8Bit Box

Brettspiele Frittenrezensionen
2

Kalte Fritte

Ein Sammelsurium an Einzelbausteinen

Ist nicht jedes Spiel in gewisser Weise ein Sammelsurium an Einzelbausteinen? Erst durch die Regeln und in der „richtigen“ Verwendung ergeben Karten, Würfel, Plättchen und Figuren erst einen entsprechenden Sinn. Für sich allein sind sonst diese Bestandteile nur eben das – Bestandteile. In 8Bit Box haben wir Retrofeeling, denn in dieser „Spielekonsole“ befinden sich gleich 3 Spiele, die man unterschiedlich spielen kann. Mal kommt hier etwas dazu, mal lässt man dieses und jenes weg, mal wird etwas ganz anders benutzt. Wir haben mal in diese 3 ersten Spiele der 8Bit Box von iello geschaut, die hierzulande über Hutter Trade vermarktet wird.

Der Wunsch nach dem Retro Gefühl?

Als ich las, dass iello eine „Spielekonsole“ herausbringen wird, die mit ihren Bestandteilen unterschiedliche Spiele formt, war ich baff. Als ich las, dass diese 8Bit Box an die alten Spieleklassiker der Bit-Zeit angelehnt sind, machte mein Herz einen Freudenhüpfer. Als ich las, dass diese Konsolenbox, so stylisch sie auch aussieht, in Serie noch mehr Spiele parat hat, die zu einer ausbaufähigen Marke werden könnte, war mein komplettes ich angefixt. Die 8Bit Box muss ich einfach haben und immer und immer wieder spielen. Das war klar. So mein Wunsch. Es war mein Traum.

Und dann kam der Tag X, und ich konnte es nicht mehr aushalten. Ich hielt sie in meinen Händen, und tatsächlich sah sie noch schöner aus, als auf den vielen Fotos, die ich davor sah, und sie fühlte sich so gut an. So voller Potential. So voller Möglichkeiten. So voll Retro.

Die Wirklichkeit sah anders aus, und mal dem Bit Gefühl schon recht nah.

Bit Gefühl

Bevor ich mich meinem Bit Gefühl widme, ein kleiner Ausflug an Nostalgie, vergangene Zeit, erhoffter Wiedererlebung und tatsächlicher Spielerfahrung. Ich war schon immer ein Mensch, der Bock und Lust auf Spiel und spielen hatte. Auch elektronische Spiele haben mich gepackt und ließen mich nicht und immer noch nicht los. Tatsächlich habe ich als Kind wie bekloppt an Konsolen und Rechnern gesessen und gespielt. Nächte spielte ich am Atari 2600, der Amiga lief heiß, und auch alte Konsolen wie Nintendo und Sega waren stets in den Flossen. Ich weiß, wie Frogger mein Leben war, wie ich tagelang Kings und Heros Quest und auch Space spielte, ich ballerte auf die Centipedes und weiß um die Space Invaders, ich habe die Geburt von Kirby erlebt, ich erinnere mich an Sega-McDonalds-Verbindungen in Global Gladiators und ja, auch ich war auf Speed wie unser kleiner Sonic Fuchs.

Wenn ich heute von Leuten höre: „Wollen ihr mal n Retro Tag einlegen und die alten Spiele spielen?“ Bin ich dabei. Und aus der Vorfreude wird oft nach schneller Zeit ein leicht gelangweiltes spielen. „Daran habe ich mich damals tagelang ergötzt?“ Oh weh! Eine Quake und Wolfensteingrafik war damals gefühlt eine Offenbarung. Heute stöhne ich wegen der schlechten Grafik und Gestaltung. Fand ich damals die Musik super, die mir Nintendo und Co in die Ohren zauberten, so kann ich sie heute höchstens als Chip Tune genießen. Meine Retro Vorstellung ist ein Wunsch nach Wiederempfindung, die so nie wieder eintreten wird. Damals war diese Spielezeit genau richtig, und durch mein durch Entwicklung verwöhntes Spielempfinden wird nie wieder diese Freude verspüren, wie ich sie einst empfunden habe. Wie sagte noch Kurt Krampmeyer, die alte Arschkrampe: „Poppe nicht Deinen Erinnerungen hinterher!“ Vielleicht verhält es sich auch so mit den Retro Games. Mal sind sie für den kurzen Augenblick gut, aber ganz ehrlich, wenn ich die Möglichkeit habe zwischen einem Retro Spiel und einem „Spiel von heute“, so greife ich doch eher zum heutigen Spiel, da sie sich frischer, ausgereifter, vielseitiger, hübscher, bombastischer, fertiger anfühlen.

Wenn ich nun auf die 8Bit Box schaue, dann blutet mein Herz. Oh weh, was will ich diese Box mit seinen 3 Spielen mögen. Sehr sehr gerne noch mal. Aber die Realität schaut anders aus, denn in diesem weißen Schuhkarton, der optisch echt ne Wucht ist, steckt leider nur ein paar Pixelstücke drin, die Spiele präsentieren, die alt und fade schmecken.

Der Vergleich mit dem Ei

Es ist wie bei einem Ü-Ei. Wir alle kennen diese kleinen Fettleibbomben, die an den Kassen uns anlächeln. Wir alle wissen, dass unter ihrer Alufolie nicht nur Schokolade steckt, sondern auch Spiel und Spannung. Und obwohl wir alle wissen, dass das einzig Brauchbare an diesen Eiern die Schokolade ist, kaufen wir diese Bomben aus Neugierde, was drin sein wird. Wir erhoffen den Happy Hippo, den Schlumpf, diese eine bestimmte Figur, die spätestens nach einer Woche eh im Müll landen wird. Was bekommt man? Ein blödes Auto, dass man wenigstens noch zusammenbaut, bevor es sofort im Müll landet. Die Schokoladeneihälfte reicht für je einen Happen. Zwei Hälften sind zwei Bissen – passen genau ins gierige Maul.

Bei der 8Bit Box haben wir es ebenfalls mit einem Ei zu tun. Eine tolle und ansprechende Verpackung, ein toller Verlag, und ne Menge an Spannung. Doch wie verhält es sich mit dem Spiel? Nun, leider ja ach so leider haben wir hier 3 Autos, die man zusammenbastelt, und sich dabei denkt: „Was soll ich damit?“

Pixospeedstadium

Pixoid ist ein Pac Man. Jemand ist dieses Pixoding und versucht so ungeschnappt wie möglich vor den Bugs zu fliehen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

In Outspeed düsen wir mit Fahrzeugen über 12 Runden dem Ziel entgegen und versuchen dabei schnell zu sein, Gegner abzuhängen und manch fahrtüchtigen Trick anzuwenden.

Im Sportspiel Stadium treten zwei Fraktionen gegeneinander an, die sich in unterschiedlichen Sportdisziplinen ausbooten und dabei Medaillen sammeln. Wer oben auf dem Treppchen steht, flötet die Siegesfanfare.

Schneller und kürzer kann man diese 3 Spiele nicht zusammenfassen. Gespielt werden sie fast alle gleich mit nur minimalen Veränderungen. Wir haben in der 8Bit Box Controller, die meistens blind eingestellt werden, die dann bei Aufdeckung etwas auf dem Spielfeld machen. Hier und da kommt mal ein Steinchen zum Einsatz, und so manch weniger Würfel wird geworfen. Alles in allem sind die Spiele auf das mindeste an Spielkunst reduziert, und das Retro-Herz macht einen Konsolensprung, der eckiger nicht sein kann.

Das schielende Auge auf die Möglichkeit geballter Bits

Je höher die Bitrate, desto schärfer das Bild. Schaut ein Bit Spiel schön eckig und klobig aus, so geht in einem Millionen-Bit-Spiel die Kantenecke flöten. Scharf, schärfer, megaultrarealsitisch. Hätte ich als kleiner Dötz die Ahnung davon gehabt, was die Technik mit der Summierung und Berechnung von kleinen Quadraten alles möglich machen kann, ich wäre aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen.

8Bit Box macht genau das, was ein wenig Bit Spiel auch nicht besser machen kann. Es reduziert die Spieltiefe auf ein Minimum und lässt das Spiel in seinem Ursprung reduziert. Keine ausgeklügelten und komplexen Spielmechanismen, nein, hier haben wir es mit Retro zu tun. Reduziert. Einfach. Schlicht. Hier entspricht der Titel dem Spielempginden. Wir haben es mit Bit-Empfindungen zu tun, mit reduzierten und herabgeschraubten Spielempfindungen.

Dieses schlichte Spielempfinden

Anders kann ich es nicht ausdrücken, aber bei den Spielen der 8Bit Box komme ich über schlichtes Spielempfinden nicht hinaus. Rudimentär. Einfach. Simpel. Und streckenweise ermüdend. Und dann schaue ich auf die vielen anderen Spiele, die ich in meinem Schrank habe, und da sehr ich diese tollen Grafiken, diese vielschichtigen Spielemechaniken, diese verzweigten und verwinkelten Möglichkeiten, die Spiel und spielen ergeben. Und dann sehr ich diese Bit Steine dieser Box und denke mir: „Wo ist dieses Retro Gefühl? Wo ist dieses vergangene Erleben? Wo ist die Sehnsucht? Wo ist dieses alte, was ich so gerne erneut wieder fühlen will, mich erinnert sehen?“

All diese Fragen stecken nicht in der 8Bit Box. Nein, hier steckt eine Chance drin, die noch lange nicht ausgereift wurde. Optisch und haptisch macht die Kiste schon einiges her. Aber diese Spielesammlung würde ich noch nicht mal gratis aus dem Game Store runterladen.

Und so glaube und hoffe ich auf weitere Möglichkeiten, und ich wünsche mir, iello hört auf die Kritik aus Spielendenkreisen und lässt Entwicklung im alten Bit Flair geschehen. Gerne die Bit Optik behalten, aber am Spielgefühl etwas mehr Summe aufbringen. Spielempfinden ist mittlerweile verwöhnt, und mit diesen Rudimentärspielen macht das Herz nur ganz kurz: Hühüpf!

Lecker

  • Die Optik ist echt toll
  • Wenn es um reduzierten Spielespaß geht auf 8Bit Niveau, dann passt hier alles

Pfui

  • Die 3 Spiele sind viel zu langweilig
  • Irgendwie ist das immer das Gleich
  • Möglichkeiten bleiben unausgeschöpft

Fazit

Funfairist klatscht mit der Hand an die Stirn und stöhnt hinaus

Sorry, aber so kommt bei mir nur ein echt kaltes Frittchen raus. Optisch und auch haptisch finde ich die Kiste toll. Zwar könnte man hier und da an der Qualität noch was machen, aber im Grunde schon recht anständige Qualität. Aber spielerisch? Au Backe, das haut mich so gar nicht vom Hocker. Langweilig, viel zu simpel, oft das gleiche und Wiederspielreiz näher an Null als an ein noch mal. Das geht besser, davon bin ich überzeugt. Herzlichen Dank an Hutter Trade, die uns die 8Bit Box für eine Rezension zur Verfügung gestellt hat.
2

Kalte Fritte

0:00
0:00