Trollfjord

Brettspiele Frittenrezensionen
5

Knusperfritte

Mit Schmackes eins mit dem Hammer

Spiele und spielen sind eher ruhig und leise. Na ja, nicht immer, es gibt Spiele, die sind ganz schön laut, und hektisch und da redet man viel und Musik oder ne APP läuft, aber was Spiele eher selten machen, ist Krach. Auditive Emissionen haben im Grundgedanken von Spiel eher nichts zu suchen. Trollfjord macht es anders, denn hier gibt es ein lautes TONK und KNALL und SCHEPPER, was durch einen Hammer verursacht wird, der auf einen Turm einschlägt. Wer sich fragt, warum Eilif Svensson und Kristian A. Ostby Spielmaterial verhauen wollen, fragt entweder Zoch oder liest hier einfach weiter.

Schätze durch Geröllgehaue

An sich ist die Idee genial und thematisch 1a umgesetzt. Um Schätze zu bekommen, und um den Berggeist zufrieden zu sehen, müssen wir aus einem Felsen Geröll rausschlagen. Der Felsen wird in diesem Spiel durch ein Würfelturm aus Holz symbolisiert, der aus mehreren Ebenen besteht. Dort drin sind die Geröll-Quader versteckt. Um sie herauszubekommen, müsste man eigentlich nur etwas rütteln, den Turm hin und her bewegen, beugen oder auf den Kopf stellen. Da dieser Turm aber diegetisch ein Berg darstellt, ist das nicht möglich. Und da wir Trolle im Spiel nachahmen, bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem mitgelieferten Holzhammer beherzt gegen die Seite des Turms zu schlagen. PENG! Macht es und der Knall zittert durch das Zimmer. Beim ersten Schlag, noch sanft und vorsichtig, passiert nicht viel. Der Aufforderung nachkommend, beherzter zu zuschlagen, macht es KNALLBUMM, und man schaut, ob man den Turm evtl. beschädigt hat. Nichts passiert, das Holz scheint stabil zu sein. Und wieder saust der Hammer seitlich nieder/gegen, um man kommt sich vor, wie beim Fleischkloppen in der Grillsaison.

Der Felsenturm ist echt ein Hingucker. Mehr noch: Zoch schafft es in diesem Spielmaterial nicht nur Auge und Hand zu vereinen, sondern holt auch noch Freund Ohr hinzu. KRACH! Macht der Hammer, und schon wieder erschreckt man sich, weil es so laut rummst.

Was sich hier als lebendig und vielleicht auch witzig liest, geht einem beim Spiel an sich schnell auf die Eier, Entschuldigung, geht einem schnell auf die Troll-Senkel. Vielleicht bin ich und sind meine Spielegruppen zu empfindlich, aber allen Beteiligten ging dieses Geknalle recht schnell auf den Keks.

Mehr noch: Spielt man das Spiel während eines Spieletreffens, bei dem weitere Tisch rund um vertreten sind, bekommt man hier und da komische Blicke rübergeworfen. Trollfjord in der Bibliothek spielen, oder im Café – vergesst es. Da wird gebeten etwas leiser zu sein. Nun, leise hauen bringt nicht will, zumal es auch fast nicht möglich ist. Vielleicht mit Filz-Klebe-Punkten? Dennoch: Schlag bleibt Schlag.

Neben der auditiven Emission ist auch das Material den Schlägen nicht ganz frei von Spuren. Auch wenn wir achtsam mit den Schlägen und dem Felsenturm umgehen, ist es fast unumgänglich, dass wir den Schacht nach und nach kaputtkloppen. Da reicht auch schon ein falsch gezielter Schlag, ein schneller und unachtsamer Hieb auf die falsche Seite, oder gar ein schief stehender Hammer. Zack – Delle – Ups – Sorry. Ja, kann passieren. Schade. Was haben wir vor uns liegen? Ein Exit Spiel, was wir kaputt machen wollen? Auf Dauer ist das Trollgehämmer nicht ausgelegt.

Dauer und Langlebigkeit

Nun, auf Dauer und Langlebigkeit ist auch das Spiel mit seinem Spielerleben nicht ausgelegt. Eine Partie ist nett, und auch Partie zwei spielt sich gut. Aber schon bei Partie 3 kommt spätestens die Frage auf: Muss ich das noch mal spielen? Trollfjord ist wie so mancher Film: Nett gesehen zu haben, aber noch mal? Nein danke. Da gibt es andere Spiele auf dem Markt, die ein noch mal aus sich heraus hervorrufen.

Trollfjord ist ein Erlebnis und vielleicht auch ein Einmaliges. Das ist was Besonderes. Ja, ist es. An sich ist Trollfjord ein überschaubares und recht taktisches Area Control und „Gebiete einnehmen“ Spiel. Geschickt Figuren setzen, laufen, schauen wann man dran ist, und geschickt mit den Mitschlagenden agieren, sich parasitär in die Felsschlagerei mit einzecken, Punkte im Verborgenen sammeln, ja, all das kann Trollfjord. Und dann kommt noch die Hammer-Methode dazu, wow, das habe ich in einem Spiel noch nie gesehen und vor allem noch nie gehört.

Aber all das ist nicht für die Ewigkeit gemacht, vor allem nicht für´s langanhaltende Spielerleben. Einmal ja, vielleicht auch ein weiteres mal in der Wiederholung, aber bei der großen Auswahl da draußen in Sachen Spiel sind andere Titel einfach attraktiver.

Fazit

Schade, ich hätte diesem thematisch echt super angelegtem Spiel mehr gegönnt, aber leider kommt das Spiel über ein brachiales Einmalerlebnis nicht raus. Tolles Material, tolle Aufmachung, nette Idee und einfach mal was anderes, aber leider nicht auf Dauer.

Lieber Berggeist, danke für Deinen Schatz, hier hast Du mein Geröll. War nett, aber leider muss ich weiter gehen. Schüss, mach´s gut, und lass Dir die Sonne scheinen.

Lecker

  • Ein innovatives Spiel
  • Bei dem Spiel kann man richtig zupacken und -kloppen
  • Tolle Thematik

Pfui

  • Auf Dauer leider zu langweilig

Fazit

Funfairist klappert mit dem Hämmerchen auf den Tisch und verkündet

Wenn es um Innovation von Spiel geht, würde Trollfjord ne echt gute Frittennote erhalten. Wenn es jedoch um langanhaltenden Spielspaß und der Wiederholungsgier geht, so kackt dies leider bei uns ab. Aus beidem zusammen mache ich ne sehr knusprige Knusperfritte. Nett. Einmalig. Und das war es auch schon. Herzlichen Dank an Zoch für die Bereitstellung dieses Spiels für eine Rezension.
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