Checkpoint Charlie

Frittenrezensionen Kartenspiele
5

Knusperfritte

Dem Läusepeter auf der Schliche

Wer meint, es gäbe keine Spiele, die sich mit der DDR oder mit diversen Grenzübergängen befassen, der irrt, denn Checkpoint Charlie ist genau jener bekannter Grenzübergang in Berlin, um den es im Deduktionsspiel aus dem Hause Piatnik geht. Halt! Stop! Ausweiskontrolle! Um Checkpoint Charlie geht es so mal gar nicht. Viel mehr haben wir es mit Spionagekatzen zu tun. Wir, ausgebuffte Spürhunde, sind dem Läusepeter auf der Spur und suchen unseren Topspion. Ein kleines und schnelles Karten-Deduktionsspiel von José Antonio Abascal.

Ich kombiniere

Wie würde Disney oder Dreamworks einen Animationsfilm rund um Checkpoint Charlie gestalten? In der Disneyversion hätten wir vielleicht ein gut bürgerlich eingebettetes Musical, Dreamworks würde n Animationstierfilm mit allerhand Seitenhieben machen. Piatnik hat sich für ein Hund-Katze-Fangspiel entschieden, denn wir, die Agenten der K9 Hundestaffel, sind auf der Suche nach Katzenspionen. Ziemlich verdächtig sind die passierenden Katzen, aber nur eine ist unser Mann, oder unsere Frau, oder Kater oder Katze – egal.

Bei Checkpoint Charlie spielen wir so lange, bis jemand mindestens 10 Punkte hat, oder alle Chips weg sind oder die 5. Runde gespielt ist. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Eine Runde ist schnell gespielt, und ich wundere mich, dass die Regel 12 Seiten in deutscher Sprache hat, was man auf 2 sicherlich hätte zusammenfassen können, denn der Spielzug ist mega einfach.

Jede*r von uns kennt ein Merkmal der Spionagekatze: Hut auf? Trenchcoat? Sonnenbrille? Keine Zeitung unter der Tatze? … Bin ich dran, ziehe ich eine Karte. Stimmt die Karte mit meinem Merkmal überein, lege ich sie offen vor mir aus. Stimmt sie nicht, lege ich sie auf meinen Ablagestapel.

Nach und nach entstehen offene Reihen vor uns, und alle Spielenden können erahnen und kombinieren, welchen Hinweis ein*e jede*r besitzt. Weiß man um den Spion, verkündet man das laut und verdächtigt die Katze mit seinem Agentenplättchen. Es wird so lange weitergespielt, bis eine*r noch keine Beschuldigung durchgeführt hat. Dann gibt es Punkte: Oberspion erwischt = viele Punkte, zumindest Assistenten erwischt = weniger Punkte, falsch gelegen oder nichts erschnüffelt = keine bis Minuspunkte.

Alles wieder mischen, die Merkmale neu verteilen und weiter geht es. So spielt sich Runde für Runde und die Deduktion über die Merkmale und die Spionagekatzen geht schön weiter, bis eine Spielendbedingung erfüllt wurde.

Enthüllt

Checkpoint Charlie ist ein schnelles und recht einfaches Deduktionsspiel. Manch Mensch scheint Schwierigkeiten damit zu haben, die Merkmale der anderen zu entschlüsseln, aber oft ist man schnell dahinter gekommen, wer welches Plättchen, und damit Merkmal, vor sich liegen hat. Hier spielt Freundin Zufall oft mit, denn die Karten, die man zieht, sind leider nicht steuerbar. Beispiel: Hat man in der zweiten Runde eine Katze gezogen, die einen Hut aufhat, aber sonst recht unterschiedlich zu der Karte aus der Vorrunde ist. „So so, denken sich die anderen, da muss wohl unser Oberspion n Hut aufhaben, aha!!!!“

Dem Spion und seiner Beschaffenheit kommt man recht fix auf die Schliche. Manche eher, manche langsamer. Aber wir hatten es nie erlebt, dass alle falsch lagen. Jemand der Mitspielenden hat den Oberspion immer entlarvt.

Aber nicht nur der Oberspion ist Ziel der deduktiven Begierde, auch die Assistenten sind von Interesse. So kann man ebenfalls hier und da Punkte machen. Sollte doch ein Fehler unterlaufen sein, gibt’s halt n schwarzen Chip.

Checkpoint Charlie kommt gleich mit 2 ergänzenden Modulen ins Zimmer, bei dem ein Stasi-Fuchs ins Spiel kommt, oder man im Café Adler zum Chiptausch einlädt. Keine besonders großen Module, aber nett zu spielen. Den Stasi-Fuchs würde ich immer gleich mit reinnehmen, der ist schon ganz nett.

Aber wie verhält es sich denn mit dem Spielspaß?

Spielspaß aufgedeckt

Checkpoint Charlie ist wirklich nett und kann ein schönes Auftaktspiel sein. Schnell gespielt, ziemlich ruhig und bis auf wenige Anschuldigungen ziemlich stumm. Wer eine Runde aufpimpen möchte, verteilt Sonnenbrillen an die Mitspielenden oder auch den einen oder anderen Schlagstock. Wer will …

Wir hatten in unseren Runden gute Unterhaltung, und fanden das Spiel wirklich sehr nett. Aber leider auch nur nett. Eine zweite Partie wurde oft nicht verlangt. Und auch so ist Checkpoint Charlie kein Spiel, was man immer und immer wieder rausholen will. Das macht es nicht schlecht, aber wenig innovativ. Darum nutzen wir das Spiel sehr gerne als Opener bei Spielrunden, die das Spiel noch nicht kennen. Ein kurzes und nett anzusehendes kleines Kartenspiel mit einem Stasi-Fuchs. Verblüffend ist, das wirklich in jeder Runde, in JEDER, mindestens ein Mitspielender bei der Verteilung der Spürhunde zu Anfang der Stasi-Fuchs sein will. Ich schätze, es brauch einfach mehr Spiele mit Füchsen!

Lecker

  • Der Stasi-Fuchs ist der Oberknaller.
  • Schnell gespielt und sehr leicht erklärt.
  • Wach und aufmerksam sollte man beim Spiel sein.

Pfui

  • Einmal spielen, okay, danach nicht noch mal.

Fazit

Funfairist deckt auf und enthüllt

Ich lass mein Schnuppernäschen über die Spieleschachtel gleiten und vergebe nach vergleichbarer Recherche eine solide Knusperfritte. Ein nettes und kurzweiliges Deduktionsspiel mit einem süßen Fuchs, den man sich sehr gut als Stasi-Offizier vorstellen kann. Das Material ist okay, auch wenn die schwarze Plastiktüte gerne durch ein kleines Säckchen hätte ausgetauscht werden können. Nett, und fertig. Danke an Piatnik, die uns dieses Spiel als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.
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