The Castles of Tuscany

Brettspiele Frittenrezensionen
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Gute Fritte

Eine Reise in die Toskana – direkt am Spieletisch

Mit The Castles of Tuscany erschien 2020 ein weiteres Spiel von Stefan Feld bei alea / Ravensburger. Grüne Schachtel, großer Löwenkopf darauf. Was soll uns dieses Cover sagen? Sind wir Löwendompteure in herrschaftlichen Villen in der Toskana? Nee, das ist doch ein Türklopfer! Bauen wir uns unser eigene Schlösser und richten die richtig schick ein?

Weder noch: Jeder von uns hat sein eigenes Wirkungsgebiet – das besteht aus 3 Teilen – und dort legen wir 6-eckige Plättchen drauf, die verschiedene Bauwerke bzw. Landschaftsarten darstellen. Sprich: Wir breiten uns in unserem Gebiet aus, indem wir Kloster, Dörfer, Landwirtschaftsflächen oder Kastelle (und noch mehr) erschaffen. Ob dieses Spiel den Sommerurlaub ersetzen kann? Schauen wir mal.

In der Toskana ist´s schön

Hier könnt ihr euch die Anleitung anschauen, falls ihr Details zum Spiel erfahren möchtet. Hier gibt’s einen schnellen Abriss darüber, wie das Spiel funktioniert:

Jeder bekommt seine 3 Gebiete, die er aneinander legt. Da ist es anfangs noch ziemlich leer (bis auf ein Kastell), aber wir breiten uns im Laufe des Spieles langsam aus, und zwar immer angrenzend zu einem bereits ausgebauten Feld. Von den möglichen Bauwerken liegen immer welche in der Tischmitte aus. Außerdem hat jeder hat 3 Stapel mit Bauwerken bei sich liegen, die auf der Rückseite auch die Spielerfarbe desjenigen zeigen. Die sind wichtig, weil sie bestimmen, wann die 3 Wertungen ausgelöst werden. 

Wenn ich dran bin, kann ich entweder Karten nachziehen, Plättchen ziehen (aus der Mitte) oder Plättchen auslegen.

Handkarten?

Ja, die brauche ich, um Plättchen auslegen zu können. Möchte ich ein gelbes Plättchen legen, muss ich 2 gelbe Karten abgeben. Das gilt so auch für jede andere Farbe – wobei ich 1 Karte einer Farbe auch durch 2 gleiche Karten einer anderen Farbe ersetzen kann.  Ich muss mir also immer gut überlegen, was ich mache, wenn ich am Zug bin. Keine Karten, kein Plättchen.

Hab ich ein Gebiet genommen und bezahlt und baue es in meinem Plan ein, dann bringt es mir eine bestimmte Aktion, die direkt durchgeführt werden kann. So bekomme ich Punkte, Karten oder Bonuskärtchen. Gerade die Bonuskärtchen spielen eine besondere Rolle im Spiel, denn sie verbessern meine Aktionen, die ich durch andere Gebäude / Landschaften erhalten kann. 

Immer, wenn ich ein Plättchen aus der Tischmitte nehme, fülle ich den leeren Platz mit einem Plättchen aus meinem persönlichen Vorrat auf. Sobald der erste Stapel dieser Plättchen bei irgendeiner Person leer ist, kommt es zu einer ersten Wertung. Dann auch nochmal, wenn der 2. und der 3. Stapel bei irgendwem leer wird. Nach der 3. Wertung endet das Spiel.

Rot und grün

Es gibt rote und grüne Siegpunkte, die ich im Laufe des Spiel erhalten kann. Bei jeder Wertung werden die grünen Punkte auf die rote Punkteleiste übertragen. Je mehr grüne Punkte ich also habe, desto besser: Denn das Übertragen geschieht bei jeder Wertung. Rote Punkte, die ich im Spiel bekomme, werden direkt auf der roten Leiste abgetragen und von denen profitiere ich nicht mehrfach.

Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Soweit, so gut. Das dazu, wie das Spiel grundsätzlich so funktioniert. Da fehlen noch einige Details, aber wenn ihr die kennenlernen möchtet, werft gerne mal einen Blick in die Anleitung und sucht nach den Farbbonus-Plättchen, den Ertragskarten oder Marmor z.B. 😉

Gleich nochmal?

Ich habe The Castles of Tuscany sowohl online bei Tabletopia als auch analog auf dem Tisch gespielt und tatsächlich gab es niemanden, der das Spiel schlecht oder langweilig fand. Jeder hat oder hätte gern direkt nochmal eine weitere Runde gespielt – was ja durchaus auch schon ein Anzeichen für ein gutes Spiel ist 😉 Es wird einem hier auch schnell klar, dass man unterschiedliche Strategien ausprobieren möchte, um herauszufinden, wie die so funktionieren. 

Ich finde das Spiel sowohl mit 2 als auch mit 4 Personen den Umständen entsprechend flott und habe mich nur in wenigen Konstellationen (in denen es auch ambitionierte Langzeitdenker gab ;-)) mal mit Downtime konfrontiert gesehen. Es ist relativ taktisch, sich zu überlegen, welches Plättchen wann gelegt wird, um das bestmögliche Ergebnis aus dem möglichen Effekt herauszuholen.

Also, um auf die Frage vom Anfang zurückzukommen, ob dieses Spiel uns in den Urlaub entführt, wenn es auf dem Tisch liegt, ganz klar:

Nein.

The Castle of Tuscany ersetzt auf keinen Fall einen Urlaub und bei mir kam auch keine Wanderlust auf, wenn ich das Spiel gespielt habe. Im Endeffekt lege ich Plättchen mit verschiedenen Fähigkeiten auf mein Tableau. Mehr Atmosphäre als das kommt nur auf, wenn man sich wirklich ganz, ganz genau die Gebäude auf den einzelnen Plättchen ansieht. Das Spiel ist in meinen Augen künstlerisch gestaltet, aber nicht so, dass ich mich nach Sienna und Co versetzt fühle ( …. obwohl ich sagen muss, dass ich das gerade schon ziemlich nett fände, dort zu sein ;-)).

Sicherlich hätte das das Spiel für mich noch etwas interessanter gemacht (ich steh ja auf schöne, atmosphärische Spiele) – aber auch so ist The Castles of Tuscany ein gutes Spiel. Auch die Überlegungen, worauf ich mich in dieser Partie „spezialisieren“ möchte, sind von Partie zu Partie ein bisschen anders (wenn ich das will ;-)), da es ja auch immer davon abhängt, wie mein Spielplan aufgebaut ist und welche Gebäude/Landschaftsarten mir zur Verfügung stehen und welche ich überhaupt bauen kann. 

Ein herzlicher Dank geht an Ravensburger, die uns das Spiel für die Rezension gestellt haben.

Lecker

  • The Castles of Tuscany ist in meinen Augen eine Schachtel, die man in fast jeder Runde auf den Tisch bringen kann.

Pfui

  • Das Design entführt mich leider nicht in die Toskana

Fazit

Kaddy hat Bock auf Toskana

  "The Castles of Tuscany macht Spaß und bietet auch von Partie zu Partie Abwechslung. Ich mag den Wertungsmechanismus (obwohl ich die roten und grünen Punkte anfangs noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig fand) und auch so finde ich, dass dieses Spiel einfach ein guter Begleiter für einen Spieletag/-abend ist. Auf Tabletopia lässt sich das auch gut spielen - auch, wenn wir hier natürlich hoffentlich nicht dazu sagen müssen, dass "echtes" Spielen drölf mal besser ist ... Aber Tabletopia ist auf jeden Fall auch besser als gar nix ;-) Von mir gibt´s eine sehr gute Gute Fritte!"
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Gute Fritte

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