Saboteur – The Lost Mines

Brettspiele Frittenrezensionen
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Knusperfritte

Ich traue niemandem, und schon gar nicht Dir

Seit über 15 Jahren schürfen die Zwerge mit Spitzhacke durch die Stollen und suchen Klunker. Und seit dieser Zeit hat sich auch so manch zwielichtiger Zwerg ins Trüppchen geschleust, der versucht die Suche nach Gold zu sabotieren. Saboteur aus dem Hause Amigo Spiele hat nicht nur so manch Neuauflage und Erweiterung gefahren, nun gibt es auch ein Brettspiel. Der Zwerg ist groß geworden. Auch die Saboteur-Aktivität ist gewachsen. Wir schauen mal auf Saboteur – The Lost Mines von Frederic Moyersoen, welches ebenfalls bei Amigo Spiele erschienen ist.

Aus der Grube auf die Wiese

Optisch ist Saboteur das Brettspiel schon mal was ganz anderes. Wir sind raus aus dem Stollen und wuseln nun auf einer Wiese umher. Irgendwo sollen verlassende und geheime Minen zu finden sein, aber was sich da im Tiefen verborgen hält, das wissen wir noch nicht. Eins ist klar: Die Zwergenbanden haben nur Klunker im Kopp und wollen den fetten Reibach machen. Aber unter den beiden Völkchen, die gegen einander antreten, gibt es auch selbstsüchtige Zwerg*innen und auch Saboteure*innen sind anwesend – eventuell.

Im Grunde spielt sich Saboteur – The Lost Mines genauso, wie das Kartenspiel. Wir spielen Karten aus, schaffen auf der Wiese eine Art Wegelabyrinth, versuchen die Minen zu finden, um Edelsteine, Gold oder Silber abzugrasen. Das Spielbrett schafft einen Ablegerahmen, den man sich damals mit dem Kartenspiel erdacht hat. Und statt Lore, Spitzhacke oder Laterne der anderen Zwerge zu zerdeppern, legen wir uns „Steine“ in den Weg, indem wir Fallen legen, Baumstämme auftürmen, Seen überqueren müssen, über Gräben hinwegklettern und Trolle begegnen. Ja ja, so ein Tummeln auf der Wiese bringt manch Unangenehmlichkeiten.

Wer Interesse hat mehr über die Spielmechanik und Vorgehensweise von Saboteur zu erfahren, wird auf der Amigo-Seite sämtliche Regeln finden.

Viel interessanter ist doch: Kann das Brettspiel was? Macht es Freude? Will ich das Ding noch öfter aus dem Schrank zerren und es spielen? Hier mal meine und unsere Einschätzungen.

Wer ist der*die Verräter*in am Tisch?

Ich mag Saboteur sehr, also, das Kartenspiel. Ich mag es nicht zu wissen, wem ich trauen kann am Tisch, wer für die Gruppe spielt, und wer nicht. Ich mag es auch selber in die Saboteurrolle zu schlüpfen und meinen Mitspielenden so richtig in die Zwergenzipfelmütze zu pieseln. He he he … Saboteur ist eins meiner Lieblings-semikooperativen-spiele, was ich besonders gerne in größeren Gruppen spiele. Und tatsächlich ist auch das Brettspiel für eine größere Gruppe ausgelegt, und macht auch nur in einer volleren Besetzung Spaß. Auf der Verpackung steht 3 bis 9 Spielende, wobei auch ohne Probleme 10 Zwerge satt werden. Kein Ding. Am besten hat sich das Spiel in einer Besetzung von 5-7 Menschen gespielt. Tatsächlich fand ich eine geringere und eine volle Auslastung an Mitspielenden unglücklich am Tisch.

Bei weniger Mitspielenden war mir die Verteilung der Rollen nicht so passend und angenehm. Wir haben im Spiel die Zwerge, die für den eigenen Clan arbeiten, dann selbstsüchtige Zwerge, die nur ihre eigenen Taschen voll sehen wollen, und auch noch eine*n Saboteur*in. Bei zwei Clans ist mir die Durchmischung an unterschiedlichen Rollen zu groß in kleinerer Besetzung. Tatsächlich macht mir das Spiel in einer 3er- und 4er-Besetzung nicht sonderlich Spaß. Zwar spielt es sich flotter und geschmeidiger, aber die Rollenverteilung ist mir zu willkürlich und manchmal unglücklich.

Aber auch in größerer Runde gibt es etwas, was mir nicht so gut gefallen hat. So habe ich in einer 8er und 9er Runde erlebt, dass wir ziemlich lange an manchen Wegen feststeckten, weil ein Troll uns den Durchgang versperrte. Auch ein See kann ziemlich unglücklich liegen, wenn niemand ein Floß bei sich hat. Auch wenn ein Zwerg einen Durchgang „versperrt“ ist das in einer großen Runde ziemlich demotivierend, da man nicht voran kommt.

Festhalten: In einer kleinen Runde ist die Rollenvergabe unglücklich, dafür spielt sich das Spiel locker, flockig, schnell und versperrte Wege sind nicht so schlimm. In einer großen Runde ist die Rollenverteilung super und schön verteilt, aber eine Runde spielt sich lang und schleppend, vor allem, wenn die Wege „zu“ sind.

Material und Optik

Das Material und die Optik finde ich vollkommen in Ordnung. Hat man einmal verstanden, was was heißt, dann ist alles klar. Zwar ist das Kartenspiel schneller aufgebaut und zum Start bereit, aber auch das Brettspiel lässt sich schnell starten. Etwas Gewöhnung brauchte ich für die Tatsache, dass wir nun oben spielen, auf einer grünen Wiese, und nicht mehr im Stollen. Saboteur hat für mich eine graue Optik. Mit der Grünen musste ich mich anfreunden, was aber recht schnell ging. Dennoch würde ich eher sagen: Saboteur ist grau, und nicht grün!

Gab es im Duell-Spiel von Saboteur schon Figuren, haben wir es hier mit 10 Unterschiedlichen zu tun. Etwas schwierig zu erkennen sind sie schon, aber wenn man seinen Zwerg im Blick hat, geht das schon recht gut. Bei 7-10 Figuren auf dem Tisch fand ich es schon recht unübersichtlich, wuselig und frickelig.

Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich Saboteur überhaupt mit Figuren ausgestattet sehen will. Das passte im Duell-Spiel ganz gut, hier stand man sich schon recht oft auf den Füßen.

Ansonsten habe ich an den Schatzkarten, den Zwergenkarten, Plättchen und dergleichen nichts auszusetzen.

Kommt das Ding jetzt noch öfter auf den Tisch?

Nun, wenn die Intention von meinen Mitspielenden kommt, dann sehr gerne. Sollte ich die Wahl haben, ob ein Saboteur auf den Tisch kommt, so reicht mir die Kartenvariante. Das Brettspiel kam bei meinen Spielgruppen immer ganz gut an, und Menschen, die die Kartenvariante nicht kannten, konnten dem Brettspiel viel Freude abgewinnen.

Ich persönlich hatte in der Kartenvariante mehr Freude, als beim Brettspiel. Die Gründe dafür sind einmal: Zwerge gehören für mich in die Mine / in den Stollen, das ist so ein optisches Ding, und, und das ist gravierender, ich mag die Clan-Rollenverteilung durch die Zwergenkarten nicht so sehr. In einer kleineren Runde, sagen wir mal 5 Menschen, war die Verteilung der Rollen zu konfus und in manchen Spielen zu unausgeglichen. Gelb gegen blau, gelb gegen gelb, und gelb für blau. Puh, das ist mir zu stressig. Mir sind das zu viele Komponenten, die aus Saboteur ein Saboteur hoch 3 gemacht haben. Die dazukommenden Aktionskarten und die Hindernisse dazu waren mir für ein schnelles Spiel zu viel.

Lecker

  • In einer großen Gruppe okay, aber all zu groß sollte sie nicht sein
  • Saboteur hoch 3 - sehr ausgebaut
  • Leuchtend aus der Höhle heraus

Pfui

  • Funktioniert in kleiner Besetzung nicht
  • Auch eine Vollbesetzung ist unvorteilhaft
  • Zuviel in Saboteur

Fazit

Funfairist sabotiert heraus

Für mich eine Knusperfritte, für meine Mitspielenden eine Gute bis Superfritte. Macht zusammen eine Gute Fritte, aber mit einem Minus dran. Wenn ich die Wahl habe, dann greife ich lieber zum Kartenspiel. Saboteure – The Lost Mines macht nichts besser, sondern hier und da was anders. Kommt auf die Gruppenkonstellation an, welches „andere“ man sich wünscht. Herzlichen Dank an Amigo Spiele, die uns dieses Spiel für eine Rezension zur Verfügung gestellt haben.
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