Mystic Vale

Frittenrezensionen Kartenspiele
8

Absolute Superfritte

Einen Blick auf Mystic Vale konnten wir bereits schon auf der Neuheitenschau auf der Spielemesse in Essen letztes Jahr erhaschen. Da war bereits die Vorfreude groß und die Augen leuchteten ob der doch eher ungewöhnlichen Kartenausstattungen. Dann wurde noch ein rascher auf das Setting geworfen und zack: Herzchen inne Augen. Wie man das ja so oft hat, bei hübschen Spielen.

Heute ist es dann auch endlich so weit, dass wir euch davon berichten wollen, was Mystic Vale wirklich kann und nicht nur, ob es hübsch aussieht oder nicht 😉

Fangen wir doch mal vorn an.

Also, Mystic Vale ist ein Card-Crafting-Kennerspiel von Pegasus Spiele für 2 bis 4 Druiden. Einplanen sollte mal laut Schachtel für eine Runde 45-75 Minuten.  Den Autor, das ist der John D Clair, kannte ich jetzt nicht von anderen Spielen, aber er hat eine BGG-Seite und das will ja schon was heißen ;-). So oder so hat John aber Mystic Vale gemacht und daher ist er spätestens jetzt bei mir bekannt und … da ich ja noch nichts verraten will, werde ich an dieser Stelle natürlich auch noch nicht verraten, ob er bei mir auch beliebt ist. Um das zu erfahren, müsst ihr den Artikel GANZ durchlesen. GANZ. Haha!

Was ist denn da so mystisch?

Die Geschichte hinter Mystic Vale ist die folgende: Das Tal des Lebens ist verflucht worden (WER MACHT DENN SOWAS????) und wir gehören einem von 4 Druidenclans an, die versuchen wollen, den Fluch zu bannen und das Tal zu retten. Allerdings tun wir das nicht kooperativ, sondern gegeneinander. Schließlich möchte jeder von uns der beste Druide im Tal sein oder es werden. Und auch, wenn es nicht nötig ist, um das Spiel zu spielen, finde ich es cool, dass es auch noch Beschreibungen zu den 4 Clans gibt – so entscheidet man sich mit der Startkartenfarbe (ich will wie immer pink und wie immer gibt es kein pink) auch direkt für einen der Clans: Für die Tierbrüder, die Lebenswächter, die Suchenden der Morgenröte oder die Wellenhüter. Die Begleittexte am Ende der Regeln erklären die verschiedenen Einstellungen dieser Clans. Trägt außer Atmosphäre zum Spiel aber eigentlich nix bei..

Öko gegen Zocker

Alter Schwede. Viele Karten. Viel Plastik. Der Inhalt von Mystic Vale ist definitiv nix, was das Ökoherz höher schlagen lässt – im Gegenteil. 114 Aufwertungen warten darauf, die Plastikhaut abgepuhlt zu bekommen. Und unter den Plastikhäuten warten: Plastikkarten. Naja. Bei Spielen drücke ich ja eh meistens noch ein Auge mehr zu, als ich es eh schon tun würde. Ist ja quasi für den guten Zweck. Nichtsdesto trotz ist da ne Menge an Plastikmüll vorprogrammiert.
Aber vorher steht erstmal noch was anderes an: Knibbeln deluxe. Die Folien lassen sich beim ersten Spiel eher schlecht ablösen. Natürlich hat Pegasus da vorgesorgt und einen Hinweis in die Spielschachtel gelegt: Im Laufe der Partien nutzen sich die Folien ab, sodass sie leichter entfernt werden können. Aber ohne Folien sehen die Karten noch viel schöner aus – denn dann sind sie nicht mehr leicht milchig, sondern richtig schön klar und zumindestens in der ersten Partie auch noch frei von Kratzern. Da schlägt wenigstens noch das Zockerherz direkt ein bisschen höher, wenn die Karten dann so fein aussehen. Also muss auch direkt mit dem ersten Spielen die Plastikfolie runter.

Startkarten

Wer glaubt, dass die Fummelei schon nach den 114 Aufwertungen erledigt ist, der irrt sich. Denn auch die Startkarten in den 4 Spielerfarben wollen alle gesleeved werden – denn schließlich werden die Karten ja auch im Laufe des Spiels gefüttert. Was das bedeutet, erfahrt ihr in einigen Sätzen. 😉

Das sind dann also nochmal 80 Karten, die eingepackt werden wollen. Vielleicht an dieser Stelle auch einmal einen Tipp für euch: Macht es am besten nicht so wie ich und konzentriert euch beim Sleeven ein bisschen – wenigstens ein BISSCHEN! Ich hab nebenbei ein Erklärvideo für Mystic Vale geschaut und fleißig die Startkarten in die Umschläge gesteckt – …… um dann festzustellen, dass alle Karten verkehrt herum in den Schluppen waren. Tja. Kacke. Also alle 80 wieder raus und umdrehen und wieder rein damit. Ein Riesenspaß. Naja, jetzt wisst ihr mal, wie ich meine Sonntagmorgen so verbringe: Karten in durchsichtige Hüllen stecken und wieder rausholen. Und dann wieder reinschieben. Man nennt mich auch Sisyphus. Aber gehen wir jetzt mal weiter ins Spiel und hören auf, meine hin und wieder auftretende akute Dummheit zu besprechen.

Deckbuilding

Jeder von euch kennt sicherlich Dominion. Oder? Naja, Dominion ist ja ein Deckbuilding-Spiel, in dem wir mit einem gewissen Startkapital an Kohle bzw. Siegpunkten starten. Davon kaufen wir uns peu a peu neue Gegenstände oder Ausrüstungen oder Unterstützungen, die unser Deck im Laufe des Spiels immer größer, stärker und wertvoller machen. Und das kann am Ende dann, wenn man nicht daneben gegriffen hat, mit seinen Einkäufen, dazu führen, dass man die meisten Siegpunkte hat und das Spiel gewinnt. Soweit klar.
Von Deckbuilding kann man bei Mystic Vale im Groben auch sprechen. Aber eben nur im Groben, denn Mystic Vale ist anders als z.B. Dominion. Natürlich unterscheiden sich die beiden Spiele thematisch völlig, was einfach von Beginn an für eine andere Grundatmosphäre sorgt. Aber noch einen grundlegenden Unterschied gibt es bei Mystic Vale – wir stellen nicht “einfach” unser Deck zusammen, in dem wir mit dem vorhandenen Guthaben, das wir zur Verfügung haben, neue Karten kaufen, die uns stärken und unser Deck im Laufe des Spiels anwachsen lassen. Nein, nein. Bei Mystic Vale kaufen wir zwar Karten – aber wir werden niemals mehr als die Anfangsstartkarten haben. Denn das ist der Clou: Die Karten, die wir als Aufwertungen erwerben können, sind durchsichtige Plastikkarten. Und die schieben wir in unsere gesleevten Startkarten. Jede Startkarte hat Platz für 3 “Dinge”. Das kann man schlecht erklären. Guckt mal hier:

Und so sind wir also damit beschäftigt, im Laufe des Spiels  zuerst einmal möglichst viele Manapunkte in Form von Aufwertungen auf unsere Karte zu knallen, die wir, immer, wenn wir sie ausspielen, zum Einkaufen nutzen können.

Davon kaufen wir dann wiederum mächtigere Karten, die uns dann irgendwann genug Seelenpunkte bringen, damit wir Unterstützungen kaufen können. Das hier sind Unterstützungen:

Natürlich ist das noch nicht alles an Spielprinzip. Was noch wichtig und vor allem interessant zu erwähnen ist, ist die Tatsache, dass man auch ein bisschen Zocken muss. Denn man muss mit jeder Karte, die man aus seinem Deck ausspielt, nachdem schon 3 rote Bäume ausliegen, entscheiden, ob man noch eine weitere Karte danach ausspielen möchte. Wenn man da zu gierig ist und plötzlich zu viele rote Bäume im ausgespielten Deck ausliegen, dann ist der Zug vorbei und der Boden ist verdorben. Da wächst nix mehr und der Boden regeneriert sich bis zum nächsten Spielerzug. Dann kann man wieder Blümchen pflanzen.

Falls euch die ganzen Regeln interessieren, dann schaut ruhig hier einmal nach. Da könnt ihr das nachlesen. Und keine Sorge – das sieht nach ner Menge Lesestoff aus, ist aber wirklich gut und verständlich gehalten.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass Mystic Vale ein Deckbuildingcardcraftingspiel ist: Wir bauen uns ein Kartendeck auf und die Karten fertigen wir uns nach unseren Wünschen (naja, nicht immer…….) an.

Pros und Cons

Mystic Vale bringt einige Vor- und auch einige Nachteile mit sich. Fangen wir mal mit den guten Dingen an:

  • ES GIBT MYSTIC VALE! Ja, das freut mich sehr. Mystic Vale hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich kann die nächsten Partien kaum abwarten. Es lässt sich auch gut zu zweit spielen und funktioniert genauso gut mit 4 SpielerInnen. Ich bin Dominion-Fanin und finde, dass Mystic Vale in vielen Teilen echt mithalten kann.
  • Mystic Vale bringt vor allem den großen Vorteil, dass eine Partie niemals (so würde ich behaupten) genauso laufen kann, wie eine andere Partie einmal lief, da die Aufwertungskarten immer wieder anders gemischt werden und jedes Mal in einer anderen Reihenfolge auf den Tisch kommen.
  • Eine tolle Atmosphäre entsteht auf jeden Fall bei diesem Spiel. Ich hätte schon nicht übel Lust, meinen Druidenhut rauszukramen und aufzusetzen. Dann vielleicht noch einen kleinen Zauberstab in der Hand und ab gehts. Ach, und Glitzer. Ich hätte natürlich noch Glitzer dabei. Aber das hat vielmehr mit meiner Liebe zu Glitzer zu tun, als mit Mystic Vale.
  • Mystic Vale geht super zu zweit! Ebenso gut geht es auch mit mehr Spielern – das Spielgefühl ändert sich dabei für mich nicht. Zumal es in den Regeln auch noch den Hinweis gibt, dass man “parallel” spielen kann (also bereits mit seinem Zug anfangen kann, obwohl noch ein anderer Spieler dran ist), damit die Wartezeit nicht so lang ist.

Kommen wir mal zu den negativen Sachen:

  • Was leider wirklich fehlt, und das habe ich nicht nur alleine so empfunden, ist die Interaktion zwischen den Spielenden. Und das ist auch genauso gemeint, wie ich es schreibe. Es gibt sie nicht. Jeder baut sich fleißig sein Deck zusammen, aber hat im Endeffekt gar nichts mit dem/den anderen zu tun, außer, dass vielleicht mal der eine oder die andere eine Karte wegkauft, die man lieber selbst hätte kaufen wollen. Ich hoffe daher inständig auf die Erweiterungen von Mystic Vale und darauf, dass dieser Kritikpunkt zukünftig kein Thema mehr ist.
  • Was wir bei unserer ersten Partie noch als “Anfängerfehler” abgestempelt haben, hat sich leider auch in den darauffolgenden Runden gezeigt: Der Einstieg ins Spiel ist ein bisschen langwierig, weil man noch nicht so viele starke Aufwertungen kaufen kann. Wenn dann die Karten richtig schön fett sind und ordentlich Zaster bringen – ja, dann ist das Spiel auch meistens schon vorbei, weil die Siegpunkte alle sind. (Es gibt eine vorgegebene Anzahl an Siegpunkten, die vorgegeben sind, abhängig von der Spieleranzahl.) Das ist total schade! Denn gerade mit den mächtigen Karten macht das Spielen richtig Spaß. Man kann es natürlich so handhaben, dass man einfach mehr Siegpunkte herauslegt, als in der Regel angegeben sind – aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Gemacht haben wir es trotzdem, weil wir länger spielen wollten 😉
  • Ja, stempelt mich ruhig als Öko ab, aber auch, wenn es für die Aufwertungskarten sicherlich gut ist, in Plastik eingehüllt zu sein, so ist es für ein Brett- bzw. Kartenspiel dann doch ganz schön viel Müll, den man da produziert und auch nicht weiter verwenden kann. Aus den Papptafeln, die wir alle immer fleißig auspöppeln, kann immerhin noch Kunst gemacht werden. Aber aus den Plastikwürstchen kann dann wirklich nur noch Mülleimerfutter gemacht werden.
  • Nach einigen Partien sieht man schon die ersten Gebrauchsspuren an den Karten, weil die ja auch mal hier oder da über den Tisch gezogen und / oder geschoben werden oder weil man sie ungünstig ins Sleeve gesteckt hat (oder dran vorbei…… 😉 ) und da ein Kratzerchen ein Plätzchen gefunden hat. Ich bin sehr gespannt, wie die Karten in einem halben Jahr aussehen, wenn die so richtig ordentlich durchgezockt wurden.

Auch, wenn die negativen Aspekte mehr Platz in diesem Bericht einnehmen, als die positiven (ich meckere halt gern.. 😉 ), überwiegen sie für mich nicht (also.. nur teilweise..). Ach, wat ein Drumherumgequatsche. Ich fasse zusammen:

Fazit

Kaddy macht´s spannend:

  "Nein, mach ich jetzt nicht mehr. Ich bekenne mich: Ich finde Mystic Vale wirklich toll!!! Wenn die Interaktion zwischen den Spielern nicht fehlen würde und der Spielspaß zum Rundende hin länger dauern würde  dann hätte ich tatsächlich eine "Voll Turbofritte" verliehen. Aber da ich das doch schon als einschneidende, fehlende Elemente ansehe, rutscht Mystic Vale leider knapp an der Turbofritte vorbei und bekommt von mir eine Superfritte. Schade!! So viel Potenzial - aber wie schon gesagt, wir werden auf jeden Fall auch einen Blick in die Erweiterung(en) werfen und die Daumen drücken, dass dann die Turbofritte vielleicht noch im Nachhinein vergeben werden kann. Ein altbekannter Mechanismus, der mit einem neuen Mechanismus kombiniert direkt zu nem ganz anderen Spiel wird - wie cool ist das denn? Ich find´s toll. Allein die Spielerei mit dem "Karten füttern" macht so viel Spaß, dass ich gar nicht aufhören will, Aufwertungskarten zu kaufen. Und das ging auch allen meinen MitspielerInnen so."
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