Gen 7

Brettspiele Frittenrezensionen
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Superfritte

*tuuuut tuuuut* hier kommt das Raumschiff!

Spiele mit Raumschiffen und ich – das ist meistens keine sonderlich gute Idee. Denn erst einmal bin ich grundsätzlich kein großer Fan von Raumschiffen und Weltall und Sci-Fi und so. Als ich aber von Gen 7 gehört habe, da war mir schnell klar, dass dieses Spiel auf jeden Fall in meine Sammlung einziehen muss. Ein Kampagnenspiel, in dem man ganz offenbar in der 7. Generationen auf einem riiiiiieeeesigen Raumschiff durch die Gegend schwebt und dort allerlei erlebt. Danke an dieser Stelle an Asmodee, die uns Gen 7 als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Die Schachtel von Gen 7 zieht auf jeden Fall schonmal die Blicke auf sich. Verschiedene Personen sind darauf abgebildet, manche verzweifelt, manche fröhlich, manche verletzt, manche traurig. Die Infos auf der Rückseite der Schachtel verraten nicht viel:

„Die Erde ist ausgelaugt, alle Hoffnung liegt nun auf einem Kolonieschiff und seiner Reise zu einem fernen Planeten im Epsilon-Eridani-System. 210 Jahre wird die Reise dauern, dreizehn Generationen werden an Bord des Schiffes geboren werden, bis die Reise endet. Sechs Generationen lang lief alles nach Plan.
In Gen7 verkörpern die Spieler den Kommandostab der siebten Generation. Sie stehen vor einer dramatischen Entdeckung, die alles verändern wird. Ein Geheimnis kommt ans Licht, das die ganze Mission gefährdet. Gen7 ist ein großes erzählorientiertes Spiel mit verzweigten Pfaden. Die Entscheidungen der Spieler bestimmen den Verlauf der Handlung, manche Elemente werden vielleicht niemals auftauchen. In einer umfangreichen Kampagne müssen Missionen erfüllt und gleichzeitig die eigene Agenda vorangetrieben werden. Gen7 lässt die Spieler eine ganz individuelle Geschichte erleben, während sie das Kolonieschiff durch die Tiefen des Alls steuern.“

Ab in den Urlaub

Man kann aber schon erahnen, dass wir keinen Urlaub machen werden, sondern, dass es auf unserem Raumschiff ordentlich rund gehen wird. Und ohne zu spoilern kann ich euch verraten: ja, das wird so sein. Kein Urlaub. Schwitzen ohne Strand. Immer wieder müssen nämlich Entscheidungen getroffen werden, die dann Auswirkungen auf das haben, was als nächstes geschieht. Und auch, wenn es eigentlich auf den ersten Blick offensichtlich erscheint, was man tun sollte, dann kommt man doch immer wieder in Situationen, in denen man doch nochmal ein bisschen ins Zweifeln kommt, ob man das Richtige gemacht hat. Da ein Detail, dort ein Hinweis und da noch was, was man vorher ja nicht wusste und durch das man vielleicht anders gehandelt hätte, weeeeenn man vorher denn schon gewusst hätte.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Ihr kennt das.

Vom Prinzip her funktioniert das Spiel so, dass man verschiedene Schiffsteile hat, in die man seine Crewmitglieder einsetzen kann. Die werden durch Würfel dargestellt und abhängig davon, welchen Wert sie zeigen, können sie unterschiedliche Dinge unterschiedlich gut tun. Außerdem gibt es persönliche, geheime Ziele, die jeder hat, und verfolgen kann, damit man selbst stärker wird und sich leveln kann. Das ist durchaus auch für alle anderen von Vorteil, denn je mehr der eine kann, desto mehr hilft es auch der Gruppe. Und das ist gut – denn in der Theorie liegt hier ein kooperatives Spiel vor uns. Wieso in der Theorie? Weil das in der Praxis auch immer mal wieder ein bisschen anders werden kann – so zumindest meine Erfahrung. Denn Ressourcen sind knapp und wenn jemand die hart erarbeiteten Dinge „einfach so für sich“ ausgibt, dann kann das schonmal zu Bluthochdruck führen. Und dann war´s das mal eben mit gemeinsam! PAH!! EGOISTEN!!!

Verzeihung … Weiter …:

Neben den persönlichen Zielen gibt es auch noch Ziele, die erfüllt werden müssen, damit die Gruppe keinen Schaden oder Katastrophen erfährt. Im besten Fall ziehen also alle an einem Strang und sorgen gemeinsam dafür, dass das Wohl der Gruppe überwiegt. Wenn da nicht die eben genannten persönlichen Ziele wären, die für einen ausgeprägten Egoismus sorgen können. Ich kann euch sagen: Ich hatte eine ganze Bandbreite an Emotionen, als wir Gen 7 gespielt haben. Wir haben es zu 3. durchgespielt (es ist nur mit 3 oder 4 spielbar) und ich habe von
„NEIN!! Ich gebe NIX ab! das ist alles meins!!! F*c# you all.“ (Einzelkindgehabe) bis hin zu
„Na klar, ich teile alles mit euch. Wir sind doch eine große Familie! <3 LIEBE!!“ (Hippie-Großkommunen-Manager) alles gefühlt. Echt Wahnsinn.

Neben dem Spielmaterial, das man nur zum Teil zu Beginn schon auf den Tisch legt, gibt es noch ein Abenteuerbuch, in dem man erfährt, was geschieht, welche Aufgaben man erledigen muss und welche Konsequenzen ein Scheitern oder Erfüllen der aktuellen Mission hat. Teilweise waren die Missionen für uns verhältnismäßig leicht zu schaffen, andere wiederum waren ganz schön harte Brocken und die haben wir echt nur knapp geschafft. Es ist immer wieder ein Biegen und Brechen, ein Sprechen und Planen, ein Hoffen und Rechnen.

Und dann gibt es auch noch die weißen Umschläge mit den Buchstaben drauf, die man nur dann öffnen darf, wenn der Text im Buch es der Gruppe erlaubt. Dort ist weiteres Spielmaterial drin, das nur bei gewissen Umständen ins Spiel kommt. Man bekommt auch nicht alles, sondern eben nur das, das man „freigespielt“ hat, weil man die eine oder andere Entscheidung getroffen hat.

Wähle weise.

Jede Aktion sollte gut durchdacht sein, weil es sonst sein kann, dass weder die persönlichen, noch die gemeinsamen Ziele erfüllt werden können. Und das wäre dann nach Adam Riese doppelt kacke.

Wir haben ziemlich lang gespielt, insgesamt etwa 18 Stunden. Die haben wir auf 2 Termine aufgeteilt. Wir haben versucht, die beiden Termine so nah wie möglich aneinander zu legen, damit wir schnell erfahren, wie es weiter geht. Wir waren nämlich nach dem ersten Tag ganz schön angefixt. Im Vorfeld habe ich im Internet unterschiedlichste Meinungen gelesen. Von: „War cool“, bis hin zu: „Das war zu vorhersehbar“ über: „Das war das langweiligste Spiel ever“. Ich für meinen Teil kann sagen: Ich würde Gen 7 auf jeden Fall weiterempfehlen, vor allem für Gruppen von 3 oder 4 Leuten, die gerne planen, sich austauschen, diskutieren, Fürs und Widers abwägen und Freude an rollenspielähnlichen Spielen haben, ohne wirklich in eine Rolle zu schlüpfen. Das war eine intensive Spielerfahrung, wenn man sich darauf einlassen kann und wenn man in der richtigen Konstellation spielt.

Natürlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, uns die anderen Enden mal anzuschauen. Und so wie es aussieht haben wir wohl eines der besseren Enden erwischt … Tatsächlich kamen einige Seiten in dem Buch bei uns gar nicht zum Tragen, weil wir andere Entscheidungen getroffen haben, als die, die zum Auslösen der jeweiligen Situationen nötig gewesen wären … Glück gehabt.

Lecker

  • Tolles Artwork
  • So viele verschiedene Emotionen!
  • Gemeinsam für den Frieden. Oder auch nicht. Weder gemeinsam. Noch Frieden. Oder doch?
  • Ich empfehle euch, zu diskutieren und abzuwägen, welche Entscheidung welche Konsequenzen bringen könnte. Das macht echt Spaß!

Pfui

  • Nix für Spiele-Neulinge
  • Die Regeln sind viel und zäh und haben ganz schön abgeschreckt anfangs, weil das Erklären langwierig war
  • Nix für Leute, die schnell zwischendurch was spielen wollen - man braucht viel Zeit dafür!
  • Manche Karten kleben einem ganz schön lang an den Hacken
  • Auf dieses Spiel muss man sich einlassen, damit es richtig funktioniert.

Fazit

Kaddy fliiiiiieeeeeegt

  "Gen 7 zeigt, dass Weltraum doch cool sein kann! Es war mir eine große Freude, das Spiel zu spielen und ja, wahrscheinlich könnte ich es auch ein 2. Mal spielen, ohne, dass ich die gleichen Dinge erleben würde. Aber ich würde es nicht tun. Zu einem Kampagnenspiel gehört ja auch das Erlebnis des Erkundens, des Entscheidens und Diskutierens. Und das würde im zweiten Durchlauf dann ja quasi wegfallen, weil ich das Gegenteil dessen machen müsste, was ich das letzte Mal getan habe. Für uns 3 war es eine tolle Erfahrung, die wir alle 3 auch weiterempfehlen würden, wenn jemand Lust auf ein etwas aufwendigeres Spiel hat und auch die passenden Mitspieler dazu. Denn das ist Voraussetzung, damit man Freude hier dran hat: Gemeinsam die Geschichte von A bis Z gemeinsam erleben. Das war super. Warum 7 Punkte? Naja ... es ist Gen 7! ;-) Ich leg aber noch ein dickes Plus drauf, denn ich finde es ist eine echt gute Superfritte, die nur knapp an der 8 vorbeiflutscht. Ein Manko, das ich nur kurz erwähnt habe, das ich etwas schade finde und das unter anderem zur Note beiträgt, ist, dass wir einige Karten hatten, die uns sehr lang im Spiel begleitet haben. Das hätte ruhig abwechslungsreicher sein dürfen. Dann noch die Sache mit den Regeln (zu aufgepumpt und daher abschreckend. So schwer ist das Spiel nicht, wie es sich anhört.) und zack hat man eine Superfritte"
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Superfritte

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