Atlantis

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Gierig grabschen, bevor die Flut kommt

Amigo lässt „Atlantis“ von Leo Colovini noch einmal kurz in seinem vollen Glanz und mit seinem ganzen Reichtum erscheinen. War ja klar, dass die gierigen Spieler_Innen nicht weit sind, die raffen, was das Zeug hält. Aber was ist es: Ein feuchtfröhlicher Spaß? Oder ist es trocken wie ne Religionslehrerin?

Scheiß auf die Flagge, ich will den Ring haben

Ey kennt ihr noch „Inkognito“ aus dem Jahre 1988? Hat auch einen Sonderpreis bekommen, „Schönstes Spiel“ meine ich war es. Mensch was habe ich das Spiel geliebt. Besonders diese Würfelfigur mit den farbigen Kugeln drin hat es mir angetan. Ich habe das Spiel immer bei einer Frendin gespielt, die es hatte – und einmal durfte ich es mir sogar ausleihen. Bis heute mag ich Deduktionsspiele. Hm, warum fehlt mir dann immer noch „Inkognito“ in meinem Spieleschrank? Na ja, egal. Um diesen venezianischen Maskenquatsch soll es nun auch gar nicht gehen, sondern um „Atlantis“ der versunkenen Stadt, ua ua ua … Warum ich „Inkognito“ mit einbringe? Nun, weil ein gewisser Leo Colovini da nicht ganz unbeteiligt war. Der promovierte Italiener hat schon einige Spiele herausgebracht. 2009 veröffentlichte AmigoAtlantis“ von ihm. Ui, mag sich jetzt der/die Spieler_In denken. An so ein heikles Thema wie Atlantis wagt sich der Dr. Historiker? So ein Pionier! Hat ja noch keiner zuvor angeschnitten das Thema …

Genauer hingeschaut

Okay, wollen wir mal sachlich bleiben. Das tolle an „Atlantis“ ist, dass nicht die Stadt untergeht, sondern der Weg von der Stadt zum Festland. Darum dichte ich dem Spielnamen in kleinen Buchstaben mal die Wörter „der Weg aus ATLANTIS“ hinzu, okay?

Bei dem Spiel wird ein Weg aus Plättchen gelegt, die wertvolles Zeugs zeigt, so Fahnen und Oliven und so. Und die sammelt man ein. Leider entstehen dadurch Löcher im Weg, die sich mit Wasser füllen. Über die rüber zu kommen, kostet aber was, weshalb man sich bald von seinem eingesammelten Reichtum wieder trennen muss. Sowieso ist das raffen von Beute bei dem Spiel wie zerronnen. Denn um auf dem Weg vorwärts zu kommen, braucht man Karten (am besten in der gewünschten Farbe). Sollte man die nicht haben, muss man die sich kaufen. Das macht man am besten mit dem erbeuteten Plündergut. Denn man möchte auch nicht so schnell (vom Weg abkommen?) an´s Festland kommen, denn je langsamer ich mich fortbewege, um so mehr kann ich mopsen und mitnehmen. Ab Obacht, für den/die Langsamste kann es am Ende auch ganz schön teuer werden, wenn man letztlich über so viele Pfützen springen muss.

„Atlantis“ ist ein perverses Spiel, das Menschen folgende Message übermitteln will, die in bedrohlichen und misslichen Situationen verfolgt werden soll: Raffe und klaue soviel Du nur kannst, bevor der Weg untergeht! Warum da die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht eingreift, ist mir immer noch ein Rätsel? Sei es drum. Die Stadt Atlantis ist dem Tod geweiht. Vor über 11.000 Jahren brachte das Versinken der Stadt Tausenden den nassen Tod. Damit Du nicht auch zu Fischfutter wirst, muss Du schnell, und dann doch nicht so schnell, das rettende Ufer aufsuchen. Am besten mit ordentlich Plunder in den Taschen. In der Spielebeschreibung versuchen sich die Übersetzer rauszureden mit „das Hab und Gut der Insel retten“, ich halte das für verlogen und heuchlerisch: Sollen sie doch alle verrecken, hauptsache ich habe Krüge.

Jetzt wird geklaut

Beim Diebesgang lässt man so manches mitgehen, und erfreut sich sichtlich, wenn man den Mitspieler_Innen das lockende und teure Gut so einfach vor der Nase wegschnappt. Da ist man auch gerne bereit erbeutetes Gut zu verkaufen, nur um die passende Farbe zu bekommen, so dass man richtig schön ärgern kann. He he, geht es einem durch den Kopf, wenn man sich galant auf Diebesgut platziert, so dass es nicht von anderen mitgenommen werden kann. Nur all zu lange sollte man auch nicht verweilen, denn wie ja alle wissen, ist die Insel (und der Weg) dem Untergang geweiht.

Das Spiel ist echt einfach, und die Regeln erklären sich beinah von selbst. Eigentlich müssen die abgedruckten Beispiele gar nicht sein; eher verwirren sie (zumindest bei Beispiel 1 musste ich 3 x hinschauen, um zu raffen, wer wie wo hingeht). Aber letztlich reicht der Platz aus, um 6 kleine Seiten voll zu bekommen. Das Material ist vollkommen in Ordnung, auch wenn ich die Spieleschachtel nicht ganz so gelungen finde (sobald die Innenwände für eine Sortierung des Materials im Innen sind, passen die Insel (ATLANTIS) und das Festland leider nicht – der Deckel schließt nicht richtig). Dafür ist das Spiel aber sehr schnell gespielt (ca. 20-30 Minuten), und 2 bis 4 Spieler_Innen hatten ihre Freude.

Und? Geben wir dem Spiel eine Chance, auch wenn so hinterträchtige Tendenzen mitschwingen? Ein klares: Ja! Macht Spaß und kommt mit Sicherheit wieder auf den Tisch.

 

Funfairist meint

Ich mag das Spiel. Macht immer wieder Spaß, wenn es auf den Tisch kommt. Auch wenn ich im Titel etwas mit „Brücke“ oder „Weg“ vermisse. Ach, Hauptsache klauen, stehlen, mitnehmen und raffen …

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Atlantis

Leo Colovini hat schon einige Spiele rausgebracht, die dieses Hand Management in sich trägt: Sammeln, abgeben, weiter sammeln, wieder abgeben. Macht aber Spaß. Ich mag auch Atlantis und finde die Aufmachung von Amigo Spiele toll.

Erscheinungsdatum:
Personenzahl:
Dauer:
Alter:
Vertrieb:
Mechanismus:

Lecker

  • leicht zu erlernen
  • schnell gespielt
  • Mitspieler ärgern

Pfui

  • Verpackung schließt nicht richtig
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Gute Fritte

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