Silver & Gold

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Gute Fritte

Tetris-Schatzsuche

„Harr Harr Harr!“, streicht es aus dem Schatzsuchermaul, und streichen ist ganz passend bei dem Spiel Silver & Gold, denn hier zücken wir uns den abwischbaren Stift und streichen uns viele Kreuze auf die laminierten Karten. Eine weitere Entwicklung „roll & write“-Spiele, das ohne Würfel und ohne Block auskommt, stattdessen hat man nur Karten. Ich schaue heute mal auf dieses kurzweilige Schatzsucherspiel von Phil Walker-Harding, welches beim NSV erschienen ist.

Schätze suchen?

Ganz ehrlich, und auch wenn ich hier so manche Traumblase vom großen gefundenen Goldschatz zerstören werde, nein, um Schätze geht es nicht wirklich bei Silver & Gold. Wenn man es genau nimmt, so haben wir hier ein zerstückeltes Tetris, was sich auf mehrere Karten aufteilt. Unsere Aufgaben befinden sich auf Karten, dargestellt durch Rechenheftkästchen. Jede Runde decken wir ein Tetris-Teil via Karte auf, und streichen die Form auf unserer Karte ab. Ist die Karte voll, wunderbar, geschafft, neue gezogen. So streichen wir Zug um Zug und Runde um Runde unsere Kästchen ab, und hoffen am Ende die meisten Punkte gemacht zu haben.

Was hier etwas lustlos, kalt und unemotional niedergeschrieben sich vielleicht lesen würde, ist in Wirklichkeit dankeshalber ein echt netter und sehr kurzweiliger Spielvertreib. Ich bin echt erstaunt, wie kurzweilig sich eine Partie Silver & Gold spielt. Hier fühle ich mich an die derzeit überdurchschnittlich oft aufpoppenden „roll & write“-Spiele neu erlebt, denn an sich ist dieses Spiel eins, was sich in diese Riege einreihen kann. Nur halt ohne Würfel. Und ohne Papierblock. Stattdessen läuft alles auf Karten ab. Fast passend, wenn es um Schatzkatzen geht. Na ja, so sehr sollte man nicht in die Spiele-Diegese eintauchen, denn was nützt einem eine Schatzkarte, die zum Beispiel 14 Kreuze hat? Und dennoch ist es ein „roll & write“-Spiel. Eine Karte mit einer Tetris-Form wird aufgedeckt (es wird kartengewürfelt), und dann haben alle was davon.

In Silver & Gold spielen alle gleichzeitig, und obwohl wir alle zusammen an einem Tisch, zusammen auf dem Boden, zusammen am Tresen unserer Lieblings-Sp(i)elunke sitzen, liegen und stehen, braut jede*r sein*ihr eigenes Süppchen. So richtig mitbekommen tut keiner, was der oder die andere macht. Also, auch hier kann ich mal wieder sagen: Spielendeninteraktion gibt es hier nicht wirklich. Das einzige Element, was ein wenig an Interaktion erinnert, ist, wenn man sich Karten mit Palmen aus der Auslage wegnimmt. Aber sonst – eher nein.

Schlimm ist das aber gefühlt nicht. Stattdessen versuchen wir alle zusammen, aber alle für sich, die Karten so effizient wie möglich zu nutzen. Durch die Übersicht der vorhandenen Tetris-Muster (erkennt man auf der Rundenkarte), schätzt man ab und plant, welches Teil wo wie am besten passt.

Planung und Glück

Doch richtig viel Planung kann noch und nöcher durchgeführt werden, wenn da nicht das große Thema des Glücks mit in Silver & Gold mit einmischt. Wir haben an sehr vielen Bereichen diese Fortuna mit im Bötchen sitzen, was aus diesem Kartenspiel fast ein noch größeres Glücksspiel macht, als bei manch Würfelspielen.

Glück zeigt sich, wie die Expeditionskarten mit den Tetris-Formen gezogen werden.

Glück zeigt sich, welche Schatzkarten ausliegen – vor allem, wenn es um die Palmen geht.

Glück zeigt sich, wer wie viele Goldmünzen hat und so viele Münzen streichen kann.

Glück zeigt sich, wer welche Siegel mit welches Schatzkarten verbinden und kombinieren kann.

Ich habe schon manch Partien erlebt, in denen ich versucht habe diverse Strategie zu fahren und bestimmte Karten mit bestimmten Siegeln kombinieren wollte, und dennoch konnte ich meiner Anstrengung nach nicht in diese Richtung punkten. Wenn die Karten nicht kommen, dann kommen sie eben nicht.

Lukrativ zeigen sich in den gespielten Spielen immer die lila-farbenen Karten – die bringen viele Punkte und haben auch hier und da nette Kreuze und Extras drauf.

Gestaltung

Ach ja, wo wir gerade bei „Kreuzen“ sind. Warum hat man auf die Karten rote Kreuze gemacht? Die sehen aus, als ob sie etwas Schlimmes sein. Ganz im Gegenteil, rote Kreuze zeigen sich richtig wertvoll, wenn man ein Feld noch mehr abstreichen darf. Und warum soll es überhaupt ein Kreuz sein? Weil wir Schatzkarten haben? Ach so … Vielleicht deswegen. Aber ist da der Schatz versteckt? Nein! Dann hätte es auch ein Papagei, oder ne Rum-Pulle getan, oder ne Muschel, oder sonst was … Also, das rote Kreuz verstehe ich nicht.

Aber das ist auch das einzige, was ich ankreiden würde. Sonst ist Silver & Gold ein wunderbar gestaltetes und vom Material her sehr wertiges Spiel. Ich mag die schön glatten, abwischbaren Karten, die Stifte von Faber-Castell und die Verpackung. Richtig schön.

Und wer weiß, wenn sich Silver & Gold gut verkauft, vielleicht schiebt der NSV noch eine Erweiterung nach, durch die es nicht so friedlich zugeht. Piratenkarten, Kanonenangriffe, verfluchte Schätze und noch mehr würden mir spontan einfallen. So könnte man auch mehr Interaktion mit den Mitspielenden hineinbringen. Ach, warten wir es ab …

Lecker

  • Keine Wegwerfzettel drin, alles abwaschbar.
  • Wie roll & write nur mit Karten.
  • Tetrisherzen schlagen schneller.

Pfui

  • Was sollen die roten Kreuze? Verwirrend.
  • Jeder macht sein Ding, Interaktion sehr wenig bis gar nicht.

Fazit

Funfairist buddelt folgendes persönliches Fazit aus

Eine richtig richtig gute Fritte für Silber & Gold. Ich mag das Spiel und finde es als Einstieg oder Absacker echt toll. Ich mag die Wiederverwendbarkeit des Materials und den flüssigen Spielfluss. Etwas mehr Interaktion mit den Mitspielenden wünsche ich mir, aber das ist ja mein Problem. Ansonsten – tolles Spiel und sehr kurzweilig. Vielen Dank an den NSV, die uns das Spiel zu Rezensionszwecken gestellt haben, darüber haben wir uns sehr gefreut.
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