Photosynthese

Brettspiele Frittenrezensionen
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"Na ja"-Fritte

Ich mag Sonne

Auch Bäume (und andere Pflanzen) finden Sonne super. Da gibt es etwas, dass sich Photosynthese nennt. Das hilft den Dingern beim Überleben. Für all diejenigen von euch, die im Biologieunterricht nicht so gut aufgepasst haben hier noch einmal kurz die wissenschaftliche Bedeutung von Photosynthese. Wikipedia sagt:
„Bei den Landpflanzen findet Photosynthese in den Chloroplasten statt (…)

Die Photosynthese ist ein physiologischer Prozess zur Erzeugung von energiereichen Biomolekülen aus energieärmeren Stoffen mithilfe von Lichtenergie. Sie wird von Pflanzen, Algen und einigen Bakterien betrieben. Bei diesem biochemischen Vorgang wird mithilfe von lichtabsorbierenden Farbstoffen, wie z. B. Chlorophyll und Bakteriochlorophyll, die Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt.(…)“

Und wenn Bäume Energie bekommen, dann können sie auch wachsen. Und daher passt der Titel hier auch gut zum Spiel! Bei Photosynthese wollen wir nämlich unsere Bäume wachsen lassen, neue Bäume einpflanzen und zum Schluss holzen wir die großen ab, um Kohle zu bekommen – hier in dem Fall ist es kein Geld, das wir bekommen, sondern wir bekommen Siegpunkte. Aber im echten Leben kann man ja nicht mit Siegpunkten bezahlen. Obwohl ich das ziemlich cool fände. „Guten Tag, ich hab letztens ne Partie Agricola gespielt und 300 Punkte gemacht. Dafür hätte ich gern 10 runde Brötchen und ne Puddingbrezel. Zum Mitnehmen, bitte.“

Naja, weg vom Bäcker, zurück in den Wald. Photosynthese ist ein Spiel für 2-4 SpielerInnen ab 8 Jahren und dauert n Stündchen in etwa. Meine Erfahrungen sagen aber, dass man auch mit einer Dreiviertelstunde gut auskommt, wenn man keine Langzeitdenker am Tisch hat. Sollte man solche Menschen mitspielen lassen, kann man sich auch schonmal drauf vorbereiten, dass eine Partie die Stunde auch überschreiten kann … Es stammt aus dem Haus Blue Orange bzw. Asmodee. Der Autor heißt Hjalmar Hach und dieses Jahr ist auch Dragon Castle von ihm erschienen. Sabrina Miramon hat die schönen Illustrationen zu diesem Spiel beigesteuert. Sie hat übrigens auch Quadropolis und Dice Hospital angemalt. 😉

Mach ma Licht an und erzähl endlich worum geht.

Also: Jeder von uns hat kleine Bäume, große Bäume und mittlere Bäumen und Baumsamen. Manche von ihnen stehen uns schon zu Beginn des Spiels zur Verfügung (sie sind pflanzbereit), andere müssen wir erst noch einkaufen und zwar mit Hilfe von Sonnenpunkten.

In der Tischmitte liegt das Spielfeld, das eine Lichtung darstellt. Dort sind Felder abgebildet, auf denen wir die Bäume einpflanzen können. Außerdem gibt es eine Sonne, die das Spielfeld umrundet und so dafür sorgt, dass nach jeder Runde woanders die Sonne scheint (sie geht immer von Ecke zur Längsseite, dann wieder zur Ecke und zur Längsseite usw.) (macht es eigentlich Sinn, bei einem quadratischen Spielfeld davon zu sprechen, dass es eine Längsseite gibt?! ;-)). Dadurch, dass sie von unterschiedlichen Seiten aus scheint, ist natürlich auch der Einfallwinkel ein anderer. Daher sollten wir beim Pflanzen unserer Bäume darauf achten, wohin wir sie stellen. Denn wenn die Sonne scheint, werfen Bäume auch Schatten. Und wenn ein großer Baum vor einem kleinen Baum steht und einen Schatten auf ihn wirft, kann der kleine Baum keine Sonnenpunkte verdienen. Und die braucht man aber, um neue Bäume und Samen zu kaufen. Da ihr nicht wollt, dass der kleine Baum traurig wird, solltet ihr also aufpassen, welcher eurer Bäume wo steht und wann von wo die Sonne scheint und dann entsprechend agieren, um den Baum wachsen zu lassen … (Außerdem gibt es mehr Sonnenpunkte für größere Bäume als für kleinere Bäume, wenn die Sonne sie erreicht.)

Wenn der kleine Baum irgendwann groß geworden ist (das Wachsenlassen kostet auch Sonnenpunkte) könnt ihr ihn dann abgeben, um dafür Punkte zu erhalten. Abhängig davon, wo der Baum gepflanzt war, gibt’s unterschiedlich viele Punkte dafür. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Ich will mehr! Mehr!

Gut so! Denn ihr könnt bei Photosynthese auch neue Bäume wachsen lassen, indem ihr Samen einpflanzt. Stellt euch das so vor: Ein Samen liegt auf einem Baum. Ein kleiner Baum wirft den Samen dann ein Feld weit, ein mittlerer wirft ihn 2 Felder weit und ein großer 3 Felder weit. Und in dem Umkreis kann der kleine Samen dann beginnen, zu wachsen. (kostet auch Sonnenpunkte)
Kein Wunder also, dass es auf der Lichtung auch schnell mal voll werden kann, wenn alle ihre Bäumchen einpflanzen und wachsen lassen wollen.

Wie ihr vielleicht schon erkannt habt, haben die Bäume eine wichtige Rolle. Denn nur, wenn sie Sonnenpunkte nach Hause bringen, dann könnt ihr sie auch gebrauchen. Schließlich wollt ihr viele Bäume, große Bäume und möglichst Punktchips mit vielen Punkten darauf.

Hier könnt ihr euch bei Interesse die ganzen Regeln  und ihre Details anschauen.

Hype

Noch auf der Spieldoch in Duisburg vor einigen Wochen war der Hype um Photosynthese riesig. Am Asmodee-Stand prangten die grünen Blätter in fast lebensgetreuer Größe von der beleuchteten Messewand, das Spiel war innerhalb kürzester Zeit auf der Messe nicht mehr zu haben. Und auch so habe ich ganz viel Gutes von diesem Spiel gehört und konnte es kaum erwarten, die Schachtel aufzureißen, die uns freundlicherweise von Asmodee zur Verfügung gestellt wurde. Wow – was für ein schönes Spielmaterial. Ich mag ja Spiele, in denen man haptische Erfahrungen macht. Und dann sehen die Bäume auch nur Turbo aus und zwischendurch versteckt sich mal ein Eichhörnchen oder ein Hase irgendwo im Gras. Voll süß. Daran gab es schonmal nix zu meckern.

Die erste Partie, die wir gespielt haben, war eine Zweierpartie. Wir platzierten unsere Bäume auf der Lichtung, ließen die Sonne wandern, setzten Samen ein, holten und Punkte durchs Abholzen und dann war das Spiel vorbei. Ja, es war taktisch und die Überlegungen, welche Bäume wo landen sollen, sollten auch nicht leichtfertig getroffen werden. Aber ganz ehrlich? Wenn die Leute das hier so hypen, dann lese ich mir besser nochmal die Regeln durch, um sicherzugehen, dass wir nicht falsch gespielt haben. Also: Regeln nochmal gelesen. Nee, alles richtig gemacht. Okay, vielleicht taugt das zu zweit nichts. Leute eingeladen, mit mehreren gespielt. Gut, die Lichtung wird natürlich voller und die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, müssen daher noch besser durchdacht sein. Aber weder mit drei, noch mit vier Spielern habe ich ein einziges Mal gehört, dass es jemand nochmal spielen möchte. Es kamen eher so verhaltene „Nee, pack ruhig mal weg. Was hast du denn noch so dabei?“

Mit keiner Besetzung habe ich bei Photosynthese so ein richtig tolles Spielerlebnis gehabt, das mir lang im Kopf geblieben ist. Bei Langzeitdenkern zieht sich gerade im Spiel zu viert die Downtime total, weil man einfach nur darauf wartet, wieder dran zu sein, um einen Baum wachsen zu lassen.  Puuuuh. Gut, dass Geschmäcker unterschiedlich sind, aber Photosynthese wird in meinem Spieleregal eher in die hinteren Ecken rutschen. Jedoch macht es mit 4 Spielern (ohen Langzeitdenker) dann schon am meisten Spaß, weil dann auf der Lichtung das Gerangel um die sonnigsten Plätze ordentlich abgeht.

Das Thema ist trotz alledem gut umgesetzt – mir fehlt aber Interaktion. Natürlich bin ich als BaumMeister (Wortspiel!) davon abhängig, wo meine Mitspieler die Bäume hinsetzen und von wo die Sonne das nächste Mal scheint. Einige dieser Dinge kann ich selbst beeinflussen (in dem ich KLUK die Plätze meiner Bäume wähle, soweit möglich). Allerdings hätte ich es auch cool gefunden, wenn ich in der Lage wäre, einen Holzwurm in den Baum eines Mitspielers zu schmuggeln. Oder vielleicht kommt auch ein Waldbrand, der Bäume in einem bestimmten Umkreis abbrennt. Oder was auch immer. Aktionskarten wären noch cool gewesen. Einige von euch werden sich wahrscheinlich darüber freuen, dass dieses Spiel im Endeffekt keine Glücksfaktor hat – ich find es ein bisschen schade, weil ich es nicht abwechslungsreich finde. Daher ist der Wiederspielreiz bei mir auch gering.

Lecker

  • Wunderschönes Spielmaterial
  • Bäume pflanzen will gut überlegt sein
  • Wird gerade mit 4 Personen schon eng auf der Lichtung

Pfui

  • Langzeitspaß ist in der Sonne verdampft
  • zu zweit eher lahm

Fazit

Ich bin ein Baaauuum in der Sonneeee

"4 Punkte von 10 für Photosynthese - wegen der tollen Illustration und dem haptischen Erlebnis, das man beim Spielen hat. Die Bäume sehen schön aus und auch die volle Lichtung macht was her. Mehr Punkte gibt’s von mir allerdings leider nicht, weil mich das Spiel eher gelangweilt hat als in mir Endorphine zu produzieren - das kann Sonne dann doch besser. Von daher geh ich jetzt mal in die Sonne. Das Spiel bleibt aber im Schatten, damit die Farben der schönen Gestaltung nicht verblassen."
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"Na ja"-Fritte

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