Night of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel

Brettspiele Frittenrezensionen
7

Superfritte

Alle wollen Barbara!

Wäre George A. Romero und ein paar weitere nicht 1967 gewesen, die die Idee und die Umsetzung zu einem Indi-Horrorfilm gehabt hätten, mit wankelnden Untoten, Ghulen, die im Jahr drauf die Kinoleinwand beschlurft hätten, was wäre aus dem Zombie-Genre heutzutage geworden? Gäbe es das überhaupt? Jedenfalls hätten wir nicht das kooperative Miniaturenspiel Night of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel von Raphaël Guiton, Jean-Baptiste Lullien, David Preti und Nicolas Raoult (Cool Mini Or Not, Asmodee) auf dem Tisch. Ich schaue heute auf Besagtes – kommt gerne mit. Keine Sorge, ich habe für uns alle Tischbeine zur Verteidigung besorgt.

Zusammen gegen die Ghule

Wie heißt es denn nun? Ghule oder Ghuls? Wie lautet die Mehrzahl? Und warum wird Ghul im deutschen nur mit „u“ geschrieben, und nicht mit „ou“?

Besonders der Diskussion zur ersten Frage nach der Mehrzahlnennung gaben sich im Hörspiel-Crossover John Sinclair und Dorian Hunter (Ein Leben unter Toten (83) und Herbstwind (21)) hin. Eine Klärung haben sie nicht gefunden.

In der deutschen Übersetzung zu Night of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel hat Franziska Wolf (Asmodee) sich für Ghule (nur mit „u“ und ohne „s“) entschieden. Auf jeden Fall wurden nicht die Namen Zombies oder Xenos oder sonst wie genutzt.

Die Nacht der lebenden Toten, so der deutsche Titel des Meilensteins des Horrorfilms, wurde im Zombicide-Setting eingefleischt und kann ab sofort auch auf dem hiesigen Küchentisch gespielt werden. Oder auf einem anderen Tisch, egal, hauptsache er ist relativ groß, so dass der ganze TamTam seinen Platz findet.

Und TamTam ist drin in der Kiste. Von CMON nicht anders gewohnt, ist die Packung prallevoll mit gut sortierten Einsätzen für Karten, Figuren und Spielbretter. Die brauchen wir auch, um in die Geschichte von damals, in den aufregenden 60ergn, einzutauchen und dem Filmflair nachzuspielen.

Die Welt ist am Ende

Wenn Filme heutzutage im Titel tragen würden: „Die Welt ist am Ende“, so können wir sicher sein, dass Mord und Totschlag, Katastrophe und Verbrechen, Knallbumm und Krachpuff ganze Kontinente in die Luft sprengen würden. Aber die Welt ist bekanntlich auch schon eine Große, wenn man die eigenen 4 Wände betrachtet, oder zumindest das eigene Umfeld. Warum auch immer nach dem Riesigen streben? Manchmal ist die nahe Welt diejenige, in der wir eingebunden sind, und manchmal ist auch nur ein Mensch die ganze Welt, die man hat. Und wenn diese zu Ende geht, so ist der Untergang eines Kontinents fast schon ein aufgewirbelter Staubkorn.

So zeigt sich Night of the Living Dead nicht nur als Terror eines Städtchens und eines Ortes, sondern vor allem zeigt sich der Horror im Verlust der nahestehenden Menschen. Wenn der eigene Bruder zum auferstandenen Toten verfällt, wenn die eigene Kindstochter nach dem Fleische der Mutter lechzt, so ist die kleine heile Welt wirklich am Ende. Nur zusammen und mit Beistand können wir uns einander helfen, stützen und zumindest dafür sorgen zu fliehen, irgendwo hin, um woanders Sicherheit und evtl. ein Neuanfang zu finden ist.

In Night of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel spielen wir den Film und die Geschichte des Erfolgsfilms aus dem Jahr 1968 nach. Eine kleine überschaubare Rotte an Menschen hat sich in einem Farmhaus verbarrikadiert und versucht zu fliehen. Wohin? Wir wissen es nicht. Aber weg von den anschlurfenden Massen an Toten, die auf das Haus zuwanken.

Schlurfer und Fettbrocken tummeln sich an den verbarrikadierten Fenstern und zwischen manch Holzpfosten können wir so manch verwandtes Gesicht erkennen. Wie schrecklich. Kaum vorzustellen, wie es wirklich wäre, wenn an die Türe ein verstorbener und geliebter Verwandter hämmern würde, der unseren Tod will. Wirklich grausig.

Und so versuchen wir uns zur Wehr zu setzen. Wir schnappen uns notwendiges Mobiliar und versuchen die Massen an toten Körpern aufzuhalten und bestimmte Siegbedingungen des Szenarios zu meistern.

Das Spiel

Das klappt erstaunlich gut, denn im Gegensatz zu anderen Zombicide Spielen spielt sich Night of the Living Dead recht „einfach“ und kommod. Wir haben keine Runner, die auf uns zu flitzen, auch erleben wir Brutstädten nicht so, wie wir es aus anderen Zombicide Spielen kennen. Und dennoch besitzt dieses Spiel ein ganz besonderes Flair, das vor allem über die Geschichte und das Setting getragen wird. Keine fetten Wummen, keine neumodischen Kettensägen und Zerstückelwerkzeuge, nein, manchmal muss auch einfach mal ein Beil, ein Tischbein oder auch Mamas Schrotflinte reichen, um sich zur Wehr zu setzen.

Wer die Regeln von Zombicide kennt, wird sich ganz schnell zurecht finden in diesem Ableger. Doch auch hier ist etwas neu, anders, und wirklich passend zum Spiel. In Night of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel besitzen wir von unseren Held*innen 2 Figuren, die einen Romero- und einen Zombicide-Modus zeigen. Im Laufe des Spiels können wir unsere Charaktere „pimpen“, und die Charakterkarte umdrehen. Spielfiguren im Zombicide-Modus können etwas mehr, haben Effekte und Talente, die wir im Romero-Modus nicht haben. Bestimmte Karten und Aktionen lassen uns immer wieder hin und her verfallen: Romero vs. Zombicide.

Das klappt erstaunlich gut, und es bringt ein nettes Extra ins Spiel.

Auch haben wir es nicht mit rennenden Untoten zu tun. Hier schleichen die Ghule langsam auf unser Haus zu, und teilweise ergreifen sie Ziegelsteine und andere „Werkzeuge“ um unsere Barrikaden nieder zu reißen. Türen springen auf, Fenster gehen zu Bruch und die Sicherheit geht ganz plötzlich flöten, wenn die Toten die Zimmer begehen.

Der Lärm, ein so bekanntes Indiz von Zombicide, spielt keine Rolle in dem Spiel. Wir versuchen die Untoten abzuwehren, fern zu halten, und nebenbei unsere Mission zu schaffen. Ob wir unsere Fenster verriegeln müssen, ob wir Benzin einzusammeln haben, oder ob wir mit dem Haus am Maisfeld entlangfahren müssen – die Geschichte des jeweiligen Szenarios führt uns erst wie im Film, später darüber hinaus entlang, wie es gewesen sein könnt, damals, Ende der 60er Jahre, wo der Erde das Leben ausging.

Ein Spiel voller Gefühl

Ich bin ein großer Fan von Zombicide, und viele Zombicide-Spiele habe ich schon gespielt. Ob im bekannten amerikanischen Städtchen der 90er bis heute, ob im Mittelalter, ob in der Zukunft – Zombicide ist für mich ein sehr unterhaltsames und tolles Spiel.

Nicht of the Living Dead – Ein Zombicide Spiel hat mich begeistert. Vielleicht in erster Linie, weil es ein Zombicide Spiel ist. Wer mit Zombicide nichts am Hut hat, nun, der wird auch in dieser Nacht-Vorlage keine explizite Freude erleben. Und dennoch schätze ich etwas an dieser Ausgabe, was ich bei den anderen Zombicide-Spielen nicht so intensiv gefühlt habe.

Es ist die Geschichte und das Setting, was mich begeistert. Das Flair des Films wurde exzellent eingefangen und spielerisch widergegeben. Wir suchen uns hier nicht dumm und dusselig. Wir hämmern nicht mit Waffen gegen die fiesen Zombiemassen, die aus Brutstädten und aus Fäulnis heraufsteigen, und Monstren und flinke Läufer machen uns auch nicht das Leben schwer. Aber wir haben sie, die wankenden Toten, die Verwandten und die Aufgaben, die zu erledigen sind.

Das Spiel spielt sich noch familientauglicher und zugänglicher, als alle anderen Zombicide-Spiele. Manche würden vielleicht sagen, dass ihnen diese „soft-Variante“ zu einfach sei – kann sein. Aber Spaß macht sie in jedem Fall.

Ich mochte sehr meine Charaktere durch die Hütte und die Umgebung zu ziehen. Mir kamen die Figuren bekannt vor: Barbara, Ben, Helen und Harry und so weiter. Und ich konnte mitfühlen, dank der schönen Geschichten und dem Wissen des Films, was da passiert, im Farmhaus, wenn draußen die Ghule an den Holzwänden kratzen. Bedrückend und spannend zugleich.

Ich freue mich über diese Auskopplung und würde sie, wenn jemand mal Zombicide spielen möchte, und es nicht kennt, sogar vorziehen, bevor ich zum Grundspiel (und Konsorten) greife. Dies würde ich aber eher bei Spielunerfahrenen machen. Bei Spielerfahrenen würde ich doch eher ins Mittelalter gehen oder auf Altbekanntes zurück greifen.

Lecker

  • Ein etwas leichteres aber sehr rundes Zombicide für die Familie mit einer ganz tollen Geschichte.

Pfui

  • Nix pfui, alles hui!

Fazit

Funfairist is coming to get you

Für mich eine Superfritte. Ganz klar. Eins der besten Zombicide, was aber auch sehr fran liegt, dass ich den Film so toll finde. Ich finde das Flair des Films super eingefangen und absolut passend umgesetzt. Daher eine klare Empfehlung. Herzlichen Dank an Asmodee, die uns das Spiel für eine Rezension zur Verfügung gestellt haben.
7

Superfritte

0:00
0:00