Die Legenden von Andor – Chada und Thorn

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Bogen-Krieger

Die Legenden von Andor, nicht nur ein Spiel, nein, eine Reihe, eine Sammlung an Abenteuer, eine Marke. Neben dem Brettspiel, diversen Erweiterungen, einem eigenen Soundtrack, einer stetig wachsenden Internetplattform, einem Buch und einem Hörbuch gibt es auch ein 2-Personenspiel mit dem Namen Die Legenden von Andor – Chada & Thorn. In sehr kleiner Verpackung, im Gegensatz zu den großen Ausführungen des Brettspiels, haben wir es hier nicht minder mit einer Reise durch die Weiten Andors zu tun. Begleitet die beiden HeldInnen und erzählt zusammen die vielen Geschichten weiter.

Keine Würfel, dafür Karten

Chada & Thorn ist ein 2-Personenspiel aus der Feder von Gerhard Hecht, und es ist ebenfalls im Verlag Kosmos erschienen. Im Gegensatz zum Brettspiel haben wir hier ein kooperatives Kartenspiel, was in kleiner aber nicht minder abenteuerlustiger Form daherkommt. Das Andorflair bleibt erhalten, da Michael Menzel hier ebenfalls die redaktionelle Mitarbeit unterstützte.

Und dennoch ist Chada & Thorn etwas ganz anderes und recht untypisch zum Brettspiel. In diesem Andor-Spiel haben wir es nämlich nicht mit Würfeln und 3D-Figuren aus Pappe zu tun, sondern nur mit Karten. Lediglich Chada und Thorn, wie auch der Fluch, der uns auf den Fersen ist, stehen durch Kunststoffhalter aus dem Spiel heraus. Der Rest ist 2D und in Form von Karten.
Auch das Spielbrett wird mit Karten gestaltet, aber dazu komme ich gleich noch genauer.

Die Reise der HeldInnen

In Chada & Thorn haben wir eine Art Wettlauf zu meistern. Wir versuchen in 4 unterschiedlichen Etappen unser jeweiliges Ziel zu erreichen. Sei es die Höhen und Tiefen der Stachelklippen, die Weiten der Sturmweiden, die schwer erklimmbaren Mauergebirge oder der mysteriöse Stumme Wald, ja, diese Abenteuer sind zu meistern. Und selbst wenn man ein Abenteuer mal geschafft hat – bei einer neuen Runde Chada & Thorn kann das Spielfeld wieder ganz anders aussehen. Weitere Abenteuer stehen uns auf der Internetseite zum Download und selber machen zur Verfügung.

Eine Heldengeschichte zeichnet sich darin aus, dass Figuren sich auf einen Weg machen. Dabei erleben sie unterschiedliche Situationen, von mir auch aus Abenteuer. Eine Reise kann alleine oder in Gemeinschaften erfolgen. Ziel jedoch ist, dass ein Hier zu einem Da erfolgt. Meistens wird man bei so einer Reise verfolgt, von einem (oder mehreren) Verfolger(n), der (die) die Reise stoppen will (wollen), eigene Pläne verfolgt (verfolgen) oder sonstiges vorhat (vorhaben). Ja ja, der Wettlauf kann beginnen.

So auch die Reise unser beiden HeldInnen. Chada, die Bogenschützin, und Thorn, der Krieger, meistern in diesen Etappen Wege und versuchen sich nicht zu verlieren, schneller zu sein als der Fluch, und die eine oder andere Zusatzaufgabe zu lösen. Wir kontrollieren Chada & Thorn und sollten uns immer ganz genau absprechen, was wir als nächsten, übernächstes und überübernächstes tun sollten.

Geradeaus, recht oder links?

Gerhard Hecht hatte in seinem Spiel Kashgar – Händler der Seidenstraße ein Spielprinzip genutzt, was er in Chada & Thorn ebenfalls angewendet hat. Die Spielenden, hier die Kontrollierenden der beiden HeldInnen, legen 3 Kartenreihen vor sich aus. Wenn man am Zug ist, darf man eine der Karten spielen, die ganz vorne liegt. Dabei stehen einem des Öfteren mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die einem die jeweilige Karte bietet. Man dann sich bewegen, kämpfen oder gar eine Spezialfähigkeit der Karte ausführen. Nach getaner Aktion, kommt die Karte ans Reihenende, und eine neue Karte ist sichtbar.

Durch dieses Drafting kommen auch nach und nach „unschöne“ Karten ans Tageslicht, die man lieber nicht haben will, denn im Spiel erhält man auch Nebelkarten, die Gegner sind, die Reihen schwächen, etc. Und zusätzlich ist in jeder Reihe ein Fluch zu finden, die wirklich nicht schön sind. Ih bäh!

So muss man bei Chada & Thorn immer im Auge haben, was hat der Nächste vor und was mache ich danach und so weiter und so dort. Da alle Karten offen ausliegen, ist die Planung das A und O bei diesem Kartenspiel.

Der Weg der HeldInnen wird auf Karten durchwandert. Die Startkarte und Zielkarte ist gleich, aber die Zwischenetappen sind immer anders. Im Spiel befinden sich zu den Abenteuer unterschiedliche Karten, die gemischt zufällig die Reise der beiden HeldInnen immer anders zeigt. Wahrlich kann man hier unterschiedliche Abenteuer erleben.

Spielgefühl

Ich muss sagen, dass Chada & Thorn bei mir etwas gebraucht haben, um mich zu begeistern. Waren die Regeln vom Brettspiel so einfach, dass man sie spielend leicht erlernte, in dem man gleich drauf los spielte, so habe ich mir bei diesem Kartenspiel die Regeln gleich 2 wenn nicht sogar 3 x durchlesen müssen. Auch wenn ein Losspielabenteuer gleich in der Regel zu finden ist, so ist der Mechanismus doch etwas aufwendiger zu verstehen, als im Brettspiel. Jedoch, wenn man einmal die Art und (Spiel)weise verstanden hat, dann fluppt es sehr gut mit den Spielzügen.

Unsere ersten Partien waren (wie es bei Andor bei uns üblich ist) eine Katastrophe. Schnell hat uns der Fluch eingeholt, oder aber die Willenspunkte waren aus. Mist. Okay, noch einmal. Wieder verloren.
Aber jetzt sind wir langsamer geworden. Vor jedem Zug diskutierten wir, wie sinnhaft dieser für den darauf folgenden und den darauf folgenden Zug ist. Und schnell wurde uns klar: Oha, Moment, nicht einfach drauf los laufen, nein! Nur gemeinsam mit guter Planung kommt man vorwärts. Diese Diskussionen bremsten unsere Spielweise sehr aus. Chada & Thorn ist bei uns das langsamste Spiel von allen Andorspielen. Auch wenn wir hier nur eine kleine und feine Verpackung haben, so ist die Spieldauer sehr lange – zumindest in unseren Fällen. Bei unserer letzten Partie über gerade mal 4 Karten hinweg, brauchten wir fast 50 Minuten.

So habe ich erlebt, dass manche Mitspielende, mit denen ich loszog, um Chada & Thorn zu bewegen, diese Länge genossen, andere sich von einem Kartenspiel etwas anderes versprochen haben. Schneller, interaktiver, nicht so viel Gequatsche. Darum kam dieses Spiel unterschiedlich an. Einige hatten großen Gefallen an der Planbarkeit, der Voraussicht und am Planen, anderen fehlte der Zufallswurf, den ein Würfel hätte bringen können, Überraschungen (die Nebelkarten waren nicht überraschend genug) und Unvorhersehbares. Nun gut, so unterschiedlich kann ein Spiel eben ankommen.

Lecker

  • spielt sich gut
  • Das Spiel kam unterschiedlich gut an
  • Schön, kompakt und atmosphärisch.

Pfui

  • längst nicht so episch und abenteuerlustig, wie der große Vertreter der Reihe
  • Das Spiel kam unterschiedlich gut an
  • Neulinge und Einsteiger sollten doch lieber zum Brettspiel greifen

Fazit

So klein und so nett!

  "Ich finde das Kartenspiel aus der Andorreihe wirklich toll. Schön, kompakt und atmosphärisch. Ein schöner kleiner Begleiter, der es in sich hat. Manch andere fanden das Spiel zu kalt, zu planbar und verplant, eine „bebilderte Matheformel“. Für alle Andorfans eine tolle Ergänzung aus dieser hervorragenden Reihe. Neulinge und Einsteiger sollten doch lieber zum Brettspiel greifen, um das Andorflair genießen zu können."
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