Pagan – Fate of Roanoke

Brettspiele Frittenrezensionen

Bist du eine Hexe?

Vor einiger Zeit lief auf Kickstarter eine Kampagne, bei der man die Möglichkeit hatte, das 2-Personen-Spiel Pagan – Fate of Roanoke von Wyrmgold zu unterstützen. Inzwischen ist die Kampagne mehr als erfolgreich abgeschlossen und mit über 100.000 EUR hat das ganze auch ganz gut geklappt, würde ich behaupten. Ich habe hier einen Prototypen von Pagan liegen (vielen Dank daher auch an dieser Stelle an Wyrmgold, die das Spiel für den Artikel zur Verfügung gestellt haben) und berichte euch heute mal davon.

Hier gibt´s einen kleinen Trailer, der euch meiner Meinung nach ganz gut das Gefühl widerspiegelt, das man beim Spielen von Pagan bekommt. Außerdem erfahrt ihr auch im Groben, worum es geht:

Für alle, die keinen Bock auf Kino haben, hier einmal die schnelle Zusammenfassung von Pagan:

Es handelt sich dabei um ein 2-Personen-Spiel, in dem einer die Hexe und der andere der Jäger ist. Es gibt 9 Dorfbewohner, die in der Mitte ausliegen und der Dreh- und Angelpunkt sind – denn eine(r) von ihnen ist die Hexe. Wer das ist, weiß aber nur die Hexe selbst. Alle Dorfbewohner bringen auch Aktionen mit sich, wenn man sie aktiviert, vorausgesetzt, sie sind nicht schon vom Gegenüber besetzt. Es gibt auch noch Aktionen für die Hexe und welche für den Jäger, die unabhängig davon ausgelöst werden können. Und beide Seiten haben die Möglichkeit, Karten auf ihren eigenen und unterschiedlichen Boards zu platzieren: Bei der Hexe sind das Tränke und Vertraute, beim Jäger Orte und Verbündete. Die bringen dann auch nochmal unterschiedliche Möglichkeiten ins Spiel, müssen aber auch bezahlt werden können. Man muss also die Augen und Ohren überall haben!

So ist es ein Hauen und Stechen, ein Nehmen und eine Geben ;-), eine Jagd um Einfluss, Geheimnisse und Gefälligkeiten.

Der Jäger hat die Aufgabe, die Hexe zu finden und dingfest zu machen. Die Hexe will, dass der Jäger 3 unschuldige Dorfbewohner um die Ecke bringt oder sie ihr Ritual durchziehen kann. Wer das jeweils eher schafft, gewinnt.

Hier könnt ihr euch die deutschen Regeln herunterladen, falls euch die Details interessieren.

Gesamtpaket

Pagan ist also ein asymmetrisches Spiel für 2. Beide haben unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Karten, teilweise auch unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten. Es muss (oder besser: sollte ;-)) geblufft werden und Deduktion ist – zumindest für den Jäger – ebenfalls ein wichtiges Element. Ich empfehle im Übrigen hierzu wieder mal eine gute Spotify-Playlist im Hintergrund. 😉

Ich habe Pagan – Fate of Roanoke schon als Prototyp kennenlernen dürfen und habe mit Wyrmgold im Lockdown gemeinsam am Tabletopia-Tisch gesessen und Pagan gespielt. Auch, wenn es kein Spaß ist als Neuling gegen Alex (den executive director ;-)) zu spielen, hat mir Pagan auch online schon viel Freude gemacht. Dann kam irgendwann der Prototyp eingetrudelt und beim Auspacken und Riechen wusste ich schon, dass es am Tisch noch besser werden würde: Die Marker und Einflussräder sind aus geflammtem Holz und sehen nicht nur sehr geil aus, sondern riechen auch super 😉 Und auch das restliche Material macht Lust, es anzufassen. Dann kommen noch die sehr atmosphärischen Illustrationen von Maren Gutt dazu und schon liegt da was echt Schickes auf dem Tisch.

Macht es auch Spaß, zu spielen?

Da kann ich sagen: Ja, macht es. Pagan ist ab 12 Jahren empfohlen und hat eine Spieldauer von 30 – 60 Minuten. In manchen Partien, da sind wir dann eher Richtung 60+ Minuten gerutscht, ist mir das Spiel an mancher Stelle um ehrlich zu sein manchmal zu lang geworden. Das war aber zum Glück eher die Ausnahme. In flotten Runden, in denen beide das Spiel kennen, gibt es nicht wirklich eine Downtime (es sei denn, jemand kann sich wirklich, wirklich GANZ schwer entscheiden, was zu tun ist) und dann kommt man auch gut in etwa einer Stunde durch.

Es kommen auch Gefühle zu Tage, die vom Handeln des Gegenüber abhängig sind. Es gibt so manche Karte, bei der ich in die Tischkante beißen möchte, wenn sie der Jäger spielt oder benutzt. Alles, was ich tun kann, ist mein Pokerface zu pflegen und mir nichts anmerken zu lassen, obwohl ICH GERADE VERDAMMT NOCHMAL AUSRASTEN KÖNNTE! Aber auch andersherum ist es natürlich so. Ich mag ja Interaktion und Emotion am Tisch – und das findet sich auch in dieser Schachtel hier.

Ich mag sowohl die Rolle des Jägers, als auch die der Hexe. Die spielen sich durch die individuellen Aktionen und Ziele und Möglichkeiten auch entsprechend unterschiedlich. Auf beiden Seiten kann man, wenn man das Spiel und die Karten irgendwann besser kennt, gut fühlen, worum es der Rolle im Spiel geht.

(Aber wenn ich aussuchen dürfte, wäre ich doch ein minibisschen lieber die Hexe …)

Ist das was für dich?

Ich würde Pagan schon eher zu den anspruchsvolleren 2-Personen-Spielen zählen, wenn ich die Kosmos-2er-Reihe (z.B.) daneben stelle. Ich persönlich finde es sehr stimmungsvoll und ich mag auch, dass es das Spiel schafft, eine Geschichte von (und für) 2 Personen zu erzählen. Ich weiß nicht, wie das endgültige Spielmaterial aussehen wird und ob es noch Änderungen dahingehend gegeben hat. Auch weiß ich nicht, ob es spielmechanische Änderungen gegeben hat, die zwischen Prototyp und fertigem Produkt liegen. Daher beziehe ich mich jetzt auf meine Tabletopia-Erfahrungen und die, die ich mit dem Prototypen hatte. Und die waren gut und ich hatte wirklich Spaß mit Pagan – Fate of Roanoke. Da ich aber das fertige Produkt nicht habe (hat ja noch keiner, glaub ich ;-)) werde ich in diesem Fall auch keine Bewertung in Form einer Frittennote abgeben.

Was man vermutlich auch gut erkennt, ist, dass da eine Menge Herzblut drin steckt. Das merkt man auch in den Details in Bezug auf die Story auf der Website, beim Video, bei den vielen Illustrationen. Und es hat sich gelohnt, denn für mich ist Pagan ein schönes 2-Personen-Spiel, das jedes Mal anders läuft und daher auch viel Raum zum Entdecken von Roanoke lässt.

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