The Mind

Frittenrezensionen Kartenspiele
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Absolute Superfritte

Ich weiß, was Du denkst. Moment? Nein, doch nicht!

Das Frühjahr bringt nicht nur schönes Wetter mit sich, sondern auch einige neue Spiele. Auch The Mind vom NSV ist eines von ihnen. Von der Schachtel blickt uns ein Hase entgegen, der Untertitel lautet „Lasst uns eins werden …!“. Kleine Schachtel, sieht also nach einem Kartenspiel aus. Was steckt denn noch drin? Wir haben es uns genau angeschaut und daher könnt ihr hier bei uns mehr darüber erfahren.

Okay, jetzt aber Ruhe.

The Mind – englisch – deutsch: Geist, Seele. Das ist das, worum es hier geht.

The Mind ist eine der Frühjahrsneuheiten vom NSV, ein Kartenspiel für 2-4 Spieler ab 8 Jahren. Eine Partie dauert laut Schachtel 20 Minuten, wobei ich auch schon um einiges kürzere als auch längere Partien erlebt habe. Der Autor ist Wolfgang Warsch, der offensichtlich 2018 zu seinem Jahr machen will, denn seine Spiele scheinen in diesem Jahr wie Osterglöckchen aus dem Winterboden zu sprießen. Nicht nur diese Schachtel hier trägt seinen Namen, sondern auch noch einige andere: Ganz schön clever, Illusion und Die Quacksalber von Quedlinburg stammen auch noch von ihm.

Konzentration.

„The Mind ist mehr als nur ein Spiel. Es ist ein Experiment, eine Reise, total einfach und die genialste Team-Erfahrung, die man machen kann.“ So beschreibt sich das Spiel selbst, wenn man einen Blick auf die Schachtelrückseite wirft. Ich sage: Ja, ja, nein, joa.

Aber noch wisst ihr ja gar nicht, worum es geht:
Es klingt einfach, aber ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass dem nicht so ist.

Als Team durchschreiten wir mehrere Level – beginnend bei 1. In jedem Level ist es unsere gemeinsame Aufgabe, Karten offen in der Tischmitte abzulegen. Und zwar in der richtigen Reihenfolge. Beginnend bei der niedrigsten Zahl, abschließend mit der höchsten Zahl, die alle Spieler so auf den Händen halten. Es gibt 100 Zahlenkarten – mit den Werten 1 bis 100.

Die Schwierigkeit

Wir dürfen nicht reden, keine geheimen Zeichen geben, nicht zählen oder sonst irgendetwas tun, das den anderen verraten könnten, welche Karten wir auf unseren Händen halten. Das erste Level scheint noch machbar. Jeder erhält 1 Karte und entsprechend muss jede Karte korrekt ausgelegt werden. Mit jedem Level wächst die Anzahl an Handkarten und somit an Karten, die offen abgelegt werden müssen, um 1. Da es 12 Level gibt, bedeutet das eben auch, dass jeder Spieler am Ende 12 Karten auf der Hand hat, die abgelegt werden müssen.

Damit das überhaupt funktioniert, müssen sich alle Spieler zu Beginn eines neuen Levels synchronisieren und ihre Hände gemeinsam auf den Tisch legen. Konzentration ist angesagt. Dann geht das Spiel los. Es gibt keinen Startspieler, es gibt keine zeitlichen Einschränkungen. Es gibt einfach nur das Gefühl, das man hat und das einem sagt, wann man welche seine Karten spielen soll.

Die Blicke wandern durch die Runde und warten darauf, dass der erste die Karte spielt. Oder ist man selbst derjenige, der seine niedrigste Karte ausspielen sollte?

Pssst.

So wandern immer mehr Karten in die Tischmitte. So lang sie alle richtig sind und niemand eine niedrigere Karte auf der Hand hat, als die, die gerade ausgespielt wurde, ist alles gut. Sollte jedoch jemand nach dem Ablegen einer Karte Bescheid geben, dass er eine Karte mit einem niedrigeren Wert auf der Hand hält, dann geht´s an die Hasenleben. Denn pro Spiel hat man nur eine gewisse Anzahl an Leben, die man verwirken darf. Und man verliert eben immer eines, wenn eine falsche Karte gelegt wurde. Leben sind hier wirklich knapp gesäht – denn wenn man einen Fehler macht, muss man das Level trotzdem noch zu Ende spielen. Und das größere Ziel ist ja auch, alle Level zu schaffen!

Wenn´s mal knapp wird, gibt es noch den Wurfstern. Den kann man als Gruppe einsetzen und somit dafür sorgen, dass jeder aus der Runde seine niedrigste Karte offen abwerfen darf. So sorgt man für weniger Karten, die noch gespielt werden müssen und außerdem kann man sich dadurch aus schwierigen Situationen holen, in denen niemand so recht weiß, was zu tun ist.

Da sowohl die Leben als auch die Wurfsterne nach Nutzung abgelegt werden, sollte man also gut haushalten. Allerdings hat man zwischendurch immer wieder die Chance, neue Sterne und Leben zu erhalten – denn manche Level bringen der Gruppe eine Belohnung, wenn man es bestanden hat.

Und für all diejenigen, die The Mind zu einfach finden (weil sie Aliens sind oder so), gibt´s auch noch eine Variante: Die Karten werden dann nicht offen sondern verdeckt ausgespielt und erst am Rundenende wird überprüft, ob das alles so stimmt.

Das erste Mal

Meine erste Partie The Mind habe ich in Nürnberg auf der Spielwarenmesse gespielt. Es ist hell, laut und die Atmosphäre entspricht natürlich nicht dem, was ich mir vorstelle, wenn ich mir die perfekte The Mind Umgebung ausmale. Wir starteten eine Runde – Funfairist und ich und außerdem noch 2 sehr nette Damen, die wir vorher nicht kannten, außer durch eine Runde Würfelland.

Ich war zuerst ein bisschen skeptisch – Karten ablegen ohne zu sprechen. Aha. Ist ja spannend.

Dann ging´s los. Level 1. 1 Karte für jeden auf die Hand. Synchronisieren. Warten. Wer spielt die erste Karte? Warum tut niemand was? Kann es wirklich sein, dass ich diejenige bin, die die niedrigste Karte hat? Kann doch gar nicht sein. Ich warte. Ich schaue die anderen an. Ich werde nervös und lache. Oh mein Gott, was soll ich nur tun? Okay. Ich glaub …. ich hab vielleicht doch die niedrigste Karte. Ich spiele aus. Halte die Luft an. Ich habe meinen Part erfüllt und ganz offensichtlich die richtige Entscheidung getroffen – denn die anderen schweigen immer noch und schauen sich an. Irgendwann wird die nächste Karte gespielt. Kurze Atempause. Niemand lenkt ein. Auch die 2. Karte ist wohl richtig. Bleiben noch 2. Blickkontakt. Stille. Die dritte, alles entscheidende Karte wird ausgespielt. Und die vierte direkt hinterher. Wir haben es geschafft. Ich atme tief ein und merke, wie mir warm wird, weil die Spannung meine Schweißdrüsen dazu angeregt hat, möglichst viel Flüssigkeit zu produzieren.

ACH DU SCH*!SS#!

Das war Level 1???????? Okay, voraussichtlich werde ich im Laufe dieses Spiels an Herzversagen dahinscheiden.  Wie soll ein Mensch das aushalten? Diese Anspannung?! Egal. Alles für die Spiele. Level 2. Auch hier wieder das gleiche Szenario. Stille und angespannte Blicke am Tisch, zwischendurch ein nervöses Giggeln meinerseits, kurz bevor ich in meine immer länger werdenden Atempausen eingestiegen bin …

Das erste Leben verlieren – oh man. Nicht nur der Ärger ist groß (weil man selbst ja doch dachte, dass man seine Karte hätte spielen müssen, es aber doch nicht gemacht hat, weil man dachte, dass es vielleicht doch noch nicht die Richtige sein würde), sondern auch ein bisschen Verzweiflung, weil der erste Hase (also das erste Leben) uns verlässt. (und die sehen soooo niedlich aus!)

So kämpften wir uns durch einige Level, es wurden immer mehr Karten, die abgelegt werden mussten und die Anspannung wuchs von Level zu Level. Was auch wuchs waren meine Schweißflecken, denn dieses Spiel hat mich nervlich fertig gemacht. Da ich das mit dem Pokerface nicht besonders gut kann, war die Stille immer begleitet von Kichern, Ausrufen darüber, dass ich sicher bald sterben würde, wenn das so weiterginge, und tiefen Seufzern.

Bekannt und unbekannt

Schnell war klar, welche die nächsten Testrunden für The Mind werden sollten. Denn ich wollte ausprobieren, ob es einem leichter fällt, sich zu entscheiden, wenn man sein Gegenüber gut kennt oder wenn man es vielleicht gar nicht kennt.

Die The Mind-Runden hatten eines gemeinsam: In keiner blieb es bei einer Partie. Jeder Abend bzw. Tag war von dem Satz begleitet: „Das kann doch nicht sein, das müssen wir doch besser hinbekommen!“. Und zack wurde direkt die nächste Runde gespielt. Erstaunlich, wie schwer es ist, seine Freunde, die man lang kennt, einzuschätzen, wenn es darum geht, welche Nummer die Karte auf ihrer Hand hat. ?Aber das ist gar nicht das Problem, dass es uns hier bei The Mind schwer macht. Vielleicht ist es eher die „Wenn-Dann-Formel“, die automatisch im Kopf entsteht:

„Also. Ich hab die 12 auf meiner Hand. Die ist niedrig, aber irgendwie sieht X ganz schön angespannt aus …. so als würde sie ebenfalls eine niedrige Karte spielen. Y sitzt da als hätte er nur Zahlen auf den Händen, die 90 oder höher sind und Z … ist glaub ich einfach überfordert. Was aber, wenn X denkt, dass ich angespannt bin und deswegen ihre Zahl zurück hält, die eigentlich vor meiner Karte gespielt werden müsste?“

Nicht, dass man sich durch solche Gedankengänge selbst das Leben unnötig schwer machen würde …. ?Aber natürlich ist gerade diese Sache ein essentieller Teil von The Mind, der Teil, der dieses Spiel so besonders macht, in meinen Augen.

Die Antwort.

Und um noch auf die Frage, ob es mit Bekannten oder Unbekannten einfacher ist, zurückzukommen: Ich habe die Antwort gefunden und es ist ein ganz klares VIELLEICHT!  Ich habe sowohl mir fremde Personen erlebt, mit denen es gut funktioniert hat, andere, mit denen es nicht wirklich gut lief. Aber das gleiche hatte ich eben auch mit mir bekannten Personen.
Nehmen wir meinen Mann als Beispiel: Wir kennen uns sehr gut. Aber: Das birgt eben auch wieder das Potential, dass man darüber nachdenkt, was der andere wohl gerade denkt, obwohl man gar nicht weiß, ob der andere so weit denkt und man daher vielleicht auch über´s Ziel hinaus schießt mit seinen Gedanken. Daher hatten wir sowohl auch 2er Partien, in denen einige Level echt wie Mayo die Pommes runterflutschten, in anderen Leveln haben wir uns echt einen abgekaspert und unglaubliche Probleme gehabt … Tja, so ist es im Leben. Wer würde nicht mal gern Mäuschen spielen im Hirn eines anderen? ?

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The Mind

The Mind ist fast schon ein Experiment und eine Anleitung den eigenen Geist für andere zu öffnen. An sich ein simples Kartenablegespiel mit einer ordentlichen Portion Spannung.

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Lecker

  • Kommunikation, ohne zu reden
  • Gruppenstimmung ist der Oberknaller
  • Den eigenen Geist öffnen
  • In Kontakt gehen, eins werden als Team
  • Verdient nominiert zum Spiel des Jahres 2018

Pfui

  • Wer sich nicht drauf einlässt, macht das Spiel für sich und andere kaputt
  • Spiel? Oder Experiment?

Fazit

Kaddy schweigt.

  "Ich bin sprachlos – wie es sich für The Mind gehört. Wow! Wie einfach eigentlich dieses Spielprinzip ist. Es gibt, so weiß ich von Funfairist, sogar schon lange pädagogische Methoden für Gruppen, die im Endeffekt genau das tun, was The Mind macht. Gut also, dass man nicht nur aus spielerischer, sondern auch aus pädagogischer Sicht mit The Mind was gutes tut. Ich finde The Mind grandios und auch die Gruppen, in denen es gespielt wurde, waren begeistert und wollten mehr. Unfassbar eigentlich, dass man mit so wenigen Karten und einer solche knappen Regel so ein intensives Spielerlebnis schaffen kann. Das begeistert mich! Und daher ist das hier eine Superfritte mit ein paar goldenen Sternchen. **** Danke, NSV, dass ihr uns The Mind als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt habt."
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Absolute Superfritte