Crime Story: Vienna

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Gute Fritte

Crime, Detektiv, EXIT, Escape, Adventure …

Und schon wieder ein neues Spiel! Die Flut der Escape- und Detektiv-Spiele wird seit dem ersten Spiel dieses Genres immer höher. Ob analog, digital oder Hybrid – man kann zu (fast) allem, was das Rätsler- und Detektivherz begehrt, ein Spiel finden, das einem zusagt. Egal, ob kurz, lang oder ultra lang – es scheint irgendwie alles zu geben. Und doch kommen auch immer wieder neue Formate auf den Markt, die ein bisschen was anders zu machen scheinen, als die anderen. Oder sagen wir besser: Sie wollen es besser machen. Ob das auch so funktioniert? Das werden wir zumindest in Bezug auf die Crime Story von Noris Spiele herausfinden. Also … wie meine Meinung dazu ist. 😉

Bevor wir anfangen, geht ein Dank an Noris Spiele raus, die uns die Crime Story für die Rezension zur Verfügung gestellt haben. Dankeschön!

Tod und Verderben.

Darum gehts ja meistens. So auch hier in der Crime Story. Die Grundgeschichte ist die folgende: Karl war reich und ist jetzt tot. Allerdings ist sein Tresor aufgebrochen worden. Dass da nicht nur dreckige Socken drin waren, könnt ihr euch sicher denken. Und da beginnt auch schon unsere Arbeit. Denn wir müssen herausfinden, was genau sich da zugetragen hat.

Funktionieren tut das Spiel ähnlich wie Detective – nur um ein Vielfaches schmaler und schneller. Das Spiel ist in einer guten Stunde durchgespielt. Wir haben nämlich auch im Spiel nicht so viel Zeit, denn um 17.00 Uhr endet unser Arbeitstag als Ermittler. Dinge, die wir tun, erfordern Zeit. Wenn wir die Verschwenden, kann das am Ende dazu führen, dass wir den Fall nicht (ganz) korrekt aufklären können. Aber was tun?

Jaja, netter Versuch!

Ihr wisst doch, Spoilerscheiterhaufen. Das kann ich euch an dieser Stelle leider nicht verraten. Aber so viel kann ich sagen: Es gibt 7 Personen, deren Aussehen und Namen wir kennen und die eventuell eine Rolle in der ganzen Sache spielen könnten. Aber ob das wirklich so ist? Mh …

Die Regel besteht aus 2 Blättern, die an einer Perforation voneinander getrennt werden können. Es sind 2 Seiten Regeln und 2 Seiten Spielmaterial. Das finde ich echt smart gelöst! Ich bin nämlich der Meinung, dass ein Spiel, das man nur einmal spielen kann, nicht zwingend super hochwertiges Material enthalten muss. Ja, die Karten sollten gern groß und schwer sein und auch sollte kein anderes Spielmaterial auseinanderfallen, sobald man es anfasst. Aber zum Beispiel finde ich, dass ein Holzmännchen als Zeitanzeiger gar nicht nötig wäre (der ist auch hier in diesem Spiel enthalten). Von daher finde ich es eine coole Lösung, dass ich die Regel auseinanderrupfen kann und somit einen weiteren Teil des Spielmaterials habe, was ich brauche.

Wir starten also unseren Ermittlerarbeitstag, in dem wir die ersten Karten vorlesen. Irgendwann kommen wir an den Punkt, an dem uns freigestellt wird, unterschiedliche Aktionen zu machen. Alle kosten Zeit, davon haben wir nicht unendlich viel und außerdem haben wir für die Aktionen auch nur unterschiedliche Zeitrahmen, die uns zur Verfügung stehen. Ein Beispiel, das so nicht im Spiel vorkommt, es aber ganz gut erklärt: Möchte ich im Tante Emma Laden um die Ecke ein Brot kaufen gehen, kann ich das nur zwischen 9 und 16 Uhr. Denn sonst hat die Emma zu. Das Brot einzukaufen kostet mich dann 15 Minuten, die ich auf der Leiste nach vorn gehen muss.

Das war´s auch schon in Sachen Regeln.

Wie ihr seht: Wirklich viel Regelwerk zu lesen gibt es nicht. Auch die Karten haben nicht übermäßig viel Text. Vielmehr sind es die Entscheidungen, die man treffen kann bzw. muss, die einen ins Grübeln bringen. Welche von ihnen wird wohl eine richtige sein? Das erfährt man am Ende erst, wenn man den Fall auflösen muss. Dann werden einem nämlich einige Fragen gestellt, die nach Antworten schreien. Hat man keine richtige Antwort parat, hat man wohl die falschen Entscheidungen getroffen.

Und jetzt, wo ich das alles auch nochmal niederschreibe, werden mir die Ähnlichkeiten zu Detective noch klarer. Natürlich ist die Crime Story viel, viel, viel schmaler und lang nichts so komplex, wie Detective, aber man kann sie – auch an der Schachtelfarbe gemessen 😉 – schon in die gleiche Ecke stellen. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden sind neben Thema und Dauer natürlich auch die Komplexität. Crime Story kann auch bei Menschen problemlos auf den Tisch kommen, die noch nicht sooo viel Erfahrung in Detektiv-Spielen haben und die nur ein kurzes Zeitfenster mit so einem Spiel verbringen wollen.

Mir hat die Crime Story Spaß gemacht. Das war kurzweilig und trotzdem mussten die Entscheidungen gut überlegt und hinterfragt werden. Was ich schade finde ist, dass das Design der Karten so gar nicht atmosphärisch war. Wir sind in einem österreichischen Millionärs-Gutshaus – mit Prunk und Protz und allem. Und die Karten zeigen das so gar nicht. Schade! Aber irgendwas zu meckern gibt´s ja immer … nicht wahr? Auch die Story an sich gibt mir ein bisschen Grund zu “meckern” … Aber da kann ich wegen der Spoilersache irgendwie nicht weiter drauf eingehen, ohne, dass ich was verrate, was euch, wenn ihr das hier spielt, beeinflusst.

Werbung in eigener Sache

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, haben wir Tik Tok für uns entdeckt. ;-D Die Crime Story war das erste Spiel, das wir in einem Tik Tok benutzt haben! Es war so warm an dem Tag und das, was ihr da seht, ist quasi fast ganz genau so ähnlich in etwa passiert. 😉

@spielfritteLiving in the attic as a boardgamer ♬ Dust in the Wind – Kansas

Lecker

  • Ich mag das kurzweilige Erlebnis.
  • Ein kleiner Bruder von Detective (mit einigen Abstrichen.)

Pfui

  • Das Design ist irgendwie ent-atmosphärisierend.
  • Für blutige Anfänger vielleicht zu viel "Inhalt"? (kann ich wegen Spoilerei nicht konkretisieren)
  • Für Fortgeschrittene recht einfach.
  • Die Story ...

Fazit

Kaddy kaut auf der Pfeife

  "Nein, Crime Story ist nicht der kleine Bruder von Detective. Oder, vielleicht besser: Nur mechanisch. Ansonsten ist die Geschichte nicht so packend, wie ich sie in Detective kennengelernt habe, und auch an anderen Orten würde ich den kleinen Bruder eher noch mal auf die Schulbank schicken. Ich würde der Crime Story eine gute Gute Fritte geben. Für uns als Fortgeschrittene (in Sachen Detektiv- und Escape-Spielen) war das keine superknifflige Herausforderung, sondern viel mehr eine gute, eher kurzweilige Unterhaltung. Ich hätte es inhaltlich vielleicht ein bisschen schlanker gehalten. Aber dann wäre es für fortgeschrittene Detektive wahrscheinlich zu leicht geworden ... Tja, alles nicht so einfach und vor allem: Nie kann man es allen recht machen. Auf jeden Fall hat mir das Spiel so gut gefallen, dass ich mir auch die beiden anderen Varianten, die in Berlin und München spielen, anschauen werde. Wer also gern relativ viel, nicht so komplexen Input in kurzer Zeit haben möchte, um ihn - hoffentlich richtig - auseinander zu dröseln, der greift bei Crime Story schon richtig zu."
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