Sebastian Fitzek Killercruise

Brettspiele Frittenrezensionen
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Knusperfritte

Wenn es 2020 schon keinen Sommerurlaub gab, dann wenigstens ‘ne Kreuzfahrt in den Tod!

Im Herbst kam Post vom moses. Verlag bei mir an. Eine Einladung zu einer Kreuzfahrt? In einer Pandemie! Ja geil! Auch der Satz “Ihr könnt euch sicher sein, dass ihr eine solche Cruise in eurem Leben nicht noch einmal machen werdet.” hat meine Lust auf einen Ausflug noch wachsen lassen. Aber: Ich durfte gar nicht wirklich auf ein Kreuzfahrtschiff. Ich hatte sogar einen Schlüssel dabei, von dem ich dachte, er sei vielleicht für meine Zimmertür.

Aber nein.

War er nicht.

Es war nur ein Rohling.

Und einen Ausflug gab es auch nicht. Sie hatten mich reingelegt. Da war ich zuerst ein bisschen traurig …
Aber dann kam ein Päckchen an und ich hab darin einfach mein eigenes Schiff gehabt! Also, so ganz wirklich. Hier, schaut mal:

 

Eine Schifffahrt, die ist lustig

Es gibt ein Regelvideo vom Verlag, das mit sehr viel Mühe und Leidenschaft erstellt wurde. Das lohnt sich auf jeden Fall, anzuschauen, wenn ihr wissen möchtet, wie das Spiel funktioniert. Ich werd mich hier diesbezüglich ultra kurz fassen.

Wir spielen gemeinsam gegen das Spiel und müssen ins unterste Deck des Schiffes hinabsteigen. Um das zu schaffen, müssen wir vom Oberdeck ins Mitteldeck und dann nach ganz unten. Wir müssen auf dem obersten Deck die Leute vor einem Killer beschützen (da bewegen wir die Spielfiguren quasi fleißig über das Schiff), der die verhaut, wenn er sie auf einem Feld trifft und wir müssen Räume aufschließen. Das machen wir mit unseren Handkarten, auf denen Personen, Schlüssel und Orte abgebildet sind. Dann müssen wir im Mitteldeck einen weiteren Verbündeten klarmachen (dazu müssen aber genug Türen auf dem Oberdeck aufgeschlossen worden sein) und uns Tür für Tür ins Unterdeck durchschlagen. Dort wiederum kommen wir an Hinweise, die uns sagen, wo sich der Psychopath befindet oder auch nicht befindet. Wir müssen ausreichend Hinweise im Bauch des Schiffes sammeln, um per Ausschlussverfahren den genauen Standort des Psychopathen zu bestimmen. Haben wir das geschafft, gewinnen wir. Es gibt aber auch eiiiiinige Wege, das Spiel zu verlieren.

Meine Lieblingsoption des Verlierens

Ich finde es super, dass man das Spiel automatisch verliert, wenn man es an einem Freitag den 13. spielt. Tja, passiert halt.;-)

“Kooperatives Rätsellaufspiel” lässt vermuten, dass man das Spiel nur einmal spielen kann? Nein, man kann es mehrfach spielen. Es gibt 24 verschiedene Rätsel – das sind die Verteilungen der Hinweiskarten im Unterdeck. Damit ist man auf jeden Fall erstmal gut beschäftigt, bis man die alle geschafft hat … (Und ich kann für meinen Teil sagen, dass ich danach geschmeidig wieder von vorn beginnen könnte, weil ich nach so vielen Kapiteln keine Ahnung mehr hätte, wie die Verteilung im ersten Rätsel war.)

Irgendwie fühlt es sich für mich auch nicht wirklich an wie rätseln, wenn wir hier auf dem Schiff hin und her und hoch und runter laufen. Dass wir vor einem wahnsinnigen Typen fliehen müssen, der die Passagiere verhaut, wenn er sie trifft, wird vom Spielgefühl her auch gut transportiert. Aber das, was eigentlich rätseln sein sollte, bleibt für mich auch irgendwie eher wie ein Wettrennen, bei dem ich Hinweise einsammle. Die Killercruise ist kein Ort, an dem ich Urlaub machen möchte. Wie kaputt muss man sein, um alten Omis auf dem Oberdeck den Nacken zu brechen, wenn man sie sieht? Alles Psychos heutzutage ……

Das, was ich an diesem Spiel am beeindruckendsten finde, ist die Ausstattung. Ich meine: wow. Einfach wow. Wie großartig ist denn die Tatsache, dass hier ein Schiff in der Schachtel steckt? Dann gibt es sogar von jeder Spielfigur noch eine weitere – falls jemand mal auf die Fresse gekriegt hat, wird die Figur nämlich ausgetauscht. Jede Menge feste Stanzteile bilden die unterschiedlichen Decks auf dem Schiff. Also wirklich: Daumen hoch für die Ausstattung dieses Spiels. Und nicht nur das: Auch die verschiedenen Trailer und Clips, die für dieses Spiel produziert wurden, sind echt super geworden.

Alles in allem muss ich leider auch sagen, dass mich die Ausstattung des Spiels mehr als das Spiel an sich geflasht hat. Es fühlt sich nach “diesem typischen, kooperativen” Spielen an, bei dem man die ganze Zeit den lauten Atem des Spiels im Nacken hat. Der Rätselaspekt war für mich immer eher so lala …. Das hat mich nicht so gepackt …. und ich würde wahrscheinlich eher kooperative Klassiker wie Pandemie oder Flashpoint auf den Tisch bringen, als die Killercruise.

Ein wahrscheinlich gar nicht so unwichtiges Detail meiner Einschätzung und meinem Spielerlebnis: Ich kenne kein einziges Buch von Sebastian Fitzek und zähle damit auch nicht zu irgendeinem Fanclub. Sicherlich werden Fans, die alle Bücher gelesen haben und die Handschrift Fitzeks mögen einen besonderen Draht zu diesem Spiel haben. Für mich gehört es leider eher zu den mittelmäßigen kooperativen Spielen …

Zu spät, zu spät!

Sicherlich wäre der Killercruise-Auftakt ohne Corona auch noch mal ein bisschen pompöser geworden. An meinem Schlüsse hing ein Anhänger, der mich zu einem personalisierten Video geführt hat. Auf dieser Website hätte ich mich auch noch beweisen können, um mit meinem Team eventuell gegen die Autoren in Berlin anzutreten.

Das war allerdings zeitlich so kurzfristig und hinzukommend durch die Pandemie dann doch eher unsexy, evtl. eine Fahrt nach Berlin “zum Spaß” anzutreten, dass ich diese Chance gar nicht genutzt habe.

Lecker

  • Der Spielaufbau ist der Wahnsinn - so wird aus ein paar Handgriffen die Killercruise (fast) Realität

Pfui

  • Leider hat sich bei uns die Wiederspiellust nicht wirklich eingestellt ...

Fazit

Kaddy wird nicht seekrank

  "Eigentlich macht die Killercruise nichts falsch. Man kämpft im Team gegen ein Psychopathenspiel mit großartiger Ausstattung und kann die Schwierigkeit so einstellen, wie man es für die Gruppe gern hätte. Aber ich muss leider sagen: Zündet bei mir irgendwie nicht. Ich kann gar nicht genau mit dem Finger draufzeigen, was es ist, das mir nicht so gefällt ... Sicherlich ist es zum Teil das Gefühl, immer wieder das gleiche zu tun und nur im Finale ein anderes Ergebnis zu finden. An der Ausstattung und der grandiosen Idee der Gestaltung kann es auf jeden Fall nicht liegen ... Schade, ich wünschte, dass ich das Gesamtpaket in diesem Fall überzeugt hätte ... Ein herzlicher Dank geht an den moses. Verlag, die uns das Spiel für die Rezension gestellt haben."
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