Die Minen von Zavandor

Brettspiele Frittenrezensionen
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Kalte Fritte

Ein Rezensionsversuch aus zwei Blickwinkeln

Was wir hier versuchen ist ein Rezensionstest. Zwei Spielbegeisterte, nämlich Kaddy und Funfairist, haben dieses Spiel ausprobiert. Dabei kam dieser doppelter Rezensionsversuch heraus. Lest und begleitet die Beiden, was sie zu dem Spiel zu sagen haben. Für alle, die wissen wollen, wer was zu sagen hat: Kaddy ist in dieser Farbe, Funfairist bleibt in der Farbe schwarz.

Die Minen von ZavandorDann wollen wir mal …

Die Minen von Zavandor“ ist im Jahre 2009 unter dem Namen „Der Khan von Karachi“ von seinem Erfinder Alexander Pfister auf dem Spieleautorentreffen in Wien vorgestellt worden und wurde für so gut befunden, dass Lookout Games sich dessen annahm, den Namen in „Die Minen von Zavandor“ änderte und es in ihren Verlag aufnahm. Da war es nun. Und zack: Da steht´s natürlich nun auch in meinem Spieleschrank.

Die Beschreibung sagt: „Ein Spiel von Alexander Pfister für 2-4 Spieler ab 10 Jahren“, ich sage: „Eine Zumutung von Alexander Pfister für jeden Spieler und jede Spielerin, die statt dieses Ding zu spielen lieber 10 Jahre in einer Grube schüppen sollte.“ Lookout Games steht doch für erstklassige Spiele, oder nicht? Na ja, mit Die Minen von Zavandor haben wir wohl das letztklassigste Spiel vor uns.

„Grimmborn, König der Zwerge von Zavandor, seufzte.“ Allein dieser Anfangssatz ist Programm für dieses Debakel von Alexander Pfister. Seine Minen von Zavandor, die anfangs unter dem Titel Der Khan von Karachi geführt wurde, sollte ein spannendes Bietspiel mit viel Taktik für Spieler_Innen ab 10 Jahren sein. SOLLTE! Mit den Minen aus der Zavandor-Reihe hat sich allerdings Lookout Games einen echten Schutthaufen ins Programm geholt, der unterirdischer nicht sein kann. Aber der Reihe nach, um was geht es denn? Nun, der oben genannte König ist so langsam am Abnibbeln dran, oder etwas förmlicher ausgedrückt, seine Amtszeit geht so langsam dem Ende zu. Gute Wahl, möchte sich doch der Herr Oberzwerg bestimmt einen faulen Lenz auf Ibiza oder so machen, und nicht mehr in der schwatten Grotte abhängen, wie die anderen kleinen Gesellen. Verstehen kann man den alten Mann. Nun ja, aber so ein Amt als Oberzwergenmacker will man nicht jeden x-beliebigen Zipfelmützenkerl überlassen, ne ne ne, dieses Amt gebührt einem Volltrottel, ähm, ich meine, einem Heißblut, der bereit ist 3 Jahre in den Minen zu schürfen, nur um auf einem Stuhl aus Stein sich die Hämorriden platt zu fletzen. Und wir Spieler_Innen sind genau diese Dummen, die sich ihren Weg zum Ende graben, handeln, etc.

Erster Versuch mit „Die Minen von Zavandor“

Der erste Versuch, das Spiel zu spielen scheiterte kläglich. Ich hab „Die Minen von Zavandor“ ausgepackt und mir anhand der Spieleanleitung versucht, ein Bild davon zu machen, was wann wie gemacht werden muss, was wie aufgebaut wird… Nach 20 Minuten habe ich den ganzen Kram wieder eingepackt – ich hatte keinen Bock mehr. Die Anleitung war so lang und einige Sätze hab ich irgendwie auch ein paar Mal lesen müssen, damit ich sie verstanden hab… Ich hab es auf einen schlechten Tag meinerseits und das Spiel unter einen meiner Spielestapel geschoben. Druntergeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Zweiter Versuch mit „Die Minen von Zavandor“

Es war einmal wieder Spieletag mit Funfairist. Und wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die Zalando … ähm, Zavandorspiele mal auszuprobieren. Denn wir beide besitzen sie, aber waren irgendwie immer abgeschreckt, sie auch zu spielen – und die Anleitungen zu lesen. So passierte es nun an einem schönen Wintertag…

Aaaalso …

Worum geht´s? In „die Minen von Zavandor“ sind wir Zwerge und wollen der neue König werden. König kann man nur werden, wenn man in den Minen Zavandors auch genug geackert und viele Edelsteine geschürft hat, denn die bringen Kohle. Zu Beginn erhält jeder Zwerg seine eigene Stollenkarte, in der er seine Schätze unterbringen kann. Mit Schätzen ist hier gemeint, dass man verschiedene Sonderkarten erwerben kann, die einem Punkte oder Vorteile beim Schürfen bringen. Die kleinste anwesende Person beginnt (das bin normalerweise ich… ? ). Was muss getan werden?

Die 4 allgemeinen Stollen werden gemäß Anleitung auf dem Spielplan aufgebaut, Karten werden nach Edelsteinarten sortiert und ebenfalls auf die für sie vorgesehenen Plätze gelegt. Das Tableau mit den Kosten für Sonderaufgaben wird  bereit gelegt und der schwarze Pöppel wird auf das Startfeld, nämlich das Schloss gestellt. Das Spiel dauert so lange, bis der Pöppel in der Krönungshalle angekommen ist. Das kann unterschiedlich lange dauern, denn man kann verschiedene Wege auf dem Tableau gehen. Pro Spielzug wird der Pöppel um ein Feld weiterbewegt.

Einkommen, Handel, Versteigerung, Aufwertung: Das sind die vier Phasen, die jedes Mal durchgespielt werden. Eigentlich sind diese Spielzüge echt simpel, und wenn man sie verstanden hat, geht so ein Zug eigentlich schwupp-di-wupp. Blöd ist allerdings nur, wenn die Spielregel diese doch so leichten Spielzüge nicht wiedergeben kann, sondern sich in langen verstrickten Sätzen und komplizierten Ausdrucksweisen aufhält. Erst nach einem zweiten oder dritten Lesen merkt man, wie einfach eigentlich ein Zug ist. Dazu braucht man eigentlich keine 8 Seiten Regeln.

Aber nicht nur die Regeln machen den Start in den Minen anfangs schwer, auch die sehr unübersichtlichen Grafiken der Karten bringen anfangs großes Kopfschütteln. Sollte man jemanden kennen, der die Minen schon mal gespielt hat, der weiß schnell, wo welche Karten hinmüssen und was für was steht. Allgemeine Anfänger_Innen am Tisch müssen erst einmal dahinterkommen, auf welche Seite zum Beispiel die Karten gelegt werden müssen …

Erst nach einer ganzen Spielpartie hat man das „wo kommt was hin und welche Reihenfolge“ erst richtig geschnallt, und dann sagt man: Ach, eigentlich voll simpel das Spiel, schade nur, dass ich keinen Bock habe, die Rotze von Zavendor noch einmal zu spielen.

Ja jetzt nicht so hektisch, noch einmal der Reihe nach: Eine Runde besteht aus 4 Phasen. Zuerst einmal wird Kohle verdient. Jeder Spieler prüft in seinem Stollen, wieviele Edelsteine oder Aufwertungen (Aufwertungen machen manche Karten besser oder sorgen dafür, dass der Spieler bessere Eigenschaften in seinem Stollen nutzen darf) er verdient hat. Danach darf gehandelt und getauscht werden. Entweder mit einem seiner Mitspieler (1-1) oder mit der Bank (2-1).  Danach wird versteigert, nämlich mit Hilfe der Edelsteine, die bereits in Phase 1 oder 2 erworben wurden. Im allgemeinen Stollen werden alle 4 ausliegenden Karten versteigerter. Von oben nach unten. Ersteigert wird so: Man sucht sich aus seinen Handkarten Edelsteinkarten aus: Je so viele einer Farbe, wie man bereit ist, dafür zu bieten. Diese hält man verdeckt in seiner Hand und sobald alle Spieler sich entschieden haben, wird aufgedeckt und gewertet. Derjenige mit der höchsten Anzahl Edelsteine in der jeweiligen Farbe erhält die ausliegende Karte oder, wenn er zu wenige Karte aufgedeckt hat, ein Silber (was wieviel kostet ist auf dem allgemeinen Stollen abgebidet). Seine Edelsteine kommen zurück in den Vorrat. Die Verlierer der Auktion legen die Edelsteine zur Seite und darfsie in der nächsten Runde wieder benutzen. Wurden alle 4 Auktionen erledigt geht es weiter mit Phase 4, der Aufwertung. Hier dürfen die Spieler Karten oder ihren Stollen aufwerten, in dem sie Kosten in Form von Edelsteinen, die auf den jeweiligen aufwertbaren Feldern oder Karten angezeigt sind, bezahlen. Aufgewertete Felder oder Karten bringen mehr oder besseren Ertrag von Runde zu Runde. Hierzu steht in den Regeln außerdem folgendes: „Reichen die im Spiel vorhandenen Steine ausnahmsweise nicht aus, können beliebige andere Gegenstände […] verwendet werden.“ Ich würde ja kleine Eichhörnchenbabies nehmen. Aber egal. So wird immer und immer und immer wieder gespielt. So lange, bis der schwarze Pöppel unten in der Halle steht. Dann ist das Spiel vorbei und derjenige, der die meisten Siegpunkte in Form von Geld und Siegpunkten auf den Karten, die in seinem Stollen liegen, hat gewonnen und ist der neue König von Zalando.. nee, Zavandor, Mist. Ich finde das Spiel so langweilig, dass ich dabei die ganze Zeit an Schuhe kaufen denken muss……. ?

Hä?

Solltet ihr meine Beschreibung nicht verstanden haben: Keine Sorge, so ging´s mir bei dem Spiel auch. Ich wollte euch ein bisschen von dem Gefühl abgeben, das ich dort hatte.

Und ich dachte Zwerge sind ordentlich??? Das größte Ärgernis ist die Unordnung auf dem Tisch. Sobald alle Spielpläne aufgebaut, die Karten hingelegt, die eigenen Tableaus ausliegen, und ein paar Runden gespielt wurden, herrscht auf dem Tisch ein reiner Kartenwust. Wir spielen schon immer an einem recht großen Tisch, aber so ein Durcheinander haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Wenn man jetzt sexistisch an die Sache rangehen würde, könnte man meinen, das Spiel hätte anfangs nicht Der Khan von Karachi geheißen, bevor es in Die Minen von Zavandor umgetauft wurde, sondern Die Schuhe von Zalando: Ein modisches Schuhchaos für Frauen. Aber solche Sexismen lassen wir ganz schnell beiseite. Beiseite lassen wir auch dieses Spiel, denn selten haben wir uns dermaßen gelangweilt und geärgert; besonders über eine dermaßen übertriebene Regelbeschreibung für einen Spielzug, der gut und gerne auf eine Seite hätte Platz finden können. Ein ausführliches Beispiel hätte auch ausgereicht. Na ja, lassen wir die Mine Mine sein, und machen lieber gute Miene zum schlechten Spiel.

Gibt es eigentlich schon die Bewertung „Zavandorfritte?“ Nee.. mh, was nehme ich denn dann?

Lecker

  • Gibts auch die Latrinen von Zavandor?

Pfui

  • Was ne Regel ...
  • Spielspaß hat sich verbuddelt
  • Die Symbolik auf den Karten ist weder intuitiv, noch auf irgendeine andere Art selbsterklärend

Fazit

Kaddy sagt…

Ich denke, meine Bewertung kann ich mit der Konversation, die direkt nach der ersten Spielerunde stattgefunden hat, ausdrücken: Ich:. „Ich muss jetzt auf´s Klo.“ FunFairist: „Spielen wir noch eine Runde?“ Ich: “Klar, lass mich ruhig noch eine Stunde meines Lebens wegwerfen.“ So viel dann dazu. „Ich sehe was, was du nicht siehst“im Dunkeln macht auf jeden Fall mehr Spaß als dieses Spiel – sogar, wenn man niemanden hat, der mit einem spielt.  Funfairist meint: In meinem Traum bin ich ein Zwerg, der zur Spitzhacke greift, um damit des Königs Fuß zu spalten. „Mach doch Deinen Scheiß alleine“, würde ich rufen, „ich geh jetzt saufen und danach kacken.“ Eine sinnvolle Beschäftigung. Stimmt, wo machen denn die Zwerge in einer Mine überhaupt hin? Gibt es Toiletten unter Tage? Vielleicht gibt es bald einen zweiten Teil zum Spiel: Die Latrinen von Zavandor. Das würde ich dann wieder spielen wollen.
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