Panic Island!

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Gute Fritte

Gouga ist erschüttert

Na toll. Da haben wir den Salat. Da ruht sich unsere Insel Gouga einmal im Leben aus, macht ein kleines Powernäppchen, und was passiert? Der hauseigene Vulkan macht das Terrorloch auf und zerreißt uns den Sandstrand. Na Bravo. Ganz großes Kokosnusstennis. Na immerhin haben wir noch 2 Minuten die Insel zu verlassen. Das reicht doch. 2 Minuten. Panic Island! Also schnell die Eier einsammeln, die Dodos und ein paar Menschen sollen auch den Inseluntergang vom Floss aus erleben, statt mittendrin. Ach ja, Floss. Und n Paddel wäre auch cool. Na los, 2 Minuten …

Eine Insel im A-Aufbruch

Und damit herzlich Willkommen zu Panic Island! von Antonin Boccara, welches bei Zoch erschienen ist. In diesem kleinen kooperativen aktiven Kartenspiel mit Memomechanismus haben wir nur 2 Minuten Zeit Punkte zu machen, die wir mit Eiern, Dodos und Menschen sammeln.

Wenn man sich die Geschichte von Panic Island! anschaut und genau zwischen den Zeilen ließt, weiß man, um was es wirklich geht: Durchfall in der Südsee. Ja genau. Meine genaue Betrachtung hat ergeben, dass nur diese Interpretation möglich ist. Keine weitere. Gerne erläutere ich das etwas genauer:

Unsere wunderschöne Insel Gouga liegt den ganzen Tag im kristallklaren Wasser und sonnt sich die kleinen Kiesel strahlend. Etwas frische Luft wird vom Palmenblatt zugewedelt, und die eine oder andere Kokosnuss spendet eine leichte Erfrischung an manch heißen Tagen.

Aber so eine Insel wird auch mal müde und verlangt ein kleines Schläfchen. Und rums, da passiert es. Gerade mal kurz weggedöst, rumort es in den Eingeweiden der Insel, und der Flatulenzdruck kennt nur einen Ausgang: Das Dodo-äh-Popoloch der Insel: Der Vulkan! Statt nur heiße Luft in den Himmel zu pfeifen, soll sich ein heißer, stinkender Plädderstrom aus dem Loch ergießen, den Montesuma noch nicht erblickt hat. Na, wenn da mal im letzten Kokossüppchen nicht ne Chilischote zu viel drin war.

Was dem einen der Druckablass ist, ist dem anderen ein Leid. So unseren Inseleinwohner*innen. Es gilt die Eier, Dodos und Menschen zu retten. Gewürm, Vögel und die niedlichkleinen flauschigen Inseläffchen kann man knicken, diese drei Arten gilt es zu retten. Mehr nicht.

Und damit hat man auch schon sehr zu tun, denn bei der Suche nach den zu Rettenden, zeigt sich die Insel auf einmal von einer ganz anderen Gestalt: Die Palmen zeigen sich auf einmal als Wechselpalmen, so manch Höhle ist auf einmal kinnbrecherisch tief, der inselbekannte Tornado macht uns kreisrund wuschig, und warum auf einmal Himmel, Gewitter und viele weitere Inselbereiche uns die Suche schwer machen, wissen wir auch nicht.

Dabei haben wir doch keine Zeit. 2 Minuten. Und das ist echt wenig. Müssen jetzt alle verrückt spielen? Ausgerechnet jetzt? Ja, scheinbar ist das so.

Doch komme ich noch einmal zurück zum Flatulenz- und Diarröh-Problem. Die Insel Gouga als Ganzes besitzt ihrer Anteile viele. Zu ihr gehören Höhlen, Gesteine, Wiesen und Wälder wie auch der inselimmense Vulkan. Gouga ist müde und will einfach mal etwas schlafen. Der Vulkan, als Sinnbild des Afters der Insel, nutzt die Körpergelassenheit und schaltet den Darmtrakt der Insel auf Autopilot. Knatter. Rauchen. Funkensprühen. Das Inselparadies wird zu Diarröhria. Hmmm, lecker.

Aber ob uns nun ein Sche&*+%e-Strom erfasst, Breche uns ansäuert, ein Pipimeer hinfortspült. Alles egal, wir wollen dabei nicht mittendrin sein. Und darum: Sandalette festgeschnürt und ab aufs Meer. Soll sich Gouga doch auskot(z)en, aber nicht mit mir!

In Hektik die Übersicht bewahren

Vom Aufbau erinnert Panic Island! sehr dem bekannten Memoarrr!, ein weiteres kleines Karten-Auslege-Memospiel mit Ausrufezeichen. Wir haben 25 Karten. Auch hier gilt es Paare zu finden, die einander retten. Die Eier werden von den Dodos gerettet, und die Menschen retten Dodos – jeweils in der entsprechenden Farbe. Die Menschen können mit Hilfe des Geistes von Gouga ebenfalls gerettet werden.

Zusätzlich brauchen wir Paddel und Floss. Dann können wir losfahren und für jede gerettet Lebensart n Punkt verbuchen.

Nur gibt es nicht nur diese Arten, sondern auch manch andere Bereiche der Insel – und die sind alle schäbig, denn wenn diese aufgedeckt werden, ist Holland in Not, äh wir auf Gouga.

Manch Karten haben einen sofortigen Effekt, andere bleiben dauerhaft. So kann es vorkommen. Dass wir uns im Kreisel drehen müssen, oder dass wir ein Auge zuhalten müssen, oder dass nicht mehr gesprochen werden darf, oder dass wir gerettete Karten wieder zurücklegen müssen. Das sind nur einige von vielen gemeinen und fiesen Aktionen, die auftreten, wenn wir in all der Hektik die „falschen“ Karten aufdecken. Wir haben doch nur 2 Minuten Zeit.

So entsteht ein schnelles und äußerst turbulentes Treiben am Spieltisch. Durch die Vielzahl der Karten kann man die Runden immer anders gestalten.

Was sagt denn die Inselcrew?

Ihr merkt schon, sitzfaule Miesepeter, die ernst und strategisch spielen wollen, ohne Lust auf Party, Bewegung und Albernheit, werden auf Gouga keinen Brausewind im Haar erleben. Deren Spiel ist das wohl nicht. Ganz sicher nicht. Wer aber Bock auf aktive Blödelei und hektisches Memotreiben am Spieltisch hat, der wird auf Panic Island! eine unterhaltsame Spielezeit erleben.

Panic Island! besitzt im Regelwerk ein kleines Herausforderungsspiel, bei dem man Kreuze sammelt. Hat man manch Aufgabe gemeistert, werden Kreuze eingetragen, und sind 10 beisammen, darf das Kartenpack 2 geöffnet werden. Noch mehr fiese und böse Aktionen kommen zu Tage. Ich verrate aber hier nichts, pschschschsch…

Egal ob mit den Anfangskarten oder auch mit den neuen und den Varianten, Panic Island! ist ein echt witziges und aktives Koop-Spiel, was in meinen Spielerunden sehr gut ankam. Bei diesem Partyspiel vereint sich kooperatives Spiel, Memoeffekt, aktives Körpergehampel, Zeitdruck und alles in einer wirren und echt bunten Gestaltung. Für so ein kleines Kartenspiel ne Menge.

Eine echte Empfehlung für: Spielende am Tisch auf kurzer Dauer aktiviert bekommen. Bei uns klappt das ganz gut und macht Spaß. Ich mag das Spiel sehr und nehme es derzeit sehr gerne als Opener mit zu meinen Spieleveranstaltunten.

Übrigens: Auch von außen betrachtet ist Panic Island! ein Hingucker. Wie die Spielenden abgehen ist echt witzig mit anzusehen. Ein Spaß.

Lecker

  • Schnell. Hektisch. Kooperativ. Verrückt
  • Die Zeichnungen sind der Hammer.
  • Allein beim Zuschauen bekommt man Spaß am Spiel.

Pfui

  • Wo bleiben die Herausforderungen? Okay, ich vergesse die Welle!

Fazit

Funfairist meint: da hilft auch keine Kohletablette

Der Gouga-Darm beschwört Montesumas Rache. Und wir wollen einfach nur weg. Nicht weg vom Spiel, sondern mit vielen Punkten die 2 Minuten eben wegspielen. Ein sehr lustiges und aktivierendes Memospiel mit irrwitzigen Aktionen. Auch wenn manch Karte aus dem Zusatzpack lebensgefährlich sind. Ich sage nur: Tsunamiwelle – wir wären beinah gestorben. Ich vergebe eine richtig richtig gute Fritte. Herzlichen Dank an den Zoch Verlag, die uns das Spiel als Rezensionsexemplar gestellt haben.
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