Kiddies schon recht gut und können hier ohne Angst im Schlaf mitspielen. Vielmehr bietet das Spiel sogar zum Ende eines jeden Kapitels eine Diskussionsanregung, die man mit den Kindern nach der erlebten Geschichte besprechen kann. Da schlägt das Pädagogenherz richtig laut in der Brust. Wow, ein sehr schönes Extra, wenn man ein Kapitel zu Ende gespielt hat.

Aber nicht nur das gibt Grund zur Rede bei einem oder nach einem Spiel. Die Erlebnisse (Kapitel) sind sehr schön beschrieben und können auf tatsächliche Befindlichkeiten von Kindern übersetzt werden. Das mag ich sehr. Und selbst wenn man das Spiel nicht mit Kindern spielt, Diskussionsanregungen unter Erwachsenen sind hier ebenfalls gegeben. Voll toll!

Fazit

Der Herr der Träume ist ein sehr schönes und wunderbares Spiel, was ich sehr gerne gespielt habe. Ich habe fast 24 Stunden insgesamt gespielt, um das komplette Buch durchzubekommen. Manche Stellen waren recht schwer und herausfordernd. Begeistert hat mich, dass die Kapitel so unterschiedlich waren. In manchen Kapiteln musste viel gekämpft werden, für ein anderes brauchte man Geschick und Würfelglück, wieder ein anderes hatte Puzzle-Elemente und so weiter. Richtig toll. Etwas vermisst habe ich die Händler, so dass wir unsere Knöpfe hätten eintauschen können – die sind doch seltener vertreten im Spiel.

Rund um ist aber Der Herr der Träume ein echt tolles und liebevoll gestaltetes Spiel, was Schwächen in den Regeln, und große Stärken im Spiel besitzt. Für mich ein Superfrittenspiel.

Lecker

  • Wie süß sind denn bitte schön die Figuren?
  • Ein toller Mechanismus mit den Würfeln
  • Tolle Geschichte mit pädagogischen Fragen
  • Die Karten sind wirklich originell

Pfui

  • Die Regeln sind echt so lala.
  • Viel zu wenige Händler im Spiel.

Fazit

Funfairist ist ein Stoffi und sagt

Ich vergebe eine Superfritte. Ganz toll, und ich habe jedes Kapitel sehr gefeiert. Ein ganz tolles Spiel, mit tollen Geschichten und einer super guten Handhabe. Ich mag das Würfelziehen, die Aktionen, die Karten und vor allem die Figuren. Die Stoffi-Chroniken sind stimmig und einfach rund. Gerne mehr davon! Herzlichen Dank an Asmodee, die uns das Spiel für eine Rezension gestellt haben.
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