Ishtar

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Gartenarbeit in Babylon

Die Legende ist in einem ganz kurzen Satz zusammengefasst: „Plärre, und Wasser wird fließen.“ Und tatsächlich ist da was dran, heute immer noch. Aber in der Legende ist es anders gemeint. Was wir jedenfalls zu tun haben, ist Gartenarbeit. Und zwar in Konkurrenz, denn wer am Ende die meisten Siegpunkte für sich verbuchen kann, gewinnt das Plättchenlegespiel Ishtar von Bruno Cathala und Evan Singh. Bei iello erschienen und hierzulande via Hutter vertrieben. Wir schauen auf das recht üppig ausgestattete Ishtar – Die Gärten von Babylon.

Blühende Oasen in der Wüste

Das wichtigste Lebenselement ist in der Wüste recht sparsam vertreten: Wasser. Aber zum Glück sorgte die Göttin Ishtar dafür, dass ein schier unaufhörlicher Quell an Plätschernass sich aus dem Boden ergießt, der via opulenter Brunnen so manche Bereiche in der Wüste zieren. Um Wasser müssen wir uns also nicht sorgen, sondern können fleißig das Gartenschäufelchen in den Boden rammen und wild Samen säen.

Unsere Aufgabe ist es die Wüste zu besiedeln, und zwar mit Blümchen, Beeten und Bäumen drauf. Alles schick schick grün und bunt für unsere Königin. Da die Wüste begrenzt ist, und so manch andere Knollnase mit uns am Staubboden rumdoktert, entflammt hier ein Area Control der biologischen Art. Die Landeinnahme ist eine schöne, eine mit sauerstoffreichem Zweck. Es geht nicht um Krieg und Verderben, es ist um das Wunderschöne, dem Herzewarm, dem Königinnenwollen. Und klar, es geht um Siegpunkte, denn ökologische Fußstapfen betreten wir hier nicht wirklich. Dazu kommt Ishtar mit allerlei Tamtam in die Spielregale. Ne fette Kiste mit aufwendig gestanzten Geländeplänen, Pflanzenplättchen, Juwelen und Bäumen und so weiter sind drin enthalten. Des Weiteren beinhaltet die Schachtel ein Inlay, bei dem nichts ruckelt oder wackelt. Wow. Hier war Maßarbeit im Vordergrund. Ishtar ist hübsch, mit allerhand Schischi und TamTam. Ein Hingucker. Ein Augenmagnet. Ein Wowzuwenderer. Optisch macht Ishtar alles das, was die Gärten Babylons sicherlich auch getan haben: Wow, Uff, Irre, Hey. Auch Biboun, der für die Illustration sich verantwortlich zeichnet, hat alles insofern richtig gemacht, dass Ishtar eine Augenweide ist.

Aber nicht nur gucken, auch anfassen und spielen ist gefragt. Wie schaut es denn da aus? Kann Ishtar auch ein Geruch von Rosenstrauch, ein erfrischender Palmenwedelluftzug und einen Geschmack von frischen Minzblättern im übertragenen Sinne bescheren?

Hör mal Schatz, die Grillen. Schnüffschnüff, ich riech nichts.

Bei meinen Spielendenerfahrungen scheiden sich bei Ishtar die Geister. Ich habe so manch Menschen erlebt, die einen sehr großen Gefallen am Spiel gefunden haben. Und wieder andere meinten, dass dieses Spiel lediglich in Sachen Optik ne Versuchung ist, spielerisch aber voll langweilig sei.

Ich für meinen Teil schließe mich eher der ersten Fraktion an, den Ishtar hat mir recht gut gefallen.

Ich mag an Ishtar das Plättchenlegen und die Form von Area Control. Mein Beet bleibt mein Beet und ich breite mich aus. Ich mag den Wettkampf, die Möglichkeiten seine Spezialfähigkeiten zu nutzen und diese zu entwickeln, ich mag die Ausstattung, und ich mag den Zugmechanismus, auch wenn ich die Ausgabe für einen Juwel für Plättchenüberspringungen für sehr teuer halte. Aber nun, muss man halt mal machen. Ich mag die Zügigkeit des Spiels, das Offensichtliche am Spiel (alles liegt klar vor Augen), und ich mag es, wenn Leute am Spieletisch stehen bleiben, ihre Arme verschränken und ganz magisch angezogen werden von dem Spiel. Ja, Ishtar ist verführerisch.

Was ich eher nicht so mag war die Tatsache, dass wer auf Bäumepflanzen verzichtete, auf jeden Fall punktemäßig hinten liegt. Komme was wolle. Ein Gewinn des Spiels ohne Bäume (oder mit nur wenigen Bäumen) ist nicht möglich. Darum ist es unumgänglich seine Juwelen in Bäume zu investieren. Hier hätte ich mir weitere Gewinnstrategien gewünscht, als diese Einbahnstraße. Und etwas schade fand ich auch, dass das eigene Tableau mit den vielen Spezialfähigkeiten nicht in Gänze im Spiel ausgeschöpft werden kann. Schade, aber okay. Dies war eher ein Anlass noch eine Partie zu spielen, um andere Fähigkeiten zu nutzen.

Und dennoch ward es mir so, dass ich nach einigen Partien Ishtar die Nase erst mal voll hatte vom Gartenbau. Ishtar ist gut hier und da und in unregelmäßigen Abständen auf dem Tisch zu sehen. Es ist kein Spiel, was man immer und immer wieder rausholen und spielen will. So erging es der Fraktion, die es mochten, und auch denen, die dem Spiel wenig abgewinnen könnten. Auch die wären einer weiteren Partie nicht abgeneigt, aber muss auch nicht.

Ist das ein Zeichen von Durchschnittsware? Ich kann es nicht genau sagen. Ishtar macht schon Spaß, sieht klasse aus, ist gut spielbar. Aber dennoch ist es kein Spiel, was so innovativ und neu und besonders ist, um es immer und immer wieder zu spielen.

Ich sehe Ishtar zwar als Gast, der aber eher unregelmäßig und so ab und zu zu Besuch kommt. Was aber okay ist. Tut nicht weh. Ich freue mich, wenn Ishtar zur Tür reinkommt und mal wieder hallo sagt, aber aktiv rufe ich nicht jede Woche oder jede zweite durch.

Lecker

  • Wow. Was für eine Ausstattung!
  • Das Spielfeld wird immer voller und die Luft dünner.
  • Das Inlay des Spiels ist der Wahnsinn.

Pfui

  • Ohne Baumbau ist kein Gewinn möglich.
  • Schade, dass man sein Tableau nicht vollends ausbauen kann.

Fazit

Funfairist legt die Gartenschüppe beiseite und sagt

Gute Fritte. Sieht klasse aus, spielt sich sowohl in ner 2er bis 4er Besetzung gut, macht Freude. Nett, wenn es da ist, und auch okay, wenn wir uns nach längerer Zeit wiedersehen. Verschwinden soll es nicht. Aber schlimm ist es auch nicht, wenn man mal ne Zeit lang nicht so viel von einander hört. Herzlichen Dank an Hutter, die uns dieses Spiel für eine Rezension zur Verfügung gestellt haben.
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