Der Weiße Hai

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Ein Film namens Kiefer

Damals, im Jahre 1975, liebe Kinder, gab es einen Filmemacher, der heißt bis heute noch Steven Spielberg. Ja, richtig gehört. Er hat das Wort SPIEL in seinem Namen. Und wir alle nicht. Schade. Naja, egal …

Der Steven, der hat mal ein Buch gelesen. Das hieß „Jaws“. Und in diesem Buch wird die Geschichte von den Haiangriffen an der Küste von New Jersey 1916 verarbeitet – oder sagen wir besser: Sie galten als Inspiration für die Geschichte im Buch … Das hat der Peter geschrieben. Der Peter Benchley. Und der Steven fand das Buch toll und wollte dann einen Film darüber machen. Der Peter und sein Freund Carl Gottlieb haben dann ein Drehbuch geschrieben. Dann wurde das gefilmt und der Steven hat den Film dann Kiefer genannt. Und somit für einen Hype im – Achtung – Tierhorrorgenre gesorgt. (Tierhorror hab ich hier im Herbst übrigens auch oft zu Hause, wenn Spinnen meinen, sich hier einnisten zu wollen.)

Wenn ihr den Film noch sehen wollt, dann solltet ihr hier nicht weiterlesen, denn ich werde spoilern. Aber selbst, wenn ihr die Spoiler kennt, lohnt es sich, den Klassiker mal anzugucken, würde ich behaupten. Denn ich kannte diesen Film bis zum Spiel nicht. Ich bin kein Fan von „alten“ Filmen. Aber ich hab ihn mir extra für diesen Bericht hier angeguckt (ja, ich weiß. Meine Selbstaufopferung für die Spielfritte ist immens.) und muss sagen: Ich fand ihn echt ganz gut und finde, dass man den ruhig gesehen haben darf. Der macht echt viel richtig, dafür, dass der schon so alt ist. Nun aber mal zum Inhalt des Films, den ich gleichzeitig auch mit dem Inhalt des Spiels beschreibe. Ach, eine Sache noch vorab: Jaws heißt “Kiefer” oder “Maul” – auf deutsch hat der Film den Namen “Der Weiße Hai” bekommen.

In dem Film geht es darum, dass im wunderhübschen Bade- und Touristenort Amity Island eine Schwimmerin von einem Hai gesnackt wird. Der neue Polizeichef Brody möchte daraufhin die Strände schließen, was er aber nicht darf, weil das schlecht fürs Geschäft ist. Auf der Insel leben noch andere Menschen, unter anderem Quint, der Haijäger ist und ein Schiff namens Orca hat. Und dann gibt es noch den Meeresbiologen Hooper, der ebenfalls nach Amity kommt. Es gibt noch viele andere, die sind aber fürs Spiel nicht so relevant. Und dieser Aufbau ist auch der Aufbau, den wir in der ersten Phase vom Spiel erleben. Wir sind in Amity und bereiten uns darauf vor, den Hai, der gesichtet wurde, in der Nähe der Strände zu finden. Brody schließt Strände, damit die Besucher nicht planschen gehen. Außerdem hat er ein Fernglas und kann den Hai dazu zwingen, ihm zu sagen, ob er sich an einem vorher benannten Strandteil befindet oder nicht. Das ist im Film übrigens nicht so. 😉 Da spricht der Hai nicht. Noch so eine Sache: Der Bürgermeister zum Beispiel verbietet anfangs die Sperrungen der Strände und will die Menschen sogar ermutigen, schwimmen zu gehen. Auch das finden wir im Spiel wieder, denn immer wieder tauchen irgendwie die verdammten Badegäste auf und gehen planschen! Das MUSS doch vermieden werden! Irgendwie“ Wir müssen sie retten!

Hooper hilft dabei, genug Fässer auf die Orca zu kriegen und hat den Fischfinder dabei, der eingrenzen kann, wo sich der Hai befindet. Haifinden ist also ein bisschen wie Mastermind spielen oder Scotland Yard – nur mit sehr großen Fischen. Aber: Wir wollen den Hai ja beschießen und zwar mit Fässern. Dazu müssen wir vorher genug Fässer auf die Orca schaffen, denn die können wir ja an den Hai schießen (also da sind Seile dran, die sind an einem Haken und den schießen wir in den Hai – quasi). Diese Fässer bleiben dann auf der Oberfläche, auch, wenn der Hai abtaucht, und wir wissen, wo er ist. (So zumindest im Film.). Der Hai wird übrigens durch einen Spieler verkörpert und der bewegt sich geheim um die Insel herum. Alle anderen Spieler teilen die 3 genannten Protagonisten unter sich auf und spielen die. Auch, wenn nicht 4 Personen am Spiel teilnehmen, sind aber immer alle 3 Filmcharaktere dabei und werden dann entsprechend aufgeteilt. Spielt man das Spiel zu zweit, spielt eben einer den Hai und einer alle 3 Charaktere.

Je mehr Badegäste der Hai futtert, desto stärker startet er in die 2. Phase. Je weniger Badegäste er futtert, desto stärker starten die 3 Charaktere in die 2 Phase. Hier übrigens ein „schönes“ Detail: Im Film ist Brodys Sohn gerade mit seinen Freunden im Wasser, als der Hai auftaucht. Hier im Spiel kann er auch auftauchen … also: nicht der Hai, sondern der Sohn Michael … – und ist dann so viel Wert, wie 2 Schwimmer, wenn er nicht gerettet werden kann. Wenn ich diesen Satz so lese und das Wort „schön“ ebenfalls noch mitlese, das ich dafür benutzt habe, dann klingt das irgendwie komisch …. aber ihr wisst ja, was ich meine. Hoffe ich zumindest.

Naja, das ist im Endeffekt auch das, was am Ende in Phase 1 von „Der Weiße Hai – Das Spiel“ passiert: Menschen gegen Tier. Wenn er Hai dann 2 Fässer an sich hat, endet die Phase und die 2. Phase wird vorbereitet (und die Details davon hängen ja davon ab, wer sich wie gut oder schlecht angestellt hat).

Ab aufs Boot!

Denn die 2. Phase spielt auf der Orca – dem Boot von Quint, mitten im Ozean. Brody, Hooper und Quint sind auf dem Wasser unterwegs und suchen den Hai. Mal ist er da, mal ist er weg und im Film schießen sie auch erst jetzt mit den Fässern auf ihn, um seine Schwimmbahnen verfolgen zu können. Der Hai futtert auf jeden Fall Stück für Stück das Boot auf (im Film und im Spiel) und wir versuchen, mit der Kraft der 3 Personen den Hai zu Brei zu hauen und schießen. Die Menschen gewinnen das ganze Spiel, wenn sie den Hai erledigen – der hat 18 Lebenspunkte. Der Hai gewinnt, er das ganze Boot oder die ganze Besatzung gegessen hat. Für den Hai werden Karten aufgedeckt, die bestimmte Bereiche am Boot anzeigen, wo er auftauchen kann. Er entscheidet sich geheim für eine Möglichkeit und die Menschen müssen sich entscheiden, wie sie sich auf dem Boot postieren wollen, ohne sicher zu wissen, wo der Hai sein wird. Wenn sie woanders stehen, als der Hai, dann schauen sie halt aufs Meer hinaus, anstatt zu helfen. Passiert. 😉

Ich verlinke euch hier mal die Regeln.

Der Schockmoment

Im Spiel gewinnt mal der eine und mal gewinnen die anderen. Beim Kämpfen werden Würfel benutzt und wie sowas enden kann, wisst ihr ja sicher. Dann hängt das ganze auch ein bisschen davon ab, welche Möglichkeiten der Hai hat.

Aber im Film … und damit hab ich wirklich nicht gerechnet … wird der arme Quint in 2 Hälften gebissen! Tatsächlich war ich in dem Moment ein bisschen geschockt, denn ich habe erst das Spiel gespielt und dann den Film gesehen. Und dass dann einer der Protagonisten gefuttert wird, hab ich nicht vorausgesehen …

„Das Buch ist aber besser als der Film!“

Ja, das ist meistens so. Bei Spielen ist es ja wenn eher so, dass Computerspiele als analoge Brettspiele umgesetzt werden – und die finde ich meistens nicht so geil. Oder vielleicht besser: Die, die ich gespielt habe, haben mich alle nicht sonderlich überzeugt. (Ich hoffe inständig, The Last of Us wird es tun!!)

Ich für meinen Teil finde, dass das Spiel den Film echt gut – im Rahmen seiner Möglichkeiten – abbildet. Die Spannungsmomente, die es im Film gibt, in denen eigentlich gar nichts passiert … und man einfach von unter Wasser in Richtung Wasseroberfläche schaut … und klassische Musik dabei hört … die gibt es im Spiel nicht. Ich halte es auch für enorm schwierig, so eine Art von Spannung analog im Spiel aufzubauen. Das Prinzip „Schuss ins Dunkle“ wird hier ja auch häufiger mal genutzt und spiegelt durch die speziellen Fähigkeiten aller Beteiligten eine Suche des Hais meiner Meinung nach auch ganz gut wieder. Ist halt ein bisschen wie Schiffe versenken. Also – halt Hai versenken. Ich mag das und finde es passend umgesetzt.

Das Spiel ist hinzukommend in richtig schön hässlichem Retro-Design durchgestylt, was ich gruselig und atmosphärisch zugleich finde. Das hätte man so wahrscheinlich auch schon in den 1990er Jahren bei Toys’r’Us finden können …

Fazit

Ich freue mich, dass ich aufgrund des Spiels, das mir sowohl als Hai als auch als Menschen gut gefällt, den Film dann jetzt doch mal geguckt habe. Wusstet ihr eigentlich, dass Peter Benchley ein so schlechtes Gewissen den Haien gegenüber hatte, dass er sein ganzes Leben lang dafür gekämpft hat, Menschen bzgl. Haien aufzuklären. Er hat sein Buch – und somit auch den Film – bereut und wollte es wieder gut machen. Denn so brutal und gefährlich sind Haie aus wissenschaftlicher Sicht nun wahrlich nicht.
Übrigens: Je nachdem von welcher Zahl man ausgeht werden unglaubliche 270.000 Haie pro Tag getötet, und dass sind noch sehr konservative Schätzungen. Im Vergleich dazu sind im gesamten Jahr 2019 gerade einmal 2 Menschen durch Haiangriffe ums Leben gekommen.

Naja, aber zurück zum Spiel: Da man immer einen Hai und 3 Personen im Spiel hat, ist es eigentlich fast egal, wieviele Menschen mitspielen. Klar kann man sich besser absprechen, wenn 3 Personen die Charaktere spielen, und das ist vor allem hilfreich, wenn man schlecht in Haie-Versenken ist. Aber im Endeffekt ist es gehopst wie geschwommen.

Gewinnertyp

Wir haben Steffen, einen der beiden Gewinner unseres Weißer Hai Gewinnspiels, mal nach seiner Meinung zu seinem Gewinn gefragt und er hat uns das hier geschrieben:

“Wie viele Kalorien haben Badegäste? Offensichtlich viele, denn der weiße Hai bietet fetten Spielspaß. Das Spiel hat nicht nur die Atmosphäre des Films perfekt eingefangen, es hat auch einen sehr leichten Spieleinstieg.”

Lecker

  • Solide Film-Spiel- Umsetzung, wie ich finde.

Pfui

  • Diese Optik ist irgendwie auch etwas gruselig ...

Fazit

Kaddy badet

  "Ich finde, das Spiel funktioniert gut und es kommt in unterschiedlichsten Runden gut an, wenn man asymmetrische Spiele mag. Einer ist der Böse, die anderen sind die Guten. Das ist nicht für jedermann etwas. Es ist halt ein bisschen kooperativ und ziemlich kompetitiv - je nachdem, von welcher Seite aus man es betrachtet. Nein, „Der Weiße Hai“ ist sicher nicht DAS Spiel schlechthin, DIE Neuheit oder ein Spiel, das man so noch nie gesehen hat. Es ist ein Spiel, das Spaß macht. Eines, das belohnt, wenn man (bzw. sein Team) gut war, und das bestraft, wenn man verkackt hat. Ich denke, die Umsetzung ist gut gelungen und gibt eine gute Zusammenfassung darüber, was in dem Film passiert - wenn wir es also mal aus meiner Sicht betrachten. Ich hab mich beim Film schauen zum Beispiel gefreut, dass Brody wirklich die Strände schließen wollte. ;-) Allerdings hab ich auch ein paar Details gesehen, bei denen ich dachte: „Ach Mensch, das wäre noch cool gewesen.“ Im Film zum Beispiel wird Brody von sehr vielen Bürgern angesprochen, die was von ihm wollen und ihn mit ihren Belangen volllabern. Ja, solche Details pumpen ein Spiel natürlich auf - aber wie cool wären noch Ereignisse gewesen, die plötzlich passieren? Das würde das Spiel sicher noch unberechenbarer machen … wie es auf dem offenen Meer eben so ist. Ein herzlicher Dank geht an Ravensburger, die uns das Spiel für die Rezension gestellt haben!"
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